Superintendentin Angelika Greim-Harland bei der Verabschiedung durch Probst Ulrich Lieberknecht und Oberkirchenrat Michael Lehmann (rechts) in der Bachkirche am vergangenen Sonntag. Foto: Marvin Reinhart

Presse: Ein Netz der Unterstützung aus Familie, Freunden und Gemeinde

Thüringer Allgemeine am 27.08.2019

Superintendentin Angelika Greim-Harland wurde nach 13 Jahren verabschiedet. Und eine Zeitkapsel wird in Oberkirche versenkt.

Superintendentin Angelika Greim-Harland bei der Verabschiedung durch Probst Ulrich Lieberknecht und Oberkirchenrat Michael Lehmann (rechts) in der Bachkirche am vergangenen Sonntag. Foto: Marvin Reinhart

Vor versammelter Gemeinde wurde am Sonntagnachmittag in der Arnstädter Bachkirche feierlich die Superintendentin des Kirchenkreises Arnstadt-Ilmenau der Evangelisch-Lutherischen Kirche, Angelika Greim-Harland, aus ihrem Amt entlassen.

Angelika Greim-Harland blickt in ihrer Predigt auf 13 Jahre als sozusagen kirchliche Landrätin zurück. „Es bewegt mich sehr, heute die Predigt halten zu dürfen“, sagt sie. „Der Bachchor singt, der Posaunenchor spielt. Vielen Dank dafür.“ In der Predigt rückt sie vor allem die positive Zusammenarbeit in den Vordergrund. Besonderer Dank gelte Birgit Fischer vom Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau und ihrem Vertreter. „Als ich vor zwei Jahren krank wurde, übernahm Thomas Walther meine Vertretung im Kirchenkreis. Danke für die Zeit der Zusammenarbeit“, sagt sie.

Nachfolgeregelung noch ungewiss

Angelika Greim-Harland wurde am 17. September 2006 von Oberkirchenrätin Marita Krüger in der Arnstädter Bachkirche in das Amt der Superintendentin eingeführt. „Während meiner Zeit als Superintendentin sind mir viele Menschen begegnet, die sich für die Gemeinde engagieren und denen der Glaube wichtig ist“, blickt sie zurück und erinnert an das Glaubensbekenntnis der Juden. Gleichzeitig thematisiert sie das Verhältnis zwischen Christen und Juden und mahnt zu mehr Sensibilität. „Wir glauben alle an den selben Gott. Der heutige Tag soll uns daran erinnern.“ Elf Wochen nach dem Pfingstfest, somit am vergangenen Sonntag, begeht die evangelische Kirche traditionell den Israelsonntag.

Pfarrer Fred Klemm versenkt nach der Verabschiedung vor versammelter Gemeinde eine Zeitkapsel im neuen Boden der Oberkirche in Arnstadt. Zu öffnen in 100 Jahren. Foto: Marvin Reinhart

In den vergangenen Jahren hatte es Angelika Greim-Harland nicht leicht. „Als ich krank wurde und als ich Abschied nehmen musste“, beginnt sie und meint den Verlust ihres Mannes, „hatte ich ein Netz der Unterstützung – ein Netz, das tragen kann aus Familie, Freunden und der Gemeinde“, sagt sie. Mittlerweile ist die Superintendentin nach Erfurt gezogen.

Für den weiteren Weg in der Landeshauptstadt wünscht ihr auch Thomas Walther alles Gute. „Im Frühjahr 2017 waren wir uns klar, dass du das Amt nach zehn Jahren weiterführen darfst“, erinnert er sich und lobt die hohe theologische Kompetenz und die Zusammenarbeit. „Nie hat sie mir etwas aufgedrängt. Mach es, wie du es für richtig hältst, hat sie gesagt“, versinnbildlicht der amtierende Superintendent. Wo es möglich war, habe sie Wege im dankbaren und kollegialen Miteinander gesucht. „Sie war eine Superintendentin mit Autorität, die kaum autoritär aufgetreten ist“, betont er.

Zeremoniell verabschiedet wurde Angelika Greim-Harland von Probst Ulrich Lieberknecht und Oberkirchenrat Michael Lehmann. Ein Nachfolger stehe noch nicht fest. Der oder die neue Superintendentin müsse erst noch gewählt werden. „Die geplanten Termine stehen noch unter dem Vorbehalt der Entscheidungen des Nominierungsausschusses in seiner Sitzung am 20. September und der Genehmigung des vom Nominierungsausschuss erarbeiteten Wahlvorschlages durch den Landeskirchenrat am 24. September“, schreibt Thomas Walther auf Anfrage. Die Vorstellungsgottesdienste der zur Wahl stehenden Bewerber finden am Sonntag, dem 20. Oktober, um 17 Uhr, und am 27.Oktober, ebenfalls um 17 Uhr, in der Bachkirche Arnstadt statt.

Zeitkapsel überdauert ein Jahrhundert

Nach der Verabschiedung schritt die Gemeinde in die Oberkirche, wo die Sanierungsarbeiten fast abgeschlossen sind. In den neuen Sandsteinboden wurde feierlich eine Zeitkapsel eingelassen. Diese wurde am Montag mit einem Sandstein versiegelt, auf dem zu lesen ist: „Zu öffnen am 31. Januar 2117.“

Die Idee zu dieser Zeitkapsel hatte der Großbreitenbacher Pfarrer Fred Klemm. „In der Kapsel befinden sich Berichte aus der Geschichte und der Gegenwart über Hoffnungen, Ängste und Wünsche der Gemeinde“, erläutert er den Inhalt.

Auch politische Botschaften an die Nachwelt seien darin konserviert. „Geschichte kann sich wiederholen und die Demokratie ist auf dem Rückgang“, sagt er. Ebenfalls sei die Kirchengemeinde auf dem Rückgang. Dennoch solle die Zeitkapsel die Menschen in hundert Jahren ermutigen. „Darin sind auch Bilder und Zeitungen – sehr vielseitig gestaltet“, so Fred Klemm.

Marvin Reinhart

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