Presse: Sensationsfund in der Arnstädter Oberkirche

Thüringer Allgemeine am 2. September 2017

 

Steinerner Sarkophag stammt aus dem 13. Jahrhundert und gehört mutmaßlich einem der Stifter des Gotteshauses und einstigen Klosters
In der Oberkirche in Arnstadt wurde diese seltene Grabplatte unter dem Fußboden gefunden. Was sich darunter befindet muss noch geprüft werden.Foto: Hans-Peter Stadermann

Arnstadt. Mit einem Sprung betritt Pfarrer Thomas Kratzer gestern Vormittag die Oberkirche. Bequem ist es derzeit nicht, das Gotteshaus zu betreten, denn zwischen Taufbecken und Orgelempore wurde der komplette Fußboden entfernt. 30 bis 40 Zentimeter tief musste geschachtet werden.

 

Geplant war das nicht. Eigentlich sollten nur schadhafte Stellen in der 1901 gegossenen Betondecke ausgebessert werden. Als die Arbeiten begannen, stellten die beauftragten Firmen aber schnell fest, dass wohl doch mehr nötig ist. Unter der Betondecke hatten sich Hohlräume gebildet, die ein Sicherheitsrisiko waren. Daher musste doch der komplette Fußboden herausgenommen werden.

 

Dabei machten die Baufachleute eine Entdeckung, die Pfarrer Thomas Kratzer gestern als Sensationsfund bezeichnete. Nahe dem Eingang kam eine uralte, sehr gut erhaltene Grabplatte zum Vorschein. Auch Mauerreste entdeckten die Arbeiter, die darauf hindeuten, dass die im 13. Jahrhundert errichtete Kirche einen Vorgängerbau hatte. Auch gibt es wohl eine Gruft.

 

Die Kirchengemeinde informierte daraufhin umgehend das Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege. Dr. Thomas Grasselt nahm am Donnerstag die Grabplatte in Augenschein. Eigentlich, so sein Befund, handele es sich sogar um einen gut geschlossenen Steinsarkophag, der Mitte bis Ende des 13. Jahrhunderts entstand. Über den Menschen, der dort bestattet wurde, lässt sich derzeit noch nicht viel sagen. Aber: Es muss ein Ritter gewesen sein. Und er war mutmaßlich einer der Stifter der Kirche. Dafür spricht die exponierte Stelle seiner Bestattung.

Wappen ist noch nicht identifiziert

Das Wappen, das auf dem Sarkophag gut erhalten ist, wird nun von einem Heraldiker untersucht. Auch wollen die Archäologen die Kirche in Kürze genauer unter die Lupe nehmen, wollen nachsehen, was sich in der Gruft befindet. Gut möglich, dass sie neue Anhaltspunkte zur Baugeschichte der Oberkirche finden, die als eine der am reichsten ausgestatteten Kirchen der Region gilt. Geplant war, sie am 29. Oktober wieder einzuweihen. „Diesen Termin können wir nicht halten“, bedauert Thomas Kratzer. Die archäologischen Arbeiten haben nun erst einmal Vorrang. Geklärt werden muss zudem, wer die Kosten trägt und ob auch im vorderen Bereich der Kirche der alte Fußboden aufgenommen werden muss.

 

Angesichts des Sensationsfundes wolle man nun aber auch nichts überstürzen. Wer weiß, welche Geheimnisse die Oberkirche noch birgt.

Britt Mandler / 02.09.17