Presse: Gospelkonzert bringt Publikum zum Singen und Tanzen

Thüringer Allgemeine am 24.05.2016

Arnstadt (Ilm-Kreis). Der Jenaer Gospelchor „black feet, white voices“ gastierte am Sonntag in der Oberkirche zu Gunsten der Flüchtlingshilfe.

Der Jenaer Gospelchor „black feet, white voices“ gastierte am Sonntag in der Oberkirche in Arnstadt und gab hier ein Benefizkonzert für Flüchtlingsarbeit und Kirchenasyl. Foto: Christoph Vogel
Der Jenaer Gospelchor „black feet, white voices“ gastierte am Sonntag in der Oberkirche in Arnstadt und gab hier ein Benefizkonzert für Flüchtlingsarbeit und Kirchenasyl. Foto: Christoph Vogel

Sie nennen sich leicht ironisch „schwarze Füße, weiße Stimmen“, haben aber zumindest mit der zweiten Hälfte Recht. Denn sie als Weiße und überdies Deutsche versuchten erst gar nicht, den Rhythmus und die emotionale Tiefe und Begeisterung der schwarzen Musik nachzuahmen. Und so klang das Gospelkonzert am Sonntag in der Arnstädter Oberkirche selbst in seinen afrikanisch angehauchten Liedern mehr nach Rachmaninov als nach Youssou n´Dour, Aretha Franklin oder Mahalia Jackson.

Eleganz der schönen Stimmen

Wenn man sich erst einmal an die fehlende Schwärze gewöhnt hatte, konnte man den Reichtum und die Eleganz der schönen Stimmen durchaus genießen, die in ihren besten Momenten sogar an Großmeister wie das Golden Gate Quartett oder Duke Ellington erinnerten. Oder eben an die erhebende russisch-orthodoxe Musik, die wie die Musik der Schwarzen, nur mit anderen Mitteln, unter die Haut geht.

Und so verstanden es die „Black feet white voices“ in ihrem Benefizkonzert zugunsten der Flüchtlingshilfe, das Publikum von Anfang an in ihren Bann zu ziehen. Das bedeutete nicht nur Mitklatschen von Beginn an, sondern weit darüber hinaus folgten die begeisterten Zuhörer den Animationen des Gospelchores. Da galt es manchmal, gesanglich den Chor zu unterstützen oder lautmalerisch den tropischen Regen in Afrika darzustellen. All diese Bitten seitens des Chores wurden so bereitwillig befolgt, dass die Jenaer ihrerseits mit Lob des Publikums nicht sparten.

Offenbar war dem Chor, nicht zuletzt durch seinen umjubelten Auftritt vor zwei Jahren, die hervorragende Akustik der Oberkirche noch im Gedächtnis. Und so nutzten die Gospelsänger dies aus, um auch den Klangraum der Oberkirche in ihr Konzert einzubeziehen.

Mehrmals wandelten sie im Kirchenraum an beiden Seiten des Publikums entlang. Hierdurch konnte man nicht nur die einzelnen schönen Stimmen noch hautnaher erleben, sondern auch wieder einmal die Oberkirche als einzigartigen Klangraum erfahren.

Zum Schluss wurden die Jenaer immer weltlicher und schreckten in einem reinen „Männerauftritt“ auch nicht vor launigen musikalischen Parodien zurück. Alles in allem war es ein besonderes und ungewöhnliches Konzert, das die Besucher, die zahlreich für den guten Zweck spendeten, zufrieden und beglückt nach der fast schon angenehmen Kühle der Oberkirche wieder in die schwülwarme Luft an diesem Sonntag entließ.

Klaus Ehring / 24.05.16 / TA