Presse: Romantische Szenen zur Vorweihnachtszeit

Thüringer Allgemeine am 3. Dezember 2018

 

Bach-Advent lockt zu seiner zehnten Auflage wieder tausende Besucher in die Stadt. Altbekanntes findet ebenso Zuspruch wie neue Angebote.

Tausende Besucher strömten in diesem Jahr wieder in die Kreisstadt. Hier fand an drei Tagen der zehnte Bach- Advent statt. Foto: Hans-Peter Stadermann

Arnstadt. Lächelnd steht Erwin Stache auf dem Marktplatz. Der Klangkünstler hält sich ein wenig im Hintergrund, beobachtet die Passanten. Diese haben mit Staches Installation allerdings riesig viel Spaß. Sie probieren aus, welche Melodien die Kuckucksuhren von sich geben, wenn sie auf die Knöpfe, die vor dem Kunstwerk angeordnet sind, drücken.

Der Spaß ist den Spaziergängern deutlich anzusehen. Und darum geht es auch: Entspannt und mit einem Augenzwinkern sollen sie in die Adventszeit starten, mit vielen künstlerischen Angeboten, aber ohne den Kommerz, der so manchem Interessierten den Besuch eines „normalen“ Weihnachtsmarkts verleidet.

Vor zehn Jahren wurde genau mit diesem Ansatz der Bach-Advent aus der Taufe gehoben. Von klein kann mittlerweile zwar keine Rede mehr sein – mittlerweile strömen Tausende herbei, um in den Kellern, Höfen und Häusern das Besondere zu entdecken. An Charme hat die Veranstaltung, die vom Verein Stadtkern vorbereitet wird, aber nichts eingebüßt.

„Ohne Helfer kämen wir allerdings nicht weit“, betont der Vereinsvorsitzende Christoph Hodgson. Damit meint er nicht nur die Hofbesitzer, die selber so viel zu tun haben, dass sie gar nicht dazu kommen, den Bach-Advent zu genießen. Ehrenamtler besetzen auch die Infobox auf dem Markt, übernehmen Kurierdienste, kümmern sich um die Künstler…

Immerhin 55 Ensemble wurden gebucht, 300 Mitwirkende reisten an, gaben rund 140 Konzerte. Die meisten können kostenlos besucht werden.

Die vier eintrittspflichtigen Veranstaltungen – neben dem Eröffnungskonzert auch der Poetry Slam und die beiden beliebten Unplugged-Konzerte in der Bachkirche – waren allerdings auch im Handumdrehen ausverkauft. Gut angenommen wurde zudem die erste Auflage eines Rap-Battles. „Das ist die neue Form der Poesie, sowas wollen wir nun öfter auf den Bach-Advent holen“, kündigt Hodgson an.

Statt in der Oberkirche, deren Fußboden der Sanierung harrt, wurden Freunde von Kunsthandwerk diesmal ins Gemeindehaus am Pfarrhof umgeleitet. Dort gab es auch Oberkirchenplätzchen. Die Einnahmen für die selbst gebackenen Köstlichkeiten sollen helfen, das prächtige Gotteshaus bald wieder nutzbar zu machen.

Zweimal komplett ausverkauft waren die Unplugged-Konzerte in der Oberkirche. Im kommenden Jahr finden sie zum zehnten Mal statt. Auch, wenn die Songs bekannt sind – Überraschungen gibt es immer wieder. Diesmal für Marie, die in der voll besetzten Kirche einen romantischen Heiratsantrag von ihrem Ferdinand erlebte. Im Jubel der Konzertbesucher ging ihre Antwort fast unter – bis der Bräutigam in spe zum Mikrofon griff und gerührt bestätigte: „Sie hat ja gesagt.“

Das trieb selbst einer geübten Veranstaltungsmanagerin wie Ilka Langenhan die Tränen der Rührung in die Augen. „Es ist immer wieder bewegend, was wir hier erleben“, sagt sie.

Gleiches gilt für den Bach-Advent. Auch, wenn er kein Geheimtipp mehr ist – er ist noch immer charmant und besonders.

Britt Mandler / 03.12.18

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