Presse: Restaurierung des Adelsstandes: Zusätzliches Werk erinnert an Tobias‘ mutige Taten

Thüringer Allgemeine vom 01.06.2014

Arnstadt (Ilmkreis). In schlichte, schwarze Rahmen sind die Brüstungsbilder des historischen Adelsstandes in der Oberkirche eingespannt. Die meisten von ihnen sind unbeschriftet. Das hochformatige Bild jedoch, das direkt neben dem Treppenaufgang hängt, trägt den Aufdruck „Tobia 2 Cap“.

"Die Toten begraben" ist der Titel dieses Bildes aus dem Adelsstand. Es bezieht sich auf das zweite Kapitel des Buches Tobit. Foto: Repro TA Arnstadt
„Die Toten begraben“ ist der Titel dieses Bildes aus dem Adelsstand. Es bezieht sich auf das zweite Kapitel des Buches Tobit. Foto: Repro TA Arnstadt

„Das unterscheidet dieses Bild deutlich von den anderen Bildern der unteren Reihe“, erklärt Pfarrerin Mechthild Latzel. Denn diese nehmen Bezug auf das 25. Kapitel des Matthäus-Evangeliums. Sie stellen Szenen aus den „Werken der Barmherzigkeit“ dar. Hungernde zu speisen, Nackte zu kleiden, Kranken beizustehen – all das sind Handlungen der Nächstenliebe. Einen Dank verlangen die Barmherzigen dafür nicht. Vielmehr drückt ihr Tun aus, dass sie sich mit den Notleidenden identifizieren können.

 

Tote zu bestatten, kommt in dieser Aufzählung im Matthäus-Evangelium nicht vor. Doch fügte Kirchenvater Lactantius genau diesen Passus vor Jahrhunderten den Werken der Barmherzigkeit hinzu. Dazu nahm er Anleihe im Buch Tobit.

 

Erzählt wird in ihm die Geschichte des Tobias, der zur Zeit der babylonischen Gefangenschaft des Volkes Israel lebte. Viele Gefangene waren verzweifelt, hatten resigniert. Nicht so Tobias. „Von ihm wird erzählt, dass er sich trotz schwieriger Umstände diakonischen Aufgaben stellte“, sagt Mechthild Latzel. So bestattete er Tote, um die sich sonst niemand kümmerte – auch wenn er sich damit in Lebensgefahr brachte und den Spott seiner Freunde ertragen musste. „Für ihn aber war das ein selbstverständlicher Dienst an seinen Mitmenschen“, so die Pfarrerin.

 

Das Thema sei hochaktuell, erinnert Latzel. In Bürgerkriegsländern etwa sei mitunter die Bestattung von Toten nicht gewährleistet. Oftmals bleiben sie einfach liegen. „Dabei ist es für die Angehörigen von großer Bedeutung zu wissen, dass ihre Toten würdig verabschiedet und nicht geschändet wurden.“

 

Hierzulande sei sichergestellt, dass jeder Verstorbene bestattet wird. Und doch komme auch in Deutschland der letzten Lebensphase eine besondere Bedeutung zu. Denn es gebe immer mehr Menschen, die einsam sterben. Mitunter kommen auch nur sehr wenige Gäste zu Trauerfeiern. Sich um die Toten zu kümmern, aber auch den Angehörigen beizustehen, sei nicht nur eine Aufgabe für sie als Pfarrerin, sondern für alle christlichen Geschwister, erinnert Mechthild Latzel. „Wenn wir im Gottesdienst für die Toten beten, bitten wir darum, dass sie ins Reich Gottes aufgenommen werden und ihren Weg durch die Finsternis ins ewige Leben finden. Und wir beten für die Angehörigen“, so die Pfarrerin.

 

Rund 2300 Euro kostet es, das Bild „Die Toten begraben“ zu restaurieren. Das wertvolle Kunstwerk soll noch viele Jahre daran erinnern, was wahre Nächstenliebe bedeutet – damals wie heute.

 

Britt Mandler / 01.06.14 / TA