Presse: Blick in die Vergangenheit und in die Zukunft

Thüringer Allgemeine am21.01.2017

 

Der Kirchkreis Arnstadt-Ilmenau begeht das Lutherjahr mit über 30 Veranstaltungen und lädt zur „Zukunftswerkstatt“ ein. 

Superintendentin Angelika Greim-Harland am Freitag beim Vorstellen des Luther-Programms des Kirchenkreises Arnstadt-IImenau. Foto: Robert Schmidt Superintendentin Angelika Greim-Harland am Freitag beim Vorstellen des Luther-Programms des Kirchenkreises Arnstadt-IImenau. Foto: Robert Schmidt

 

Arnstadt. Zwar ist Arnstadt nun nicht gerade eine Hochburg der Reformation gewesen, trotzdem hinterließen Martin Luther und eben jene Reformationen vor genau 500 Jahren und später auch hier ihre Spuren. Der Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau plant deshalb im Reformationsjahr viele Veranstaltungen unter dem Motto „Reformation hautnah“. Wie lief die Reformation hier eigentlich ab? Welche Auswirkungen hatte sie? Was geht sie uns heute an?

 

Das sind Fragen, auf die ab dem 4. April mit der Eröffnung der Wanderausstellung „Frauen der Reformation in der Region“ in der Arnstädter Oberkirche nachgegangen werden soll.

 

Danach geht es Schlag auf Schlag weiter: Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Diskussionsrunden und Vorträge – weit über 30 Veranstaltungen, die einen ganzen und beidseitig bedruckten Flyer füllen, der jetzt kostenlos überall ausliegt.

 
 

Dabei will man laut Superintendentin Angelika Greim-Harland bewusst nicht in der „Liga der großen Lutherorte“ mitspielen, setzt aber auf Regionales und auf regionale Zusammenarbeit mit Partnern wie dem Arnstädter „Spittel“ und dem Marienstift, den Städten Arnstadt und Ilmenau und auf Ökumene. So gibt es auf dem Ilmenauer Marktplatz am 5. Juni ein ökumenisches Glaubensfest. Auf die Ökumene legt man auch deshalb Wert, weil Luther nicht nur trennte, „sondern durchaus auch nach Gemeinsamkeiten und Verbindendem suchte“, so Oliver Bötefür vom Arnstädter Oberkirchenverein. Jene Oberkirche feierte dann auch am 29. November mit ihrer Wiedereinweihung ihren großen Tag, auch wenn dann nach über neun Jahren der Sanierung noch längst nicht alles fertig ist.

 

In der Oberkirche soll am 31.Oktober auch eine Zeitkapsel eingemauert werden. Die mehr als 80 Kirchgemeinden des Kirchenkreises sind dazu aufgerufen, 100 Jahre vorzudenken und ihre jeweiligen Wünsche, Hoffnungen und Ziele aufzuschreiben – am 31. Oktober 2117 – also am 600. Reformationsjubiläum – soll diese Zeitkapsel dann hervorgeholt und geöffnet werden.

 

An jenem 31. Oktober findet in der Oberkirche und der Arnstäder Innenstadt auch der Kreiskirchentag statt, er wird als „Reformationsfestival“ gefeiert.

 

Auch den Bogen zum Hier und Heute schlagen

Im November wird die Ausstellung „Wandel & Beständigkeit“ im Schlossmuseum eröffnet, sie bietet nicht nur einen Überblick über die Reformation, sondern auch „spannende Einblicke in die Veränderung, die Luthers 95 Thesen ganz konkret hier in der Region hatten.“ Stichwort Armenversorgung, die damals eine Domäne der katholischen Kirche und in Arnstadt vor allem der Franziskaner war und nach der Reformation völlig neu organisiert werden musste. Gleiches lässt sich übrigens vom Schulwesen sagen, viele katholisch geprägte wurden während und nach der Reformation einfach „abgewickelt“. „Wir wollen im Reformationsjahr versuchen zu verstehen, was damals war und was geschehen ist. Wir wollen den Bogen zum Hier und Heute und zu unserer schnelllebigen und turbulenten Zeit schlagen, uns geht es da in vieler Hinsicht fast genau so wie den Menschen vor 500 Jahren“, so Greim-Harland.

 

Und auch zu Bach wird ein Bogen geschlagen. Am 28. Juli gibt es in der Oberkirche ein musikalisches Programm mit dem Titel „Bach und Luther“.

 

Bevor der Trubel um Luther und die Reformation richtig losgeht, will der Kirchenkreis mit allen Gemeinden über die Zukunft und die künftige Arbeit ins Gespräch kommen – passenderweise unter dem Motto „Zukunftswerkstatt“.

 

Diskussion über die Kirche der nächsten Jahre

Angesichts immer größer werdender Pfarrbereiche, den Problemen mit immer weniger Pfarrerinnen und Pfarrern und dem demografischen Wandel müsse man laut Greim-Harland darüber sprechen, wie die Arbeit künftig organisiert und welche Themen in den Mittelpunkt gestellt werden sollen. „1997 gab es die noch Superintendenturen Arnstadt und Ilmenau mit insgesamt 43 Pfarrstellen. Mittlerweile gibt es nur noch einen Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau mit derzeit 15 Pfarrstellen“, so Greim-Harland zum wohl größten Problem in der evangelischen Gemeindearbeit. Die „Zukunftswerkstatt“ findet am 28. Januar ab 10 Uhr im Pfarrhof 10 in Arnstadt statt. Die Anmeldefrist wurde jetzt noch einmal bis zum 24. Januar verlängert.

 

Robert Schmidt / 21.01.17