Presse: Geld reicht nicht für Restaurierung aller Adelsstand-Brüstungsbilder

Thüringer Allgemeine vom 3.5.2014

 

Arnstadt (Ilmkreis). Weil die hölzernen Bilder aufwendig aufgearbeitet werden müssen, sammelt die Oberkirchen-Gemeinde derzeit Spenden.

Das Bild "Die Werke der Barmherzigkeit - die Fremdlinge beherbergen", soll restauriert werden. Foto: Verein Oberkirche
Das Bild „Die Werke der Barmherzigkeit – die Fremdlinge beherbergen“, soll restauriert werden. Foto: Verein Oberkirche

 

Eingelagert sind derzeit die Brüstungsbilder des historischen Adelsstandes in der Oberkirche. Das Fachwerk und ein Teil der Bilder wird in den nächsten Monaten restauriert und gesichert. Das Geld reicht jedoch nicht für die Aufarbeitung aller Bilder.

 

Daher sammelt die Gemeinde derzeit Geld. Zumal ihr wichtig ist, dass wieder alle Bilder zu sehen sind. Stellen sie doch Szenen dar, die im heutigen Leben ebenso Relevanz haben.

 

Brüstungsbilder regen zu Diskussionen an

 

Für Oliver Bötefür hat das Bild „Die Werke der Barmherzigkeit – die Fremdlinge beherbergen“ eine besondere Bedeutung. Es bezieht sich wie alle hölzernen Brüstungsbilder, die in der unteren Reihe angebracht sind, auf Kapitel 25 des Matthäus-Evangeliums.

 

„Auch ich war schon mehrfach in meinem Leben fremd und fand in dieser Zeit Leute, die mich bereitwillig in ihren Kreis aufnahmen, mir eine Wohnung verschafften“, so Bötefür. Zu Studentenzeiten sei das so gewesen, aber auch später noch. In der Regel waren kirchliche Institutionen seine erste Anlaufstelle. Die Freundlichkeit, die er dort erlebte, gibt er heute gern weiter. Die Kirche schütze Fremde, die in Not sind. Und sie schaffe Menschen ein Umfeld, dass es ihnen ermöglicht, in der Fremde Fuß zu fassen. Natürlich werde das Thema, ob man Fremde aufnehmen oder ablehnen sollte, mitunter auch in christlichen Kreisen kontrovers diskutiert. Ein Bild wie „Die Fremdlinge beherbergen“ rege daher immer auch dazu an, sich mit dieser Diskussion auseinanderzusetzen, sich selber zu Fragen, wie man zum Thema Integration steht.

 

Bötefür hat für sich selbst eine klare Antwort: Wer Hilfe benötigt, bekommt sie auch. Das gelte im Kleinen – etwa Touristen, die vom Weg abgekommen sind – ebenso wie im Großen – wenn Flüchtlinge eine neue Heimat suchen.

 

Bereut habe er diese Weltsicht bis heute noch nie, erklärt er. „Für mich bedeutet Christ sein auch, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und Menschen Hilfe anzubieten, wenn sie diese benötigen. Gehe ich auf Menschen zu, bekomme ich auch etwas zurück. Fremden beizustehen bringt mir also auch etwas“, ist Oliver Bötefür überzeugt.

 

Britt Mandler / 03.05.14 / TA