Restaurierung der Sauer-Orgel

Die auf der Westempore der Oberkirche vorhandene Orgel wurde 1901 durch den Ogelbauer Wilhelm Sauer errichtet. Das Prospekt der vorherigen Orgel wurde dazu weiterverwendet. Die Orgel wurde bis zur Schließung der Kirche 1977 bespielt.

Die Orgel war wegen der Baumaßnahmen in der Kirche lange Zeit verhüllt. Rechtzeitig vor der Feier zur Wiederweihe im September 2020 wurde sie von ihrer Abdeckung befreit und die sichtbaren Pfeifen wieder komplettiert. Der feine, im klassizistischen Stil gebaute Orgelprospekt ist immer noch imposant anzusehen.

Ansicht der Sauer-Orgel in der Oberkirche 2021 © Oberkirche Arnstadt e. V.
Ansicht der Sauer-Orgel in der Oberkirche 2021 © Oberkirche Arnstadt e. V.

Die Orgel ist jedoch nicht spielbar und muss einer aufwändigen Restaurierung unterzogen werden. Restauratorische Untersuchungen zeigten aber, dass sich die Grundsubstanz im Wesentlichen gut gehalten haben dürfte. Insgesamt fehlen 108 vorwiegend kleine Pfeifen. Eine Aussage, wann die Orgel wieder in Betrieb genommen werden kann, ist derzeit nicht möglich, da zu ihrer Restaurierung erhebliche Mittel erforderlich sind. Erste Schätzungen liegen zwischen 120.000 und 250.000 Euro.

Mithilfe eines durch den Kantor der evangelischen Kirchengemeinde initiierten CD-Projekts „Kirchenmusik in Arnstadt Vol. 3“, durch das der Erlös aller verkauften Benefiz-CDs der Restaurierung der Orgel zufließt, sowie auch der Initiative eines Vereinsmitglieds des Vereins Oberkirche Arnstadt e. V. werden Spenden für die Restaurierung der Orgel gesammelt. Neben dem genannten CD-Projekt sind auch noch die CDs Vol. 4 & 5 bei Erreichen der Gewinnspanne dafür gedacht, dass deren Erlöse der Oberkirchenorgelrestaurierung zugute kommen. Darüber hinaus können Sie auch hier gezielt für die Restaurierung der Orgel spenden.

Die beiden nachfolgenden Auszüge aus den im Zusammenhang mit einer Besichtigung der Orgel durch Orgelbauer im Jahr 2009 entstandenen Berichten geben einen kleinen Einblick in den Zustand der Orgel.

aus einem Bericht des Orgelrestaurators Christian Scheffler (Sieversdorf bei Frankfurt/Oder) nach Besichtigung der Orgel im Juli 2009:

„… Die Sauer-Orgel gehört mit Sicherheit zu den wertvollsten Ausstattungsstücken der Oberkirche. Mit dem Baujahr 1901 fällt sie in die letzte sehr schaffensreiche Phase von Wilhelm Sauer, der sich 1910 hochbetagt und wohlverdient zu Ruhe setzte. Im gleichen Jahr wurden mindestens 27 weitere Instrumente gebaut (zwischen 6 – 44 Register) u.a. in Heidelberg, Frankfurt (Oder), Riga, St. Moritz usw.
Die Wiederverwendung von vielen Holzpfeifen der Vorgängerorgel und des Gehäuses kann als besonderer Umstand bezeichnet werden. Wilhelm Sauers Vater Ernst lernte einst in Thüringen bei  Ratzmann in Ohrdruf das Orgelbauerhandwerk. Von ihm stammt die Vorgängerorgel (um 1850).“

Entsprechend der Feststellungen des Orgelbauers Scheffler sind die ausgebauten Holzpfeifen des Pedals u. a. durch mechanische Beschädigungen, viele aufgeleimte Holzfugen und auch Holzwurmbefall geschädigt. Bei seiner Besichtigung der Orgel waren die Zungenköpfe von Posaune 16´, die 1989 nachweislich noch vorhanden und zusammen mit den Holzpfeifen in der rechten Emporen(Loge) eingelagert waren, nicht auffindbar. Beim Begutachten der Bälge stellte er fest, dass ein Aufpumpen mit den Schöpfbälgen noch möglich ist und der Winddruck relativ lange hält, so dass „man der Orgel unter Umständen noch in begrenztem Umfang Töne entlocken (könne), so man dies wolle…“.

Auszug der Bestandsaufnahme der Orgel im September 2009 von Orgelbaumeister Joachim Stade (Waltershausen):

Standort: 1. Westempore
Größe: 2 Manuale und Pedal, 27 klingende Register
Erbauer, Baujahr: Wilhelm Sauer (1901) als op. 804
Wesentliche Umbauten: keine, die Pedalregister Octave 4´ und Mixtur wurden wohl nachträglich eingebaut, sie sind im Katalog nicht verzeichnet und stehen auf einer eigenen Lade, vermutlich von Sauer selbst auf vorbereiteten Plätzen vorbereitet.
Spielanlage: Tisch mit Rolldeckel, eine Reihe Registerwippen über den Klaviaturen, zwei feste Kombinationen als Spielhilfen, Registerschweller als Balanciertritt
Bezeichnung der Werke, Tonumfang: M I Hauptwerk  C, Cs – f³,
M II Nebenwerk C, Cs – f³, Pedal: C, Cs f¹
Windladen: Kegelladen
System – Tontraktur: pneumatisch
System – Registertraktur: pneumatisch
Gebläse: veraltet, lautstark
ein neues Gebläse (Langsamläufer, Firma Laukhuff) ist vorhanden.
Gebläsestandort: hinter der Orgel
Standort der Bälge: hinter der Orgel
Bälge: Magazinbalg mit Wechselschöpfer Stoßbalg am Hauptkanal

Diposition:

Hauptwerk
Bordun 16´
Prinzipal 8´
Flöte 8´
Gambe 8´ (7 fehlende Pfeifen)
Gedackt 8´ (2 fehlende Pfeifen)
Octave 4´ (2 fehlende Pfeifen)
Rohrflöte 4´ (12 fehlende Pfeifen)
Rauschquinte 2 2/3´-2´ (15 fehlende Pfeifen)
Cornett 3-4fach (47 fehlende Pfeifen)
Trompete 8´ (stark deformiert)

Nebenwerk
Prinzipal 8´
Lieblich Gedackt 16´
Gemshorn 8´
Aeoline 8´ (die Hälfte der Pfeifen stark deformiert)
Rohrflöte 8´
Voix celestis 8´ (ein Großteil der Pfeifen stark deformiert)
Fugara 4´ (3 fehlende Pfeifen)
Flöte dolce 4´ (eine fehlende Pfeife)
Progressio 2-3fach (alle Pfeifen stark deformiert, 12 fehlende Pfeifen)

Pedal
Prinzipal 16´
Violon 16´
Subbaß 16´
Bassflöte 8´
Octave 8´
Posaune 16´

Kleinpedallade
Mixtur 4-5fach
Octave 4´

Manualkoppel, Pedalkoppel I, Pedalkoppel II, Tutti, Forte, Zungenabsteller

Nachfolgende Fotos geben einen Einblick in das Innere der Orgel und ihren Zustand:

Blick in die Oberkirche und auf die verhüllte Orgel 2010, Foto Katrin Reh
Blick in die Oberkirche und auf die verhüllte Orgel 2010, Foto Katrin Reh