Presse: Mystische Laute und Viola da Gamba

Thüringer Allgemeine am 12. September 2017

 

Arnstadt. Es war wieder einmal beschämend, wie wenig Besucher sich am Samstagabend in der Arnstädter Bachkirche eingefunden hatten. Lag es daran, dass das Konzert wegen der überraschenden Funde in der Oberkirche kurzfristig von dort in die Bachkirche verlegt werden musste oder daran, dass manche den Namen Luther nicht mehr hören können?

 

In jedem Falle wurden die wenigen Erschienenen, die sich am Vorabend des Tages des offenen Denkmals auf die Socken gemacht hatten, mit einem mystischen Konzert der Sonderklasse belohnt.

Eine samtene, seidige Musik

Wie der Programmtitel „Luthers mystische Laute“ andeutete, wurde rein instrumentale Musik der Renaissance geboten und zwar nicht die oft und gern gehörte Tanzmusik mit Zinken, Posaunen und Trompeten, sondern mystische Musik auf Laute und Gambe in einer solchen Zartheit, die man heute fast nur noch in der Musik des fernen Ostens finden kann. Zu dieser samtenen, seidigen Musik gab der Lautenvirtuose Lutz Kirchhof überdies einige Erläuterungen, aus denen man noch viel lernen oder sich wieder in die Erinnerung rufen konnte.

 

Zum Beispiel, dass die Musik der Renaissance versucht hatte, die göttliche Sphärenmusik in menschliche, durch Instrumente ausgedrückte harmonische Musik zu übertragen. Oder die große Rolle der Mathematik in der Musik. So erfuhr man etwa vom pythagoreischen Komma oder vom Goldenen Schnitt und der berühmten Fibonacci-Folge. Besonders tröstlich aber war, dass sowohl Luther, der selbst ein leidenschaftlicher Lautenspieler war, als auch die Renaissancezeit insgesamt noch wussten, dass die Musik in erster Linie das Herz des Menschen ansprechen muss.

Katzen sind sehr musikalische Tiere

Aber nicht nur das Herz des Menschen. Es war vermutlich kein Zufall, dass die parallel zum Konzert präsentierten Bilder, die in Nahaufnahmen etwa von Blüten und hier vor allem von denen, die auch die mathematische Schönheit der Natur präsentierten und die zahlreichen Fotografien prächtiger Katzen boten, die ja überwiegend als sehr musikalische und harmonische Tiere bekannt sind.

 

Im Zentrum des Konzerts stand aber die prächtige virtuose und intime Musik in ihrem innigen Zusammenspiel von Laute und Gambe, die im ergriffenen Publikum ein harmonisches Glücksgefühl hervorrief, wie man es in erster Linie von der klassischen indischen Musik her kennt. Dass solch harmonische Musik Jahrhunderte lang aus Europa verschwunden war und erst Ende des 19. Jahrhunderts wieder entdeckt wurde, machte das Konzert, das von der frühen Renaissance bis zu frühbarocken Stilen reichte, auf berührende Weise deutlich.

Klaus Ehring / 12.09.17