Foto: Berit Richter

Presse: Arnstädter Oberkirche hat Schatz zurück

Thüringer Allgemeine am 28. Juni 2019

Nach gut vier Jahren nimmt die historische Bibliothek wieder ihren Platz in der Sakristei ein. Einige Bände müssen restauriert werden.

Foto: Berit Richter

„Heute ist ein besonderer Tag“, sagt Pfarrer Thomas Kratzer und blickt zufrieden in die gut besuchte Oberkirche. Endlich konnte ein wichtiges Kapitel der Sanierung abgeschlossen werden. Die historische Bibliothek ist an ihren angestammten Platz in der Sakristei zurückgekehrt. Nach zuletzt manchem Rückschlag bei der Sanierung des Gotteshauses, endlich Grund zur Freude. Vor allem aber Gelegenheit, all jenen Dank zu sagen, die es möglich machten.

So wie Michael Hentschel. Einmal pro Woche fuhr er ins Landeskirchenarchiv nach Eisenach, um die dort zwischengelagerten Bücher abzustauben. Fast viereinhalb Jahre lang. 2080 historische Bücher waren es, die vorsichtig durch seine Hände gingen. „Manchmal habe ich 60 Stück am Tag, manchmal nur 13 bearbeitet“, erinnert sich Michael Hentschel. Dabei ist ihm auch klar geworden: „Die Arbeiten sind nicht abgeschlossen. Einige Bücher müssten dringend restauriert werden.“

Und er würde sich wünschen, dass es künftig Projekte mit jungen Leuten gibt, welche ihnen die Geschichte ihrer Heimat ein Stück näherbringen.

Die Bibliothek der Oberkirche wurde im Zuge der Reformation um 1588 gegründet und ist damit eine der ältesten überlieferten protestantischen Kirchenbibliotheken in Thüringen. Sie gilt als historisch gewachsen und seit Ende des 18. Jahrhunderts als in sich abgeschlossen. Aufgebaut wurde sie aus Geld- und Bücherstiftungen von Arnstädter Bürgern, Kirchengemeindemitgliedern sowie der Grafen und Gräfinnen von Schwarzburg-Arnstadt.

Im 18. Jahrhundert erlebte sie ihre größte Blüte und wurde als öffentlich zugängliche und wertvolle Stadt- und Kirchenbibliothek gerühmt.

Viele haben ihren Beitrag dazu geleistet, dass sie nun nicht nur wieder an ihrem alten Platz zurückkehren konnte, sondern auch, dass ihre Bestände digital erfasst wurden und damit nun Forschern weltweit zugänglich sind: Das Landeskirchenarchiv, das Thüringische Landesmusikarchiv, die Forschungsbibliothek Gotha, Stadt und Land, die Kirchgemeinde und die Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, die Deutsche Stiftung Denkmalschutz und nicht zuletzt ehrenamtliche Helfer. Letztere packten vor allem in den letzten Wochen fleißig mit an, als die Bücher an ihren angestammten Platz zurückkehrten.

Wegen dringend notwendiger Restaurierungsmaßnahmen in der Sakristei der Kirche hatten sie im Frühjahr 2015 ins Landeskirchenarchiv der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) nach Eisenach ziehen müssen. Vor allem mit Mitteln der Städtebauförderung konnte anschließend die Sakristei hergerichtet werden, nicht nur der Raum an sich, sondern auch die Bücherschränke. Durchhängende Böden wurden unter anderem ersetzt, aber auch zwei neue Schränke aufgestellt, so dass nun jedes Buch einen eigenen Standplatz hat und nicht mehr Bücher auf anderen liegen müssen.

Dass aus der geplanten Wiederweihe der Oberkirche im Oktober 2017 nichts wurde, erwies sich für die Bibliothek als Segen, blieb so doch genug Zeit, ihren Bestand zu erfassen und das aus dem Jahr 1908 stammende Verzeichnis zu aktualisieren. Mit hundertprozentiger Förderung durch den Freistaat Thüringen und zusätzlicher personeller Hilfe durch die Forschungsbibliothek Gotha konnte eine Projektstelle dafür geschaffen werden. Deren Ziel war das dauerhafte und nachhaltige Erschließen und Sichern der Kirchen-bibliothek sowie das Bekannt-machen ihrer wertvollen ge-druckten und handschriftlichen Bücher in der nationalen und internationalen Forschung sowie der Öffentlichkeit.

Erstmals wurden die 4683 Titel der Bibliothek umfangreich und online auf dem gegenwärtigen Stand der Forschung in der Datenbank des Gemeinsamen Bibliotheksverbunds (GBV) aufgenommen. Damit, so sagte Christoph Meixner, Leiter des Landesmusikarchives, wisse nun die ganze Welt, welche Schätze die Arnstädter Oberkirche beherberge. Sicher würden Forscheranfragen nicht lange auf sich warten lassen.

Für solche wird die Kirche dann die Sakristeitüren öffnen. „Immer zeigen können wir die Bibliothek für die Öffentlichkeit leider nicht“, macht Thomas Kratzer deutlich. Zu wertvoll sind ihre Bestände, zu wichtig ist, es, für ein ideales Raumklima zu sorgen, damit sie weitere Jahrhunderte überdauern.

Berit Richter

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