Presse: Oberkirche in Arnstadt: Das Kreuz mit dem Fußboden

Thüringer Allgemeine am 7. März 2019

 

Seit nahezu zwei Jahren sind Stadt und Kirchengemeinde bemüht, die Kirche begehbar zu machen. Eine bei Bauarbeiten gefundene Grabplatte hat anfängliche Pläne zunichte gemacht. Und nun fehlt Geld.

Seit die Grabplatte 2017 in der Oberkirche entdeckt worden ist, stagnieren die Arbeiten am Fußboden. Foto: Hans-Peter Stadermann

Arnstadt. Es staubt bei jedem Schritt. Den Weg zum Altar und Taufbecken der Arnstädter Oberkirche versperrt ein Seil. Baustellenschilder liegen herum. Für Unbefugte betreten verboten. Hunderte Schuhprofile haben sich in der aufgebuddelten Erde verewigt, einige Knochensplitter lugen noch un­ter einer Holzbohle hervor. Geht es nach Pfarrer Thomas Kratzer , ist davon in ein paar Monaten nichts mehr zu sehen. Besucher können dieses Jahr noch über einen ebenen Sandsteinboden gehen und den Blick in dem riesigen Kirchenschiff des einstigen Franziskanerhauses schweifen lassen, ohne dabei auf jeden Schritt achten zu müssen. Das aber ist für den Moment der Wunsch – und Theorie.

„Fortschritte sind zurzeit nicht möglich“, räumt Thomas Kratzer ein. Der Pfarrer der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde spricht von „unglücklichen Umständen“ und deutet auf die freiliegende Grabplatte. Seit im Frühherbst 2017 Arbeiter auf die mit Schwert- und Blumenrelief verzierte Platte gestoßen sind, steht das Vorhaben Fußbodensanierung still. Dabei haben die engagierten Mitstreiter um Kratzer eigentlich noch im 500. Jahr der Reformation diese weitere Baustelle schon schließen wollen.

Eben das Grab, das der Geistliche auf die Zeit um 1250 datiert, hat aber alle Pläne zunichte gemacht. Statt den einstigen gegossenen Betonboden durch einen mit Sandstein zu ersetzen, musste geschachtet werden. Bei dem Bestatteten – so dicht bei einem früheren weiteren Altar – muss es sich um einen regional bedeutenden Mann gehandelt haben, erklärt Kratzer . Vermutet wird, dass es sich um den Herrn von Griesheim handelt. Menschliche Überreste sind ebenfalls gefunden worden und haben die Arbeiten zusätzlich verzögert.

30.000 Euro fehlen für Bodenerneuerung

Still ruht der aufgewühlte Boden seither. Doch das soll Vergangenheit sein, lenkt der Pfarrer wie Daniela Zeiß vom Arnstädter Büro für Stadtentwicklung den Blick nach vorn. Ein neuer Plan steht seit 2018. Was fehlt, ist wie so oft das Geld.

Eine Summe von 200.000 Eu­ro sind nach der Kalkulation möglich, um den Boden wie geplant herzurichten und das Grab zur Geltung zu bringen. Rund 170.000 Euro haben Kirchenkreis, Landeskirche, Kirchgemeinde, Oberkirchenverein und Stiftungen inzwischen zusammen. Eine Lücke von 30.000 Euro muss zeitig geschlossen werden, damit der Boden im Sommer eingebracht werden kann.

Die Summe sei zwar viel Geld, aber auch wieder nicht so viel, um das es sich sonst oft bei Sanierungsvorhaben drehe, räumt Marion Walsmann vor Ort ein. In christlich-demokratischer Einheit mit dem Landtagsabgeordneten Jörg Thamm unterstreicht die frühere Ministerin und Europawahl-Kandidatin die Bedeutung des vielschichtigen Kulturgutes Oberkirche. Und sie überlegt, wie unter Umständen Fördermittel der Europäischen Union einfließen könnten. Der CDU-Politikerin ginge es gerade bei solchen Besuchen darum, Kommunen Möglichkeiten aufzuzeigen. „Es gibt mehr, als man oft glaubt“, sagt sie in der Hoffnung, dass die Arnstädter mit der Wiederherstellung der denkmalgeschützten Oberkirche „in irgendeine Förderkulisse passen“.

