Presse: Wachgeküsst mit guten Ideen und jahrelangem Engagement

Thüringer Allgemeine am 20.11.2017

 

Oberkirchenverein feiert Jubiläum. Vor der Wiedereinweihung der Kirche muss Finanzlücke geschlossen werden.

Der Oberkirchenverein Arnstadt lebt von ehrenamtlichem Engagement und viel Herzblut. Dafür gab es Auszeichnungen. Foto: Britt Mandler

Arnstadt. 2017 sollte ein besonderes Jahr werden. Die ewige Baustelle Oberkirche sollte beräumt, das prächtige Gotteshaus wieder eingeweiht werden. Und doch kam alles anders.

 

Einen Grund, deshalb zu verzagen, haben die Mitglieder des Oberkirchenvereins aber nicht. Am Freitagabend feierten sie das zehnjährige Bestehen ihres Vereins, erinnerten an viele Aktionen, die sie seither auf den Weg gebracht haben.

 

In einem alten Zeitungsbeitrag ist die Rede davon, dass Ruth Zein 2007 mit dem ersten Kunst- und Handwerkermarkt das lange geschlossene Gotteshaus aus dem Dornröschenschlaf wachgeküsst hat. Tatsächlich war es aber mehr als nur ein Kuss, der damals von den Gründungsmitgliedern ausging.

 

Sie fanden sich ursprünglich zusammen, um verlässliche Öffnungszeiten anzubieten, Besuchern wieder einen Blick hinter sonst verschlossene Türen zu erlauben. Dabei blieb es aber nicht, erinnerte der Vereinsvorsitzende Andreas Hirsch.

 

Auch Bürgermeister Alexander Dill (pl), selbst langjähriges Mitglied, führte etliche der Aktivitäten vor Augen. Schon vor der Wende begann die Kirchensanierung. Während des Umbruchs wurden die Karten aber neu gemischt, so Dill. Die begonnenen Arbeiten blieben liegen. Zunächst widmete sich die evangelische Kirchengemeinde der Bachkirche und der Liebfrauenkirche. Es sei ein Kraftakt gewesen, nach zwei so großen Vorhaben auch noch ein drittes Bauprojekt in Angriff zu nehmen. Zumal in der Oberkirche nur wenig an den einstigen Glanz erinnerte. Eine Papptrennwand stand mitten im Raum. Alles war von einer dicken Staubschicht überzogen, ein Teil der Kirche diente ganz schnöde als Lager. Doch davon ließen sich weder Gemeinde noch Verein schrecken, denn sie wussten, wie einzigartig die Ausstattung des Gotteshauses ist. Dies sollte auch wieder öffentlich erlebbar sein.

 

Um das Ziel zu erreichen, richtete der Verein zahlreiche Veranstaltungen aus. Märkte, Kino, Theater, Konzerte, auch die viel beachtete Diskussionsreihe „Perspektivwechsel“ lockten unzählige Besucher an. Rund 8000 Gäste im Jahr schauen auch ohne Anlass vorbei. Aus den Einnahmen spendete der Verein 55 000 Euro an die Gemeinde als Zuschuss für den Eigenanteil an den Sanierungskosten. Parallel dazu machen die Mitglieder auch Werbung bei potenziellen Geldgebern, die dann direkt an die Gemeinde spenden.

 

Ganz reibungslos war das Miteinander im Verein zwar nicht, 2009 gab es einen großen Umbruch zu meistern, so Hirsch. Aber: Man habe sich gut zusammengerauft. Und in der Kirche ging es sichtbar voran.

 

Womit niemand rechnete: Der Fußboden, der nur repariert werden musste, war so kaputt, dass er komplett ausgetauscht werden muss. Die Baukosten vervierfachten sich dadurch auf 200 000 Euro. Besonders bitter ist, dass es dafür wohl keine Fördergelder gibt. Daher müssen Gemeinde, Verein und Stadt gemeinsam nach einer Lösung suchen, um das Vorhaben beenden zu können.

 

Die Fußbodenarbeiten haben aber auch etwas Gutes gehabt, denn es kamen bis dato noch unbekannte Funde zum Vorschein. Die sollen möglichst sichtbar bleiben. Den Einbau einer Glasplatte will die Sparkasse finanziell unterstützen, kündigte Sparkassenvorstand Marco Jacob an.

 

Probst Reinhard Werneburg würdigte die Verdienste des Vereins, der nach außen sichtbar und erlebbar mache, was die Werke der Barmherzigkeit, die in der Kirche bildlich dargestellt sind, im Alltag bedeuten. Im Namen der evangelischen Kirche zeichnete er Andreas Hirsch und Holger Mey aus. Weitere Urkunden verteilte Landrätin Petra Enders an Norbert Wenzlaff, Stefan Spindler, Rüdiger Leis, Ruth Zein, Renate Rieger und Heike Böttcher. Auch sie engagieren sich mit Herzblut für das prächtige Gotteshaus.

 

Britt Mandler / 20.11.17

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.