Presse: Wiedereröffnung der Arnstädter Oberkirche auf stilvolle Weise

Thüringer Allgemeine vom 10.09.2013

In der Arnstädter Oberkirche wurde die restaurierte Taufschale präsentiert. Die Mitglieder des Kirchenrates Oliver Bötefür, Irene Eisenhardt und Sigmunde Munsche (von links) freuen sich über die Rückkehr der Taufschale. Foto: Christoph Vogel
In der Arnstädter Oberkirche wurde die restaurierte Taufschale präsentiert. Die Mitglieder des Kirchenrates Oliver Bötefür, Irene Eisenhardt und Sigmunde Munsche (von links) freuen sich über die Rückkehr der Taufschale. Foto: Christoph Vogel

Arnstadt (Ilmkreis). Ehrwürdige Klosterkirche wurde musikalisch gefeiert. Restaurierung soll bis zum Lutherjahr 2017 abgeschlossen sein.

 

Wie es der ehrwürdigen, noch aus der Frühgotik stammenden ehemaligen Klosterkirche der Franziskaner gebührt, wurde am Vorabend des „Tag des Denkmals“ die Wiedereröffnung der Oberkirche, auch als Konzertraum, auf stilvolle Weise gefeiert. Wie hätte es besser geschehen können als durch ein klassisches Kammermusik-Ensemble?

 

Das „Ensemble Piu“ trat in der relativ seltenen Form eines durch die Oboe verstärkten Streichtrios auf. Die vier Musiker aus dem Ruhrgebiet sind sämtlich Orchestermusiker, die sich vor 16 Jahren zur Pflege gemeinsamer Kammermusik zusammenfanden. Aber auch privat und familiär sind sie eng verbandelt. Angesichts dieser langjährigen Verbundenheit war es kein Wunder, dass die vier „Kohlenpöttler“ perfekt aufspielten.

 

Frühromanik, Klassik und fast ein bisschen Folk

An diesem Abend, der leider vom Publikum nur recht spärlich besucht war, erklang Musik der Klassik und Romantik. Es begann mit dem dritten Oboenquartett C-Dur des Kasseler Komponisten Louis Massonneau. Darauf folgte die sympathische wie unvermeidliche Verbeugung vor Johann Sebastian Bach mit dessen Fuge dis-Moll in der von Mozart um ein Eingangs-Adagio ergänzten Bearbeitung. Bei den anschließenden vier keltischen Liedern des Iren Swan Hennessy, bei denen der Oboist zum Englischhorn griff, dem Alt-Instrument der Oboenfamilie, ging es dann fast folkloristisch zu. Nach der Pause setzte sich das Programm in der gleichen makellosen Bearbeitung von Werken der Frühromantik und Klassik bis zu einer Zugabe fort.

 

Am Sonntagmorgen bot sich für Presse und zahlreich erschienenes Publikum die erfreuliche Gelegenheit, sich über den neuesten Stand der Restaurierung der Oberkirche aus erster Hand vom Büro für Stadtentwicklung und den Restauratoren zu informieren. Das Erfreuliche: die Restaurierung im Großen und Ganzen wird bis zum Lutherjahr 2017, dem 500. Jahrestag der Thesenanschläge in Wittenberg, abgeschlossen sein. Bis dahin wird die stolze Summe von zwei Millionen Euro verbraucht sein. Wesentliches ist bereits geschafft, so dass die Oberkirche jetzt wieder besichtigt werden kann.

 

Nach der Sanierung des Daches und der Wände, der überwiegenden Restaurierung des Altares und der Taufe steht als nächste Aufgabe die Wiederherstellung des Adelstandes im Chorraum links auf der Tagesordnung, aber auch die Vervollständigung von Altar und Taufe. Für diese Feinarbeiten an den zahlreichen Figuren werden dringend weitere Spenden erbeten, ebenso für die Restaurierung der biblischen Gemälde.

 

Was die künftige Nutzung der Oberkirche angeht, wurde zu Recht betont, dass die Kirchengemeinde weder jetzt noch in der Vergangenheit drei Kirchen für die Gottesdienste benötigt (hat). Unter diesen Umständen ist immer eine der drei Kirchen vernachlässigt worden. Um diesen Jahrhunderte alten Teufelskreis einmal zu unterbrechen, ist ein schlüssiges Konzept für die Oberkirche dringend nötig.

 

Nach derzeitiger Planung ist eine gemischte Nutzung vorgesehen, wobei der vordere Bereich vor der Taufe als sakraler Raum, auch für Gottesdienste, gedacht ist, während der hintere Bereich multifunktional kirchenkompatiblen kulturellen Zwecken dienen soll. Apropos Kultur: das nächste Konzert in der Oberkirche findet bereits am 21. September, 19 Uhr, statt. Das Duo Katjusha Kozubek & Viktor Maximov wird solch feine Weltmusik präsentieren.

Klaus Ehring / 10.09.13 / TA