Presse: Thüringer Gedächtnisorte sind in Gefahr

Thüringer Allgemeine am 16. Oktober 2018

 

Der Herbstudientag widmet sich der Reformationsgeschichte und historischen Pfarrarchiven.

Thomas A. Seidel (links) schaut sich mit Martin Sladeczek die Oberkirche an. Foto: Antje Köhler

 

Arnstadt. Die Gesellschaft für Thüringische Kirchengeschichte gibt es seit 1929. Seit einigen Jahren lädt sie regelmäßig zu Studientagen ein, um neue Forschungsergebnisse und Publikationen vorzustellen. Dabei wechseln die Tagungsorte.

Arnstadt hatte man bereit seit längerem ins Auge gefasst, sagte Miriam Rieger, die den Herbststudientag am Sonnabend im ehemaligen Franziskanerkloster auf dem Pfarrhof in Arnstadt federführend vorbereitet hatte.

Ein geschichtsträchtiger Ort, den Martin Luther 1506 als junger Mönch selbst besuchte. Die Oberkirche gehört zu jenen Stätten, die 2017 zum Reformationsjubiläum im Fokus standen, auch wenn die geplante Wiedereinweihung des Gotteshauses verschoben werden musste.

Derzeit gehören der Gesellschaft für Thüringische Kirchengeschichte 106 Mitglieder an, sagte Vorstandsvorsitzender Thomas A. Seidel. Neben Kirchenhistorikern interessieren sich häufig auch Laien für die Veranstaltungen. So saßen in Arnstadt Mitglieder des Oberkirchenvereins unter den etwa 30 Hörern im Gemeindesaal.

Häufig werde sie beim Besucherdienst in der Kirche Dinge gefragt, auf die sie keine Antwort habe, meinte eine Arnstädterin. Hier werde man vielleicht ein bisschen schlauer.

Ein Schwerpunkt des Tages war ein „Nahblick auf die Reformation“. So sprach Andreas Dietmann über Schulbesuch, Alphabetisierung und Gelehrsamkeit im Jahrhundert der Reformation. Julia Mandry, ebenfalls aus Jena, referierte über Armenfürsorge und das Bettelmilieu in Thüringen in jener Zeit.

In der zweiten Tageshälfte lag der Blick dann auf den Archiven und Bibliotheken. Einst waren die Pfarrämter das regionalgeschichtliche Gedächtnis der Orte, die von der Geburt bis zum Tod viele Lebensdaten festhielten. Durch die strukturellen Veränderungen wie die Zusammenlegung von Pfarrämtern seien diese Gedächtnisorte in Gefahr, betonte Seidel. In einem der Vorträge wurde die Erschließung der wertvollen Oberkirchenbibliothek thematisiert, die gerade ausgelagert ist.

Gern nahmen die Gäste die Führungen durch die Oberkirche und die Liebfrauenkirche durch Martin Sladeczek, ehemals Reformationsbeauftragter im Kirchenkreis, an.

Sitz des Vereins ist Eisenach, die Frühjahrstagung 2019 soll dann in Eisleben stattfinden.

 

Antje Köhler / 16.10.18

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