Presse: So ließen sich in Arnstadt einst Grafen und Offiziere bestatten

Thüringer Allgemeine am 20. März 2018

 

Im Rahmen der Reformations-Sonderausstellung wird eine spannende Führung zur kirchlichen Begräbniskultur angeboten. Zu entdecken gibt es reichlich.

 

Tim Erthel gab interessante Erläuterungen zu den Gräbern, die sich in der Liebfrauenkirche befinden – hier die Tumba des Grafen Günther XXV. von Schwarzburg-Blankenburg und seiner Gemahlin Elisabeth. Foto: Berit Richter

Arnstadt. „Halten Sie die Taschenlampe schräg. Im Streiflicht kann man die Inschriften auf den Grabplatten besser lesen, als wenn man direkt darauf leuchtet“, rät Tim Erthel. Zu entdecken gibt es in den Arnstädter Kirchen diesbezüglich einiges. Ein Schatz, den der Erfurter Experte bei seiner Führung im Rahmen der Sonderausstellung „Wandel und Beständigkeit. Die Reformation in Arnstadt und Umgebung“ als einmalig bezeichnete.

„Allein in der Oberkirche sind rund 30 Grabmäle erhalten“, so Erthel. Doch nicht nur die Menge mache den Arnstädter Bestand zu etwas Besonderem, auch die Tatsache, dass er einen so langen Zeitraum widerspiegele. „Wir haben hier Go­tik, Romanik, Romantik und Barock.“ Zudem seien in Arnstadt alle Formen des Totengedenkens sichtbar, von Grabplatten für Bodengräber über Tumben (das sind freistehende Hochgräber) und Epitaphe bis hin zu Totenschilden, von denen es zwei im Schlossmuseums gibt, und zur Totenfahne aus Stoff.

Letztere sind zwar im Laufe der Jahrhunderte vergangen, nur noch auf alten Bildern überliefert, die steinernen Zeitzeugen aber haben überlebt. Ein besonders alter Fund kam erst im vorigen Jahr bei Bodenarbeiten in der Oberkirche zu Tage, verhinderte damit sogar deren Wiederweihe. Mittlerweile, so Tim Erthel, wisse man, dass das Grab aus der Mitte des 13. Jahrhunderts stammt und damit zu den ältesten in Thüringen bekannten zähle. An wen es erinnert, wollte der Erfurter nicht verraten. Dies möchte Martin Sladeczek, der Reformationsbeauftragte der Superintendentur, in seinem Buch zur Oberkirche enthüllen, das in diesem Jahr erscheinen soll.

Passendes Thema für eine Doktorarbeit

Während die Oberkirche in den zurückliegenden Jahren etwas besser erforscht wurde, sieht Tim Erthel bei der Liebfrauenkirche noch Nachholbedarf. „Die Grabmäler wären ein gutes Thema für eine Doktorarbeitet“, findet er. Für lange Zeit diente der nördliche Nebenchor als Grabkapelle für Schwarzburger Grafen. Ihre Vasallen, die Witzlebener, wurden im südlichen Nebenchor bestattet.

Zu den eindrucksvollsten Zeugnissen gehört die Tumba des Grafen Günther XXV. von Schwarzburg-Blankenburg (um 1331 bis 1368) und seiner Gemahlin Elisabeth von Honstein-Sonderhausen (um 1332 bis 1380). Die Arbeit der Bildhauer an dem steinernen Sarkophag sei exquisit, lobte Erthel.

War es in früheren Jahrhunderten durchaus üblich, die Menschen in oder nahe den Kirchen zu begraben, änderte sich das im Arnstadt von 1581 an. Aus Angst vor Seuchen wurde der Friedhof außerhalb der Stadt angelegt. Begräbnisse in Kirchen waren nur noch besonderen Menschen vorbehalten. So wie Oberst Leo von Packmor, dem Graf Günther XLI nach der Säkularisierung das zur Oberkirche gehörende Kloster als Altersitz übergeben hatte. Dieser stiftete unter anderem die Kirchenbibliothek, über deren Eingang sich sein Epitaph befindet, auch eine steinerne Grabplatte erinnert an den Oberst.

Daneben befindet sich die Platte des letzten von Hopfgarten. „Das waren Ritter im heiligen Land“, erklärte Oliver Bötefür von der Kirchgemeinde.

Ein weiterer Höhepunkt der Arnstädter Sammlung ist der von Frans Floris geschaffene Epitaph, der den Delfter Bildersturm überlebte und von Katharina von Nassau zur Erinnerung an ihren Mann Günther XLI. nach Arnstadt gebracht wurde.

Dass viele der Inschriften auf den Grabplatten heute nur noch schwer zu entziffern sind, liegt daran, dass sie Jahrhunderte lang auf den Boden lagen. „Da sind die Leute wirklich drüber gelaufen“, erklärte Tim Erthel. Das blieb auf dem Sandstein natürlich nicht ohne Folgen.

Eine Taschenlampe beim nächsten Kirchenbesuch mitzunehmen lohnt sich also, denn zu entdecken gibt es noch viel.

Berit Richter / 20.03.18