Presse: Auftakt für Vortragsreihe zum Reformationsjubiläum

Thüringer Allgemeine am 29.04.2017

 

Der Historiker Martin Sladeczek spricht über die Umbrüche nicht nur im geistlichen Leben in Arnstadt vor 500 Jahren.

 

Martin Sladeczek kennt sich in der Oberkirche aus. Hier zeigt der Beauftragte für das Reformationsjubiläum im Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau auf das Bild des Reformators Martin Luther an der Kanzel. Foto: Hans-Peter Stadermann Martin Sladeczek kennt sich in der Oberkirche aus. Hier zeigt der Beauftragte für das Reformationsjubiläum im Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau auf das Bild des Reformators Martin Luther an der Kanzel. Foto: Hans-Peter Stadermann

Arnstadt. Martin Sladeczek hat die siebenteilige Vortragsreihe zum Reformationsjubiläum in Arnstadt nicht nur vorbereitet, sondern er übernahm auch selbst am Donnerstagabend deren Auftakt. Der junge Historiker, der als Beauftragter für das Jubiläumsjahr im Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau arbeitet, schrieb seine Magisterarbeit über die Reformation in Arnstadt und seine Promotion über die Reformation auf dem Land.

 

Da bot es sich an, seine Erkenntnisse interessierten Bürgern zugänglich zu machen. Zumal sich die nächsten Referenten einigen Schwerpunkten widmen werden wie dem Leben der Franziskaner, den Büchern der Oberkirche, der Armenfürsorge oder auch dem Schulwesen.

 

Reicher Fundus an Quellen vorhanden

Wegen der noch immer sehr kühlen Temperaturen in der Oberkirche fand der Vortrag diesmal im Saal des Gemeindehauses statt. Eine gute Entscheidung, auch wenn die Oberkirche als ein Ort, an dem die Reformation auch baulich sichtbar ist, das gesprochene Wort gut ergänzt hätte. Doch Sladeczek zeigte zum einen illustrierende Fotos, zum anderen wurden nach der Veranstaltung neben Getränken und Häppchen auch Führungen durch die ehemalige Franziskanerkirche angeboten, die am 29. Oktober als Höhepunkt im Jubiläumsjahr feierlich wiedereingeweiht wird.

 

Vom Thesenanschlag Luthers in Wittenberg vor 500 Jahren bis zur Durchsetzung des evangelischen Glaubens in der hiesigen Bevölkerung hat es einige Jahre gedauert, weiß Sladeczek, der deshalb seinem Vortrag auch den Titel „1523 statt 1517. Die Reformation in Arnstadt“ gab.

 

Der Erfurter, der in Jena mittelalterliche Geschichte, Neuere Geschichte, Politikwissenschaft und Volkskunde/Kulturgeschichte studierte, stieß hier bei seinen Forschungen zur frühen Wirkung der Reformation auf die Bevölkerung auf eine reiche Quellenlage. Dazu gehören unter anderem Belege für Spenden der Bürger an die drei Pfarrgemeinden. Wobei Sankt Jakob am Riedtor – die Kirche der ärmeren Handwerker – längst nicht so reich bedacht wurde wie die Liebfrauenkirche und die Bonifatiuskirche am Markt. Ab 1523 sinken diese Geldzuwendungen erheblich und tendieren teils gegen Null. Da hatten die reformatorischen Lehren bereits um sich gegriffen, unter anderem durch die Reden des Luther-Freundes Caspar Güttel. Der Erfurter Reformator Johannes Lang besuchte nachweislich den Arnstädter Stadtrat.

 

Mit 3500 Einwohnern war Arnstadt um 1500 die größte Stadt der Schwarzburger Herrschaft. Die Kirchen prägten im Spätmittelalter nicht nur das Stadtbild, sondern mit Gebeten, Wallfahrten oder gemeinsamen Festen das Leben der Menschen. Als wesentlich für die Durchsetzung der Reformation bezeichnete Sladeczek den Grafenwechsel 1531. Heinrich XXII. hatte da schon einige pro-reformatorische Auseinandersetzungen mit seinem Vater hinter sich.

 

Was allerdings den Wandel in den Köpfen der Menschen ausgelöst hat, die noch 1515 mit Begeisterung für die Kirche spendeten und sich dann mit Begeisterung dagegen wendeten, das könne nicht zweifelsfrei geklärt werden, so der Referent. Die Umstellung habe nicht schlagartig stattgefunden, aber sie hatte 1523 in Arnstadt die Mehrheit der Menschen erfasst.

 

Davon wird im November auch eine Sonderausstellung im Schlossmuseum erzählen.

 

Nächster Vortrag am 18. Mai um 19.30 Uhr in der Oberkirche Arnstadt. Johannes Schlageter aus München spricht über „Die Franziskaner zu Arnstadt und ihre religiöse und theologische Begegnung mit der Reformation“.

 

Antje Köhler / 29.04.17