Presse: Arnstädter Oberkirche ist wieder für Besucher erlebbar

Thüringer Allgemeine vom 3.8.2013

Der Altar ist zum teil noch verhüllt. Die Nordwand mit dem historischen Medaillon ist aber fertig saniert, freut sich Oliver Bötefür. Foto: Christoph Vogel
Der Altar ist zum teil noch verhüllt. Die Nordwand mit dem historischen Medaillon ist aber fertig saniert, freut sich Oliver Bötefür. Foto: Christoph Vogel

 

Arnstadt (Ilmkreis). Denkmalschützer machen alte Bemalungen an der Nordwand wieder sichtbar. Innenraumsanierung geht weiter.

 

 

Eine dicke Staubschicht liegt auf der Orgelempore der Oberkirche. Auch hinter dem sorgsam verhüllten Instrument knirscht der Schmutz unter den Schuhsohlen. Eine Etage tiefer jedoch, im Kirchenschiff, präsentiert sich ein gänzlich anderes Bild. „Hier haben die Mitglieder des Vereins Oberkirche am Donnerstagabend kräftig angepackt“, sagt Oliver Bötefür. Er ist nicht nur selber im Verein, sondern auch im Gemeindekirchenrat und im Bauausschuss und begleitet die Sanierung des Gotteshauses seit Jahren.

 

Erst Mitte dieser Woche fielen die Baugerüste an der Nordwand. Gestern Abend fand bereits das erste Konzert im Kirchenschiff statt. „Die Oberkirche kann ab sofort samstags und sonntags wieder besichtigt werden“, kündigte Bötefür an. Auch größere Veranstaltungen wie der Bachadvent sind nun wieder möglich, freut er sich.

 

Seit 2007 wird an der Kirche und dem benachbarten Kloster gewerkelt. Das Dach ist bereits repariert, auch Statikprobleme, die bei früheren Umbauarbeiten entstanden sind, wurden behoben. „Bis auf die äußere Nordwand ist die Gebäudehülle in Schuss“, weiß Bötefür. Parallel dazu wird Abschnitt für Abschnitt der Innenraum restauriert. Die Südwand kam im vergangenen Jahr in die Kur, nun wurde der Bauabschnitt an der Nordwand vollendet. Stolz zeigt Bötefür auf ein Medaillon, das neben der Orgelempore auf die Wand aufgemalt wurde. Es stammt aus der Zeit der Franziskaner und zeigt einen Apostel. Welchen, versuchen derzeit die Denkmalschützer herauszufinden. „Solche Medaillons gab es zwischen allen Fenstern der Nordwand“, erklärt das Gemeindekirchenratsmitglied. Einige sind so schlecht erhalten, dass die Reste gegen weiteren Verfall gesichert wurden. Sie sind nun zum Teil überputzt, zum Teil werden auch Epitaphen davor gehängt.

 

Der Apostel an der Empore aber kommt nun wieder richtig gut zur Geltung. Wenige Meter daneben haben die Restauratoren noch eine andere Besonderheit wieder sichtbar gemacht: Wandkrakeleien. Hinterlassen haben sie wohl die Franziskaner. Die Schriftzeichen werden wohl mit einer Plexiglasplatte geschützt, damit nicht neue Schmierereien dazukommen.

 

Obwohl die Oberkirche vorerst wieder genutzt werden kann, bleibt sie in den nächsten Jahren eine Baustelle. Die Altarwand und die Orgel müssen noch in die Kur, ebenso die historischen Emporen. Allein, um die Taufe zu restaurieren, müssen 67″000 Euro aufgebracht werden. Für den aktuellen Bauabschnitt fehlen noch 12″500 Euro. Fließen diese, kann die Krone wieder aufgesetzt werden. Dann werden auch die historischen Figuren wieder aufgestellt. Als nächstes Projekt wird der Stand der Katharina von Nassau restauriert. Auch hierfür sind Spendengelder nötig, obwohl aus vielen Fördertöpfen Geld für die Kirchensanierung fließt, so Bötefür. Obwohl es nur Schritt für Schritt voran geht, ist der Arnstädter aber zuversichtlich, dass die Oberkirche 2017 wieder in voller Pracht erstrahlt.

 

Schon in drei Jahren wird der Kreuzgang des einstigen Klosters wieder erlebbar sein. Die Gemeinde hat gerade die Bauaufträge vergeben, so dass in Kürze mit der Wiederherstellung begonnen werden kann. Dazu muss ein Teil des Innenhofs ausgeschachtet werden. Geplant ist, historische Fenster und Türen wieder freizulegen und die Mauer mit einem neuen Stahlkorsett zu sichern, so dass die sperrigen Holzgerüste, die die Wand seit Jahren stützen, verschwinden können. Außerdem wird ein Durchgang zum Pfarrhaus geschaffen.

Britt Mandler / 03.08.13 / TA