Presse: Schwindelerregender Saitenzauber

Thüringer Allgemeine vom 13.06.2016

 

Arnstadt (Ilm-Kreis). In den Ankündigungen hatte es vollmundig wie rätselhaft geheißen Heavy Classic, konzertante Musik, die rockt und Renaissance: neue alte Musik alte neue Musik. Trotzdem oder gerade deswegen hatte sich nur ein kleines Publikum eingefunden, das für seine Neugier aber belohnt wurde.

 

Der junge Gitarrist Malte Vief erwies sich als Ossi, aber als Ostfriese, der schließlich bei den anderen Ossis, erst in Dresden und seit sechs Jahren in Leipzig, gelandet ist. Ähnliches wie dieses Wandern von West nach Ost und vom Land in die Großstadt, ereignete sich auch in der Musik, die Malte Vief im schönen Konzertsaal der Oberkirche präsentierte.

 

In der ersten Hälfte gab es überwiegend Meister der Renaissance-Laute aus Spanien, Italien und England zu hören. Neben John Dowland dürfte dabei Francesco da Milano der Bekannteste gewesen sein.

 

Schier unglaublich, mit welcher Geschwindigkeit und Präzision die Finger des jungen Gitarrenmeisters über die sieben Saiten glitten (kein Versehen, sondern die üblichen sechs Saiten waren durch eine weitere Basssaite verstärkt). Wenn man nicht auf die schnellen Finger sah, merkte man kaum, wie virtuos das Spiel war, denn alles kam mit einer grenzenlosen Leichtigkeit daher.

 

Angesichts der angekündigten Heavy Classic glaubte man im virtuosen Spiel bereits einige Hard-Rock-Elemente zu erkennen. Dieser Eindruck verstärkte sich bei den Eigenkompositionen, die rockig und beim letzten Stück vor der Pause sogar jazzig daherkamen.

 

In der Pause kam seitens des Veranstalters und Teile des Publikums die Frage und Anregung an den Künstler auf, ob er im zweiten Teil mehr heavy , also schwer, heftig, wuchtig spielen werde. So änderte Malte Vief spontan den zweiten Teil, der ohnehin etwas rockiger geworden wäre, zugunsten der Wünsche des Publikums ab. Welch großartige Geste eines großen Meisters!

 

Heftiger wurden die Rhythmen, vor allem in den Eigenkompositionen, aber auch hier blieb das prächtige filigrane Spiel, das einem den Atem raubte. Merkwürdiger- und wunderbarer Weise war es wie jüngst bei den Drei Damen im Rathaus die modale Beatles-Komposition Norwegian Wood, die besonders beeindruckte und in einer ziemlich jazzigen Version einen Höhepunkt des rasanten Konzertabends bildete.

 

Klaus Ehring / 13.06.16 / TA