Neben einem touristischen As­pekt ist laut Marion Walsmann überregionale Bedeutung entscheidend, um EU-Mittel erschließen zu können. Sie spricht zudem über ein neues Bundes-Sonderprogramm Denkmalschutz, das gut gefüllt sei.

Projekt Kreuzhof schon in der Warteschleife

„Wir klopfen überall an“, sagt Daniela Zeiß . Sie sprach zugleich in der Vergangenheit. Seit 1996 sind Stadt und Kirche dabei, den gewaltigen Kirchenbau zu erhalten und Stück für Stück zu restaurieren. Dreieinhalb Millionen Euro sind inzwischen investiert worden, zählt Thomas Kratzer zusammen. Ein weiterer Bauabschnitt, um den nördlichen Kreuzgang wieder nutzbar zu machen, soll in Kürze abgeschlossen sein. Die Wiederherrichtung des Kreuzhofes ist für das nächste Jahr nach einem studentischen Entwurf geplant. Kostenpunkt: etwa 100.000 Euro. Damit soll er wieder auf sein ursprüngliche Höhe zurückgeführt und erlebbar werden.

Doch die aktuellste Frage ist die nach dem Fußboden im Kirchenschiff. Dass die Stadt die Lücke indes aus eigenen Mitteln füllt, ist wegen des Haushaltsicherungskonzepts passé. Bleibt die Hoffnung – und der Blick nach Fördermitteln. Dass diese gut angelegt seien. steht für Marion Walsmann au­ßer Frage. Zuvor haben die beiden CDU-Politiker das Logistik-Unternehmen Dachser besucht und ein Bild von dessen Erweiterungsplänen erhalten, um dann in der Zeit mehrere Jahrhunderte zurückzureisen. Vieles ist in dem von Franziskanern im 13. Jahrhundert stückweise errichteten Gotteshaus noch erhalten, einiges ist restauriert und erneuert worden. Aber sehr viel scheint auch noch im Verborgenen zu liegen.

Die Kunst der kleinen Schritte. Es ist der Weg, den Thomas Kratzer im Verbund mit Kirchenkreis, Förderverein und dem Büro für Stadtentwicklung geht. Ge­hen muss. „Wir bräuchten rund eine Million Euro“, schätzt der Pfarrer, um die Kirche so herzurichten, dass sie sich sehen lassen kann.

Fußboden, Malereien, Medaillen, Emporen, Orgel, Kreuzgang, Kreuzhof . Die Liste ist lang, wo Hand angelegt wurde, wird – und werden muss.

„Und die Liste ist noch nicht zu Ende“, sagt Daniela Zeiß . . .

Steffen Eß / 07.03.19

1 Gedanke zu “Presse: Oberkirche in Arnstadt: Das Kreuz mit dem Fußboden”

  1. Sehr geehrter Herr Pfarrer Kratzer,
    ich möchte Sie innigst bitten, die Grabplatte des Herrn von Griesheim zu retten und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bitte nicht zubetonieren und sie für alle Zeiten verschwinden zu lassen. Sie ist das älteste Zeugnis über einen Vorfahren meiner Familie mit dem Wappen welches wir heute noch führen. Die Familie wird das erste mal erwähnt in einer Regeste/ Urkunde die im Thüringischen Staatsarchiv in Rudolstadt verwahrt wird. Dort im Findbuch Paulinzellaer Dokumente Nr. 5-11-1030-2, 1133, als Zeuge wird u.a. Widelo de Grizheim ( von Griesheim) genannt. Es gibt dort noch die Regesten z.B. Nr. 5-11-1030-53, 1312, als Zeuge wird erwähnt Hermanus dictus de Grizheim Senior, Hermanus dictus de Griezheim Junior . Evtl. könnte der Grabstein für einen dieser Ritter gefertigt worden sein.
    Die Idee, Fördermittel von der EU zu beantragen halte ich für sehr erfolgreich, bei begründeten Projekten ist man dort nicht kleinlich bei der Förderung.
    Ich danke im Voraus über eine Nachricht zur Rettung der Grabplatte.
    Mit freundlichen Grüssen,
    Horst von Griesheim

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