Presse: Nachrichten für die Nachwelt, die einmal 600 Jahre Reformation feiert

Thüringer Allgemeine am 2.11.2017

 

Kreiskirchentag und 500 Jahre von Luthers Wittenberger Thesenanschlag in Arnstadt begangen. Ein buntes Programm für Jung und Alt.

Die Kirchennacht am Montagabend in der Bachkirche in Arnstadt stand unter dem Motto „500 Jahre Luther – und kein bisschen leise!“. Neben dem Auftritt des Gospelchores von der Goetheschule aus Ilmenau (Foto) waren Jugendliche – egal ob christlich oder nicht – dazu eingeladen. Foto: Hans-Peter Stadermann

 

Arnstadt. Es waren eigentlich zwei Feste an einem Tag: der Kreiskirchentag und das Reformationsjubiläum am Dienstag in Arnstadt. An verschiedenen Orten – in der Bach- und in der Liebfrauenkirche, im Rathaus und auf dem Markt wurde beides begangen – mit evangelischen Christen aus dem gesamten Landkreis oder einfach nur Neugierigen, die dort vorbei schauten. Die Oberkirche fiel wegen der dortigen Sanierungsarbeiten als Veranstaltungsort aus (wir berichteten).

 

Das Programm war umfangreich: Pfarrer Fred Klemm aus Großbreitenbach stellte das Zeitkapselprojekt mit Grüßen aus den Gemeinden an ihre Nachfolger in 100 Jahren vor. Die Zeitkapsel kommt nach dem Ende der Bauarbeiten in die Oberkirche. Für Kinder und Jugendliche gab es viele Kreativ-Angebote. 17 kirchliche Initiativen und Institutionen präsentierten sich auf dem „Markt der Möglichkeiten“ im Rathaus. Es gab eine Podiumsdiskussion zum Thema „Reformation“ und natürlich viele kulinarische und musikalische Angebote sowie Kirchenführungen.

 

Wertvolle Botschaften an unsere Nachkommen

Klemm zog bei der Vorstellung des Zeitkapselprojektes auch den Bogen bis zum Reformationsjubiläum. In der Zeitkapsel werden Arbeiten aus dem Marienstift Arnstadt, von den 600 Kindern der Emil-Petri-Schule und anderen Einrichtungen wie der offenen Werkstatt, der Tafeln und Begegnungszentren in Arnstadt und Ilmenau, der Kirchgemeinden Heyda und Reinsfeld, der Schülern der Religionsgruppen der Geschwister-Scholl-Schule in Arnstadt und Eindrücke vom Großbreitenbacher Kräutergottesdienst für die Nachwelt aufbereitet.

 

Aus der Region zwischen Langewiesen und dem Rennnsteig kommen Berichte vom jährlichen Kirchentag – mit dem Hinweis, dass „das Ehrenamt nicht Lückenbüßer in Zeiten immer weniger werdender Hauptamtlicher werden dürfe“.

 

Es sind auch kritische Texte enthalten – etwa darüber, wie schwer es ist, „den Glauben in einer weitgehend entchristlichten Gesellschaft zu leben.“ Nur eines von vielen Zitaten: „Für die Zukunft wünschen wir euch respektvolles Umgehen mit Andersgläubigen und Andersdenkenden.“ Vieles von Martin Luther sei nur im Zusammenhang mit seiner Zeit verständlich, aber „seine Ernsthaftigkeit im Glauben, die Fröhlichkeit in der Gemeinschaft und der Wille, Gutes zu erhalten und Neues zu wagen“ werde auch in 100 Jahren Gültigkeit haben, so Klemm.

 

Heute wie damals eine Zeit der Umbrüche

Auch ein Brief an die dann in 600 Jahren Reformation Feiernden ist enthalten. „Was ist Luther für uns?“, wird darin gefragt. Kleiner werdende Gemeinden, weniger Personal bei evangelischen und katholischen Christen – mit Luther entdecke man Gemeinsamkeiten, man brauche einander: „Hoffentlich seid ihr da schon weiter.“

 

Bei der Podiumsdiskussion „Bleibt alles anders?“ in der Bachkirche ging es natürlich um Luther und die Reformation. Ähnlich wie unsere heutige Zeit war die von Luther eine mit gewaltigen Umbrüchen: Seine Welt war komplizierter, größer, moderner geworden. Gutenberg hatte um 1440 die Druckerpresse erfunden – eine mediale Revolution, die Luthers Wirkung erst möglich machte. Kolumbus hatte 1492 Amerika entdeckt – eine frühe Globalisierung. Und Luthers Zeitgenosse Kopernikus stellte fest, dass sich die Erde um sich selbst und um die Sonne dreht. Es waren bewegte, verwirrende Zeiten – für alle.

 

In der Diskussion wurde deutlich, dass sich vor allem ältere Gemeindemitglieder in den Dörfern schwer damit abfinden können, dass Pfarrerinnen und Pfarrer nicht mehr wie gewohnt die Gemeindemitglieder betreuen können, sondern in größer werdenden Pfarramtsbereichen Ehrenamtliche dabei mitarbeiten müssen. Das von Luther neu entdeckte „Allgemeine Priestertum aller Gläubigen“ bleibe auch in Zukunft Aufgabe: neue Gemeindemitglieder werden durch Gemeindemitglieder „gezeugt“, wie Lämmer durch Schafe und nicht durch den Hirten.

 

Robert Schmidt / 02.11.17

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