Presse: Kirchen-Trinität voll magischer Musik

Thüringer Allgemeine am 29.09.2015

 

Arnstadt (Ilm-Kreis). Wandelkonzert zur Feier der Gründung des Kirchengesangsvereins Arnstadt vor 90 Jahren füllte drei Gotteshäuser.

Vor 90 Jahren wurde der Kirchengesangsverein als Vorgänger des heutigen Bachchors gegründet. Zum Jubiläum lud Kantor Jörg Reddin zum Wandelkonzert ein, in dessen Verlauf drei Kirchen besucht wurden. Foto: Britt Mandler
Vor 90 Jahren wurde der Kirchengesangsverein als Vorgänger des heutigen Bachchors gegründet. Zum Jubiläum lud Kantor Jörg Reddin zum Wandelkonzert ein, in dessen Verlauf drei Kirchen besucht wurden. Foto: Britt Mandler

Drei Stunden dauerte das Spektakel und es war keine Minute langweilig. Schon deswegen, weil es viel unbekannte skandinavische Musik zu entdecken gab, aber auch deshalb, weil der Bachchor Arnstadt, manchmal um die Altistin Cornelia Rosenthal (Leipzig) verstärkt, und der finnische Organist Ville Urponen auf höchstem Niveau musizierten.

 

Das Drei-Kirchen-Konzert begann am Sonntagnachmittag in der altehrwürdigen, im Übergang von Romanik zur Gotik erbauten Liebfrauenkirche, in der sich schon frühzeitig ein großes Publikum eingefunden hatte. Hier trug der Bachchor Arnstadt im Verein mit der Solo-Altistin Musik von Johann Sebastian Bach und von Johann Michael Bach, dem Vater von Maria Barbara, ebenso innig vor, wie Stücke von Gottfried Wolters (1910-1989), Jean Sibelius (1865-1957) und Edvard Grieg (1843-1907).

 

Wie erfreulich war es anzuhören, dass der Bachchor unter der Leitung von Jörg Reddin ein solches Profil gewonnen hat, dass er mit der Leipziger Starsängerin ohne Schwierigkeiten mithalten konnte. Auch der finnische Orgelstar Urponen brillierte mit dem „Präludium und Fuge h-moll BWV 544“ sowie einer interessanten Fantasie des Finnen Taneli Kuusisto (1905-1988).

 

Nach so viel Klanggewalt und den bescheidenen Raumtemperaturen, die sich eindrücklich bemerkbar machten, tat der kurze Pilgerweg in die Oberkirche gut. Dort erwartete die Zuhörer zur Erholung als retardierendes Spannungselement leichtere, aber trotzdem delikate und charmante Kost in Form von vier schwedischen Volksliedsätzen. Man merkte dem Bachchor an, dass auch ihm selber der Vortrag dieser schönen Volkslieder riesigen Spaß bereitete.

 

Als Schluss- und Höhepunkt ließ der Konzertteil in der Bachkirche wohl niemanden unbeeindruckt. Hier erklang zunächst das meditativ anrührende „Priére“ des berühmten finnischen Komponisten Oskar Merikanto (1868-1924). Danach intonierte der Bachchor Arnstadt mit der Solistin Rosenthal und unter der Begleitung der romantischen Orgel vier der klanggewaltigen „Biblischen Lieder, op. 99“ von Antonin Dvorák (1841-1904) und „Drei geistliche Lieder op. 96 für Alt, Chor und Orgel“ von Felix Mendelssohn Bartholdy (1809-1847) sowie „Notre Père“ von Maurice Duruflé (1902-1986).

 

Im darauf folgenden Orgelpart auf der barocken Wender-Orgel erwies sich die „Toccata und Fuge d-moll BWV 565“ als absolute Wucht. Wann hat man jemals dies gewaltige Werk so gefühlvoll und zupackend, aber gleichzeitig so durchsichtig und filigran erleben können?

 

Nachdem sich der Bachchor mit „In stiller Nacht“ von Johannes Brahms (1833-1897) verabschiedet hatte, lief der finnische Organist mit dem klangmächtigen „Finnlandia op. 26“ von Jean Sibelius auf der romantischen „Steinmeyer-Orgel“ noch einmal zur höchsten Form auf und spielte so subtil und dynamisch brisant, dass die Zuhörer sämtlich hingerissen wurden und die Bachkirche mit höchsten Glücksgefühlen verließen.

 

Klaus Ehring / 29.09.15 / TA