Presse: Ein Juwel im Herzen der Stadt

Thüringer Allgemeine am 14. Juni 2018

Aus der geplanten Festschrift zur Wiedereinweihung der Oberkirche wurde ein Buch, das am Samstag öffentlich vorgestellt wird.

In der Oberkirche in Arnstadt zeigte Martin Sladeczek gestern schon das neue Buch. Foto: Hans-Peter Stadermann

Arnstadt. „Eine so schöne Kirche. Aber Sie haben noch eine ganze Menge zu tun!“ Begeistert sieht sich gestern Vormittag eine Touristin in der Oberkirche in Arnstadt um. Der prächtige Altar, der bunt verzierte Adelsstand, die vielfältigen Grabplatten ziehen die Blicke der Besucherin auf sich. Kunstgut, das von der langen Geschichte der Oberkirche berichtet. Sie schaut aber auch auf den aufgebrochenen Fußboden, der dringend saniert werden muss.

Trotz seiner Schönheit: Da das Gotteshaus jahrelang im Dornröschenschlaf lag, vom Einsturz bedroht war, rückte es ein Stück weit aus dem Gedächtnis der Arnstädter – bis sich der Oberkirchenverein gründete, der sich gemeinsam mit der Kirchengemeinde und vielen Förderern an die Sanierung des Objekts machte.

Aus gutem Grund. Denn die Oberkirche spielte eine wichtige Rolle während der Reformation. Wie die Impulse, die Martin Luther gab, in die Politik, die Wissenschaft, die Gesellschaft ausstrahlten, das thematisierte eine Ausstellung, die Ende vergangenen Jahres im Schlossmuseum zu sehen war.

Kuratiert wurde das Gemeinschaftsprojekt von Kirche und Museum vom Reformationsbeauftragten Martin Sladecek, der auch eine ganze Reihe von Begleitveranstaltungen vom Vortrag bis zur Sonderführung organisierte. Zur Ausstellung entstand ein Katalog, der bei einem Geschichtswettbewerb der Historischen Kommission für Thüringen preisgekrönt wurde (TA berichtete).

Sladeczek arbeitete allerdings nicht nur an dieser Publikation, sondern auch an einer Festschrift. Schließlich war geplant, Ende 2017 die Oberkirche wieder einzuweihen.

Dazu kam es allerdings nicht, da massive Fußbodenschäden auftraten, die eine umfangreiche Sanierung erfordern, für die derzeit noch das Geld fehlt. Am Projekt arbeitete der Reformationsbeauftragte allerdings weiter. Und aus der Festschrift wurde schließlich ein über 300 Seiten starkes Buch, das am Samstag im Rahmen des Gemeindefestes vorgestellt werden soll.

Sladeczek gewann etliche Fachleute, etwa vom Landesamt für Denkmalpflege und einige Kunsthistoriker, die spannende Beiträge lieferten. Interessierte können im Buch die Bauphasen nachvollziehen. Und Sladeczek lüftet auch das Geheimnis um die mittelalterliche Grabplatte, die bei den Fußbodenarbeiten gefunden wurde. Kein Schwarzburger liegt hier begraben, sondern ein Adeliger derer von Griesheim, der ein bedeutender Stifter der Kirche gewesen sein dürfte. Auch die anderen Grabplatten werden erläutert.

„Wir hoffen, mit dem Buch viele noch offene Fragen zu klären“, sagt Martin Sladeczek. Er freut sich schon auf den Samstag, auf spannende Gespräche. Und wünscht sich zugleich, dass das Buch einen Beitrag dazu leistet, die Oberkirche wieder mehr ins Bewusstsein der Arnstädter zu rücken. Dass sie da ist, wissen die meisten. Welche Schätze sie beherbergt, wie bedeutsam sie ist, ist aber vielen noch unbekannt.

Erhältlich sein wird das Buch im Stadtkirchenamt und in den Kirchen. Es kostet 39.95 Euro.

Britt Mandler / 14.06.18

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.