Presse: Faszinierendes Benefiz-Konzert für die Arnstädter Oberkirche

Thüringer Allgemeine und Thüringer Landeszeitung am 1. September 2018

 

Florian Sonnleitner begeistert die Zuhörer und führt sie von gehobener Hausmusik zu mystischer Metaphysik.

Bei seinen Konzerten rückt Florian Sonnleitner nicht nur die Musik, sondern auch bedeutende Denkmäler in den Mittelpunkt. Die Konzerteinnahmen sind für die Oberkirche gedacht, deren Fußboden saniert werden muss. Foto: Hans-Peter Stadermann

In seinem umjubelten Konzert in der Bachkirche widmete er sich in einem zweistündigen Solokonzert auf Violine und Viola Werken von Telemann und Bach. Zunächst erklang auf seiner ehrwürdige n Violine aus dem Jahre 1758, erbaut von Giovanni Battista Guadagnini in Cremona, vier der „Zwölf Fantasien für Violine ohne Bass“ von Georg Philipp Telemann. Die opulenten, oft an die Musik von Bach erinnernden, Stücke gehobener Unterhaltungs- und Hausmusik zeigten in hinreißender Weise die unterschiedlichsten Spieltechniken der Violine und die Pracht barocker Musik.

Nach dieser ebenso virtuosen wie unterhaltsamen Einleitung wandte sich der Meister seinem „Hobbyinstrument im Alter“ (O-Ton Sonnleitner), der Viola, zu. Auf diesem sonoren Instrument aus dem Jahre 1900, erbaut von Joseph Hel in Lille, intonierte er die berühmte „Suite Nr. 3 C-Dur BWV 1009 für Violoncello“ von Johann Sebastian Bach in einer Version für Viola solo. Bewundernswert mischten sich hier die Tiefe und Innigkeit und gleichzeitig tänzerische Eleganz der Musik mit der atemberaubenden Virtuosität des Solisten.

Bevor Sonnleitner sodann zum letzten Konzert, der „Sonata II a-moll BWV 1003 für Violine solo“ von Johann Sebastian Bach schritt, erläuterte er ausführlich die in den letzten Jahrzehnten von der Bachforschung entwickelten Spekulationen über den religiösen Subtext der Musik von Bach und insbesondere dieser berühmten Sonate.

Dieser metaphysisch-religiöse Gehalt äußere sich als Spiegel der christlichen Heilsgeschichte zum einen darin, dass „zwischen den Zeilen“ Noten berühmter Choralmelodien stünden. Vor allem aber ging Sonnleitner auf die Zahlenmystik ein und erklärte diese an zahlreichen Beispielen, die alle allein in dieser Sonate aufzufinden seien. So zum Beispiel die Zahlen 37 und 112 für Christos und Christus oder die Zahlen 46 als Anzahl der Jahre für den Tempelbau in Jerusalem und 328 für die Kreuzesinschrift und 419 für den Schlusssatz des Credos.

So interessant diese Ausführungen auch waren, befriedigender war es, die herrliche Sonate danach möglichst unbefangen zu hören sowie sich an der Zugabe, dem Präludium aus der fünften Cello-Suite, wieder auf der Viola vorgetragen, zu erfreuen.

Klaus Ehring / 01.09.18

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