Presse: Neue Sonderausstellung zeigt Reformation in der Region

Thüringer Allgemeine am 24.10.2017

 

Sie spürt der kulturellen Wirkung auf den Alltag der Menschen nach. Viele Objekte wurden bisher nie museal gezeigt.

Im Schlossmuseum Arnstadt wird eine neue Ausstellung zur Reformation vorbereitet. Janny Dittrich zeigt einige Exponate, darunter Kelche aus den Kirchen in Marlishausen und Oberwillingen. Foto: Hans-Peter Stadermann

 

Arnstadt. Gerade ist die vielbeachtete und erfolgreiche Ausstellung zum Jugendstil im Arnstädter Schlossmuseum zu Ende gegangen, schon werden die Vitrinen für die nächste Schau vorbereitet, die sich nun dem Reformationsjubiläum widmet.

 

Noch sind die gläsernen Schaukästen leer, aber das wird sich in den nächsten Tagen ändern. Historikerin Dr. Janny Dittrich schließt einen besonders gesicherten Raum des Museums auf, in dem etliche Exponate auf Seidenpapier darauf warten, einem größeren Besucherkreis präsentiert zu werden. Auf kleinen Zetteln steht ihre Herkunft: Kelche und Hostiendosen kommen zum Beispiel aus Oberwillingen, Marlishausen und Angelhausen. Das Gemälde mit dem Bildnis des Reformators Martin Luthers auf einer Staffelei hängt sonst in der Kirche in Oberndorf. Der Heilige Sebastian wiederum hat seine Heimat im Thüringer Museum in Eisenach.

 

Ein schönes Stück ist auch die Pieta aus dem Bestand des Schlossmuseums, die auf Anfang des 16. Jahrhunderts datiert ist und ursprünglich aus der Bachkirche stammt. Unter den Exponaten befinden sich zahlreiche Stücke, die noch nie museal gezeigt wurden, erklärt Dr. Dittrich. Dabei habe man vor allem auf die thematische Aussagekraft und nicht auf den kunsthistorischen Wert geachtet, wie es in der Ankündigung der Sonderausstellung heißt, die der Reformationsbeauftragte für den Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau, Martin Sladeczek, seit Monaten in Zusammenarbeit mit dem Schlossmuseum vorbereitet.

 

Im Mittelpunkt steht die Bedeutung der reformatorischen Lehre für die weitere kirchliche und gesellschaftliche Entwicklung in der Region. Ausgehend von der vorreformatorischen Frömmigkeit zeigt sie Beispiele für den Wandel in vielen Bereichen. Dieser betraf unter anderem das Totengedenken und die Andachtsformen, „aber auch die Veränderungen, die diese Entwicklungen im Kirchenraum, in den Kirchenausstattungen und den ikonographischen Themen zur Folge hatte“, so Sladeczek. Ziel der Ausstellung sei in erster Linie, die Reformation als kulturellen Prozess darzustellen, der sich vor Ort über einen längeren Zeitraum abspielte und der Spuren hinterließ.

 

Die Arnstädter Oberkirche und die Liebfrauenkirche sind Korrespondenzstandorte, wo weitere Stücke in einen geistlich-liturgischen Raum zu sehen sein werden. Begleitend zur Ausstellung wird es einen umfangreichen Katalog und mehrere Führungen geben, beginnend mit einer Kuratorenführung am 10. November um 15.30 Uhr.

 

Antje Köhler / 24.10.17

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