Presse: Jahrhundertealter Bauschutt in Kreuzgang der Oberkirche gefunden

Thüringer Allgemeine vom 29.04.2014

 

Arnstadt (Ilmkreis). Bei Bauarbeiten fand man in der Oberkirche mehrere Bodenschichten. Ein Archäologe untersuchte die Fundstelle.

Die Arbeiten in der Arnstädter Oberkirche hat Grabungstechniker Frank Jelitzki vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie übernommen. Er zeigt auf die Ablagerungsschichten an der Grabungsstelle. Foto: Michael Keller
Die Arbeiten in der Arnstädter Oberkirche hat Grabungstechniker Frank Jelitzki vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie übernommen. Er zeigt auf die Ablagerungsschichten an der Grabungsstelle. Foto: Michael Keller

Wohin mit dem Bauschutt? Die Frage könnte aus dem Heute stammen, aber auch schon Hunderte Jahre alt sein. Auf eine unkonventionelle Art der Bauschuttablagerung stießen in diesen Tagen Bauarbeiter in der Oberkirche. Als man daran ging, den Übergang vom nördlichen zum westlichen Kreuzgang freizulegen, stieß man auf mehrere Bodenschichten, die, jede für sich, eine Geschichte erzählen kann.

 

2006 wurde mit den Sanierungsarbeiten des Gotteshauses begonnen. 2017 soll das Projekt fertiggestellt werden. Nächstes Jahr soll der Kreuzgang statisch stabil stehen. Dazu wurden massive Stahlträger eingezogen, die die Kreuzgangmauern halten, die umzufallen drohten. Im Zuge dieser Arbeiten wurde auch begonnen, eine Verbindung von der Kirche zum benachbarten Stadtkirchenamt herzustellen. Der Grund: „Wir wollen die Oberkirche künftig multifunktional nutzen. Da aber die dazu nötigen sanitären Einrichtungen extern untergebracht werden müssen, wird nun ein Durchbruch hergestellt“, erzählt Oliver Bötefür, der Projektbeauftragte. Als dazu eine Treppe eingebaut werden sollte, traten bei den Schachtarbeiten plötzlich diese verschiedenen Wandschichten zu Tage. Ein Fall für einen Archäologen.

 

Der rückte gestern eigens aus Weimar an. Frank Jelitzki ist beim Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie in der Goethestadt als Grabungstechniker angestellt. Was er fand, waren mehrere Schichten. Identifiziert als Bauschutt, der dort in den Kreuzgang gekippt wurde, als man nicht mehr wusste, wohin damit. Schon damals sei es teuer gewesen, diese Reste zu entsorgen. Also griff man zum einfachsten Mittel. Jelitzki fand drei Nutzschichten. Sprich: auf eine Lage Schutt wurde jeweils Estrich aufgebracht. Und das drei Mal. Der älteste Schutt könnte, so Bötefürs Vermutung, vom großen Stadtbrand 1581 stammen. Keramik, Knochen. Ziegel, Schiefer – die Fundstücke werden mit der Stadtchronik abgeglichen. „Hier könnten 300 Jahre, wenn nicht gar 500 Jahre Stadtgeschichte auf zwei Metern Höhe verteilt vor uns liegen“, sagt Bötefür. Der Archäologe pflichtet ihm nickend bei.

 

Michael Keller / 29.04.14 / TA