Presse: Spannende musikalische Reise mit einem ungewöhnlichen Trio

Thüringer Allgemeine am 03.08.2015

 

Arnstadt (Ilm-Kreis). Musiker erfreuten am Freitagabend in der Oberkirche mit Oboe, Harfe und Gitarre ein andächtig lauschendes Publikum.

Das Trio „Sierov & Schmidt“ – Jessyca Flemming, Stefan Schmidt und Mykyta Sierov – begeisterte das Publikum in der Arnstädter Oberkirche. Foto: Hans-Peter Stadermann
Das Trio „Sierov & Schmidt“ – Jessyca Flemming, Stefan Schmidt und Mykyta Sierov – begeisterte das Publikum in der Arnstädter Oberkirche. Foto: Hans-Peter Stadermann

Der gebürtige Ukrainer Mykyta Sierov (Oboe) undStefan Schmidt (Gitarre) bilden bereits seit 2008 ein Duo. Vier Jahre später stießJessyca Flemming (Harfe) dazu, und das Trio „Sierov & Schmidt“ war geboren. Da es für diese eigenwillige Besetzung mit Oboe, Gitarre und Harfe kaum Kompositionen gibt, waren die drei Musiker gezwungen, zum größten Teil auf Eigenschöpfungen zurückzugreifen, die sich zum Konzert am Freitagabend in die gute Akustik und Intimität der Oberkirche bestens einfügten.

 

Zwischen Klassik und Folklore

Das sehr musikantisch mit großem Spielwitz aufspielende Trio bewegte sich dabei stilistisch irgendwo zwischen Folklore, Klassik und Jazz und bot überwiegend ein Konzert der stilleren Töne. Ältere Semester mochten sich ein wenig an Ralph Towner und seine legendäre Gruppe „Oregon“ erinnert fühlen. Aber es gab im Wechsel mit diesen ruhigeren Stücken auch deftigere Kost, wie etwa das ukrainische „Babuschka“ mit seinem Zigeunerswing oder die brisant-pathetisch-ironischen Liebeserklärungen an die spanische und sogar mexikanische Folklore.

 

Immer war das Zusammenspiel der Musiker sehr dicht und sehr entspannt. Naturgemäß stand die Oboe als Soloinstrument im Vordergrund, während die Harfe etwas das Nachsehen hatte. Um dieses Ungleichgewicht etwas auszugleichen, gab es deshalb auch großartige Soli auf der Harfe, unter anderem mit englischer („Greensleaves“) und irisch-keltischer Musik. Wiederholt griff der Oboist auch zur Gitarre und mit zwei Gitarren und Harfe zauberte das Trio wunderbare Klänge.

 

Beim Oboisten beeindruckten vor allem sein großartiger Ton und die Bandbreite von Spielweisen, die von der Klassik bis zu Free-Jazz-Eruptionen reichten. Fantastisch war auch die Hommage an Jimi Hendrix. Wann hat man je sein „Hey Joe“ auf der Oboe gehört? Hier fuhr Mykyta Sierov vom zärtlichen Säuseln bis zum Schrei alles auf, was sein Instrument hergab.

 

Besonders wohltuend empfand das Publikum, das die Oberkirche bis zum Taufbecken füllte, dass die Musiker unprätentiös und gut gelaunt mit kurzen Stücken unterschiedlichster Stile beste Unterhaltung boten. Auch die launige Conference des Oboisten passte bestens in diese entspannte Stimmung hinein. Und dann konnte man sich natürlich noch an dem neu errichteten Adelsstand, den großen Fortschritten an der Kanzel und am ausgeschenkten Rotwein erfreuen.

 

Ein Abend in der Oberkirche, wie ihn der Adel genannt hätte: „comme il faut“ (wie es sich gehört). Dem rührigen Verein Oberkirche sei es wieder einmal aufrichtig gedankt.

 

Klaus Ehring / 03.08.15 / TA