Presse: Arnstadt im Advent-Rausch

Freies Wort/inSüdthüringen.de vom 2.12.2013

 

Vielmehr als nur Bach steckt im Bach-Advent in Arnstadt. Das Großereignis lebt von vielen engagierten Bürgern und Vereinen.

Von Berit Richter

 

Arnstadt – Samstagnachmittag in der Arnstädter Innerstadt. Längst hat sich die Dunkelheit über die historischen Gassen gesenkt. Doch überall leuchtet es einladend. Rot angestrahlte Türen und Tore weisen dem Besucher den Weg. Es ist wieder Bach-Advent und viele machen mit.

 

In der Oberkirche ist längst kein Durchkommen mehr. Als Pfarrer Thomas Kratzer verkünden muss, dass sich das Konzert des Handglockenchores Gotha verspätet, weil die die Schirmherrin noch fehlt, hört man vereinzelte Buhrufe. So ungeduldig wartet das Publikum auf den Auftritt, der längst zum festen Bestandteil des Bach-Advents gehört. Selbst Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hat derweil Probleme, sich durch die Massen zu schieben, um ihr kurzes Grußwort zu halten.

 

„Ich sehe mit großer Freude, wie viele Menschen gekommen sind“, sagt sie und dass so ein Ereignis „die Stadt zusammenschweißt und das Interesse der Bürgerschaft zeigt.“ Die Idee, Häuser und Höfe für die Besucher zu öffnen, wird in Arnstadt schon seit Jahren mit „Künste in Haus und Hof“ erfolgreich praktiziert. Doch was den Bach-Advent zu etwas ganz Besonderem macht: Hier kommt das Engagement aus der Bevölkerung. Es ist der kleine Verein Stadtkern, der nun zum vierten Mal das dreitägige Fest rund um die drei Innenstadtkirchen stemmt. Er ist stets offen für neue Wege und schafft es, die Menschen einzubinden. 6500 Euro zur Durchführung der Veranstaltung wurden via Crowdfunding im Internet gesammelt. Auch Künstler suchte man auf diesem Weg.

 

Selbst in Sachen Kreativität band man die Arnstädter mit ein. Nach umstrickten Bollern und Bommelnoten für Bach waren diese dieses Jahr aufgerufen, originelle Stühle auf dem Marktplatz zu stellen. Umhäkelt, umstrickt, bemalt. Da gibt es das witzige „Setzei“ und immer wieder weihnachtliche Motive.

 

In der Oberkirche haben die Künstler mittlerweile ihre Glocken aus der Hand gelegt und beantworten geduldig die Fragen der Neugierigen. „Mindestens zwei maximal acht Glocken läutet ein Spieler“, erzählt Martin Hesse und dass es für diejenigen, welche die großen, tiefen Glocken spielen, mehr auf die Kraft ankommt, während er und Sarah Schmidt mit den höher klingenden Glocken besonders Wert auf Schnelligkeit legen müssen. „Vor so vielen Zuschauern zu spielen, ist auch für uns etwas besonders“, verrät die junge Frau noch. Langsam leert sich das Gotteshaus wieder etwas und der Blick auf den Kunst- und Handwerkermarkt wird frei. Den gibt es schon zum siebenten Mal, längst ist er erfolgreich in den Bach-Advent integriert. „Wir hatten diesmal 20 Händler, das war doch weniger als sonst, aber es war gut“, sagt Organisatorin Ruth Zein. Keramik, Papier, Schmuck, vieles konnte sie wieder dem schau- und kaufwilligen Publikum präsentieren.

 

Das drängt weiter, zu einer der zahlreichen rot erleuchteten Türen. Unmöglich alles aufzusuchen, noch unmöglicher alles aufzuzählen. Es sind viele, die an diesem und nächsten Tag zum Verweilen einladen. Liebevoll geschmückte Keller und Höfe, ein Glühwein dort, eine warme Suppe zur Stärkung da – und immer wieder Kunst. Kunst, die so viel mehr ist als Johann Sebastian Bach. Da gibt es Poetry Slam und Blechbläser, Lesungen und Kabarett, Programme von und für Kinder, Klassisches und Modernes, alte Bekannte und neue Geheimtipps und, und, und. Am Abend dann das große Konzert „Bachkirche unplugged“ mit über 70 der besten Thüringer Rock- und Popmusiker.

 

Schon zwei Stunden vorher ist der Marktplatz gut gefüllt mit erwartungsvollen Besuchern. Nicht nur Kinder staunen, als Andrea vom Stelzentheater Leonhardt in ihr Schneeköniginnen-Kostüm schlüpft. Rund 30 Kilogramm schleppt die junge Frau da mit sich – scheinbar mühelos auf Stelzen. Irgendwo im Gedränge ertönt eine Stimme der Bach-Advent-Organisatoren, weist auf Komendes hin. Sie sei sicher, man werde weiterhin viel miteinander erleben und genießen können, sagt sie. Kein Zweifel Der Arnstädter Bach-Advent ist längst zu einem Bach-Event geworden.