Presse: Johannes-Falk-Projekt packt im Kreuzhof der Oberkirche mit an

Thüringer Allgemeine am 12.07.2017

Natursteinblöcke werden umgelagert. Vor dem Reformationsfest entsteht als Zwischenschritt eine Rasenfläche.

Der historische Kreuzgang fasziniert und wird für Besucher wieder erlebbar gemacht. Karola Hentschel von der Projektsteuerung, Jörg Hilbrecht vom Johnnes-Falk-Projekt des Marienstifts und Oliver Bötefür, Baubeauftragter der Kirchengemeinde für die Oberkirche, tragen dazu bei. Foto: Antje Köhler

 

Arnstadt. Mit Schwung fliegen die Steine auf die Ladefläche. Jörg Hilbrecht wird Angst und Bange, dass das Auto des Marienstifts in die Knie gehen könnte. Das ächzt ganz schön, als es sich mit der schweren Fuhre auf dem Hof der Oberkirche in Bewegung setzt. Knifflig wird die kurze Tour um die Ecke auch deshalb, weil das Fahrzeug gerade so durch das schmale Tor passt. Links und rechts bleiben wenige Zentimeter. Fahrer Michael Morgenstern rangiert, alle halten die Luft an. Geschafft!

Die alten Natursteinblöcke in unterschiedlichen Größe werden zu einem Platz unterhalb der Kirche gebracht und dort zwischengelagert, um sie später bei Bedarf wiederzuverwenden.

Übernommen wurde diese Ar­beit Anfang der Woche von ei­ner Arbeitsgruppe des Johannes-Falk-Projekts des Marienstifts. Karola Hentschel von der Projektsteuerung hatte die Idee, da für die Beauftragung einer Firma schlichtweg das Geld fehlt. „Wir geben für die Sanierung der Oberkirche sechsstellige Beträge aus. Irgendwann wird es eng“, erklärt Oliver Bötefür, Baubeauftragter der Kirchengemeinde. Er ist froh, dass ihnen das Falk-Projekt bei der Beräumung des Kreuzhofes helfen kann und nach dem Okay aus dem Landratsamt auch darf.

Maximilian Kühn, Fritz Thurm, Toby Ramsthaler und Tobias Herrmann schleppen Steine und beräumen den Hof. Sie gehören zur mobilen Gruppe des Johnnes-Falk-Projektes. Foto: Antje Köhler

Die Männer, die hier Steine schleppen, leisten Sozialstunden nach einer gerichtlichen Auflage oder gehören zur mobilen Arbeitgruppe im Bereich Garten- und Landschaftsbau sowie Landschaftspflege mit Förderung über das Jobcenter. Sie haben auch im Tierpark viele Wege in Ordnung gebracht.

Nach der Beräumung des Kreuzhofes wird dort ein Tiefbauunternehmen eine provisorische Entwässerung einbauen. Im September rückt dann das Falk-Projekt noch einmal an, um die Fläche zu begradigen und eine Rasenfläche sowie einen mit Kies befestigten Bereich anzulegen. Damit soll das Areal zum Reformationsjubiläum betretbar sein, damit sich die Gäste umschauen können.

Dabei handelt es sich um ein Provisorium, da die Neugestaltung aus Kostengründen erst später möglich ist. So soll der Hof ausgebaggert werden, um auf das ursprüngliche Bodenniveau zu kommen. Außerdem wird ein Anbau an das Stadtkirchenamt abgerissen.

Gartenbau-Studenten aus Erfurt erarbeiten Studien für die Gestaltung. Dann gehe es darum, Fördermittel und Sponsoren zu finden, so Bötefür. Er benennt Kosten von 300 000 Euro. Denkbar wäre eine Variante mit Brunnen oder auch ein kleiner Garten. Auf jeden Fall soll es ein Ort der Ruhe werden.

Die Arnstädter Oberkirche

Der einschiffige Bau aus dem 13. Jahrhundert gehörte zu einem Franziskanerkloster.

Im 15. Jahrhundert wurde der Turm angebaut, die Holztonnendecke stammt aus dem 18. Jahrhundert.

Teile des Kreuzganges sind noch erhalten, er wird derzeit saniert.

Der Innenraum ist geprägt durch einen großen frühbarocken Altar, die Fürstenstände und Emporen sowie ein prachtvolles Taufbecken. Auch mehrere Epitaphe gehören zur reichen Ausstattung.

Im Jahre 2008 begann die aufwendige Sanierung des Gotteshauses.

Die Kirchengemeinde wird vom Verein Oberkirche Arnstadt unterstützt. Er hat ein Spendenkonto eingerichtet.

Aktuell laufen Arbeiten zur Reparatur des Fußbodens.
Die Kirche wird am Sonntag, 29. Oktober, um 10 Uhr, mit einem Festgottesdienst wieder eingeweiht.

Antje Köhler / 12.07.17