Presse: Wertvolle Schriften in der Sakristei

Thüringer Allgemeine vom
Arnstadt (Ilm-Kreis). Im 16. Jahrhundert entstand die einmalige Bibliothek in Arnstadts Oberkirche. Sie wird nun aufwändig restauriert.

 

Ende 2013 sahen sich Stadtratsmitglieder in der Sakristei um, denn in das Sanierungsprojekt fließen auch städtische Mittel. Foto: Frank Buhlemann
Ende 2013 sahen sich Stadtratsmitglieder in der Sakristei um, denn in das Sanierungsprojekt fließen auch städtische Mittel. Foto: Frank Buhlemann

Im Jahr 1583 verstarb in Arnstadt der Obrist Leo von Packmor. In seinem Testament stiftete er ein Legat zum Ankauf von Büchern. Dazu wurden im Jahr 1588 erstmalig Bücher auf der Frankfurter Herbstmesse angekauft, welche, auf Anordnung des Superintendenten Rothes, in vergitterten Schränken in der Sakristei der Oberkirche in Arnstadt aufbewahrt wurden.

 

Viele Menschen spendeten für die neue Bibliothek Geld und Bücher. Darunter die Gräfin Katharina, der Bürgermeister Niklas Fischer, der Glaser Simon Karl. Neben Handschriften, Wiegendrucken, Leichenpredigten, Bibeln, Gesangbücher, gehören die Einverleihung der Werke von Martin Luther, die Superintendent Johann Gottfried Olearius gesammelt hat, zur Bibliothek. Pfarrer Christian Olearius, gab 1746 ein gedrucktes Verzeichnis heraus.

 

Doch erst im Jahr 1908 erfasste der damalige Diakon Eduard Weise alle vorhandenen Werke. Dabei führte er eine einheitliche Signatur ein und stellte 2131 Bände fest. Es sind dabei Erst- beziehungsweise Originaldrucke zu den Themen Reformation und Kunstgeschichte.

 

Der älteste Druck geht auf das Jahr 1473 zurück. Zu finden ist in der Bibliothek auch ein kleines, 1525 in Erfurt gedrucktes Buch mit acht Liedern von Martin Luther. Es ist eines der ersten gedruckten Gesangsbücher des Reformators und dazu ist das Arnstädter noch das Einzige dieser Ausgabe.

 

Bei all den wertvollen Büchern muss man auch die Holzschnitte in den Werken betrachten. Besonders die von Lukas Cranach, welche leider im Cranach-Jahr 2015 noch nicht erfasst sind, weshalb Arnstadt ausgeklammert wurde.

 

Im Sommer 1962 entdeckte der Kirchenbuchführer Friedrich Lappe den Befall der Bibliothek mit Ungeziefer. Nach Beratung mit Superintendent Hans Prautzsch war schnelle Hilfe nötig. 20 evangelische und katholische Arnstädter lagerten Bücher in die Oberkirche um. Schädlingsbekämpfer Töpfer räucherte die Sakristei aus und nach kurzer Zeit kehrten alle Bücher wieder an ihren angestammten Platz zurück. Es war die erste gemeinschaftliche, ökumenische Aktion der beiden großen Kirchen unserer Stadt nach der Reformation.

 

Nun soll die Sakristei, der verschlossene Bücherstandort, renoviert und dazu die wertvolle Bibliothek vorübergehend nach Eisenach gebracht werden. Schön wäre es gewesen, wenn man in Arnstadt einen sicheren Platz gefunden hätte, um den wertvollen Schatz zwischenzulagern. Die Zeit der Bauarbeiten sollten auch genutzt werden, um die Werke bezüglich des Cranach-Jahrs zu sichten und um eine Ausstellung zum Lutherjahr 2017 vorzubereiten.

Helmuth Karl Abendroth / 05.02.15 / TA