Presse: Versteckte Besonderheiten in der Oberkirche in Arnstadt

Thüringer Allgemeine am 11. April 2015

 

Arnstadt (Ilm-Kreis). Renate Friedel staunt über restaurierte Kanzelteile und zeigt verborgene Fußabdrücke und hundert Jahre alte Graffiti.

Renate Friedel vom Verein Oberkirche Arnstadt zeigt das Grabdenkmal für Georg Fischer aus dem Jahr 1505. Die Farben sind gut erhalten, die Darstellung sehr detailreich. Foto: Hans-Peter Stadermann
Renate Friedel vom Verein Oberkirche Arnstadt zeigt das Grabdenkmal für Georg Fischer aus dem Jahr 1505. Die Farben sind gut erhalten, die Darstellung sehr detailreich. Foto: Hans-Peter Stadermann

 

Fast jedes Mal, wenn sich die Türen zur sonst verschlossenen Oberkirche inArnstadt öffnen, gibt es überraschend Neues zur Restaurierung oder Vervollkommnung der Kirche zu sehen. So auch dieses Mal. Eigentlich ging es um verborgene Besonderheiten in dem ehemaligen Franziskanerkloster aus dem 13. Jahrhundert, doch zuerst fiel dann der Blick auf die gerade angelieferten Bestandteile für die Kanzel und den Aufgang.

 

„Diese nun wieder sehr schönen Teile für die Kanzel habe ich seit 40 Jahren nicht mehr gesehen“, staunteRenate Friedel, Mitglied im Verein Oberkirche Arnstadt.

 

Gäste achten selbst auf kleinste Details

Säuberlich aneinandergereiht liegen Tafeln, die in die Wände des Geländers zur Kanzel und die Kanzel selbst eingelassen werden sollen, auf dem Boden. Sie sind frisch restauriert, die goldenen Verzierungen der Figuren glänzen. Renate Friedel zeigt schon hier die erste kleine Besonderheit.

 

So hat einer der Soldaten, die später auf dem Kanzeldeckel nicht mehr aus der Nähe zu betrachten sind, tatsächlich nachgebildete Zähne im Mund. Friedel: „Eine Besucherin hat mich vor ein paar Tagen darauf aufmerksam gemacht, da sieht man auch, welches Interesse die Gäste haben und auf jedes noch so kleine Detail achten.“

 

Die Kanzel samt Aufgang soll noch in diesem Jahr komplettiert werden. Einige der Teile sind restauriert, andere im Originalzustand belassen.

 

Judaslohn und Marterwerkzeuge

Dann führt Friedel an eine Stelle unterhalb des Altars. Dort steht an der Wand ziemlich im Verborgenen der Grabstein für den Hüttenmeister Georg Fischer, der eher ein Grabdenkmal darstellt. „Das ist wohl das berühmteste Epitaph der Oberkirche, es zeigt die Darstellung des Abendmahls, die sogenannte Gregormesse, und stammt aus dem Jahr 1505, künstlerisch sehr bedeutsam“, erklärt Friedel. Sie zeigt den Darstellungsreichtum. Da ist der Judaslohn, die 30 Silberlinge, abgebildet, an anderer Stelle sämtliche Marterwerkzeuge oder die Würfel der Soldaten. Auffällig die noch immer nach Jahrhunderten erhaltenen kräftigen Farben an den Gewändern, an der Papstkrone.

 

Doch wenn die Sanierung der Bausubstanz in der Oberkirche bis zum Lutherjahr 2017 abgeschlossen sein wird, dann werden vor allem manche nur durch aufgestellte Gerüste sichtbar und bekannt gewordene Besonderheiten kaum noch zu sehen sein.

 

Das betrifft beispielsweise die über dem frühbarocken Altar auf einer nachempfundenen Wolke zu sehenden zwei Fußabdrücke. Sie sollen die Füße von Jesus bei seiner Himmelfahrt verdeutlichen, so Renate Friedel. Sind doch darüber zudem noch zwei Beine zu erkennen, der Körper ist durch eine andere Wolke verdeckt.

 

Noch versteckter sind Inschriften, die offenbar nicht nur Handwerker, sondern auch andere Personen auf der nicht zugänglichen Rückseite des Altars an der Darstellung des göttlichen Himmels hinterlassen haben. Allerdings konnten bisher nur Teile der Inschriften entziffert werden.

 

So heißt es „Im Jahre 1900 wurde die Kirche repprirt“ und „Wenn 1900 vorbei wird hier wieder Kirche gehalten“. Den Bau habe Hoftünchermeister Ernst Weinschenk und der Geselle Julius Reinhardt aus Holzhausen ausgeführt. An anderer Stelle geht es in schwer entzifferbarer Kursivschrift nicht um den Altar, sondern die Tonnendecke der Kirche, die verputzt und bemalt wurde. Die Inschrift soll aber nicht von Handwerkern stammen, denn die hätten sich an tieferer Stelle verewigt, heißt es von Fachleuten.

 

Die Holztonnendecke übrigens ist bereits wieder in alter Schönheit zu bewundern.

 

Frank Buhlemann / 11.04.15 / TA