Presse: Musikstudenten spielten in der Oberkirche von Arnstadt

Thüringer Allgemeine vom 27.08.2012

 

Mit einem Kammermusikprogramm begeisterten Studenten im Rahmen der „Sommerakademie Böhlen“ in der Arnstädter Oberkirche. Foto: Michael Baar

Im letzten Jahr fast noch ein Geheimtipp, bewiesen die zahlreich erschienenen Besucher, dass sich herumgesprochen hat, dass die Gastkonzerte der alljährlichen „Internationalen Kammermusikwoche Böhlen“ für den Musikfreund ein absolutes Muss sind. Auch in diesem Jahr bewiesen die Musik-Studierenden aus aller Welt am Freitagabend höchstes Niveau.

Arnstadt. Obwohl die auf 10 Tage ausgedehnte Kammermusikwoche eigentlich das Klavier als Angelpunkt hat, das in der Oberkirche nicht verfügbar ist, haben die Studierenden scheinbar mühelos ein Kammermusikprogramm zusammengestellt, das mit Streichern und Klarinetten auskam und die vorgestellten Werke aus Klassik, Romantik und Moderne und den wunderbaren Klangraum der Oberkirche filigran ausleuchtete. Ein großartiger Anfang war das heiter-beschwingte „Divertimento Nr. 3“ von Mozart für drei Klarinetten. Äußerst gegensätzlich wirkte danach das schwermütige „Tranquillo conmoto“ aus dem „Trio für Violine, Viola und Violoncello“ des relativ unbekannten jüdischen Komponisten Hans Gal in einer deutschen Uraufführung. Aus dem religiös motivierten „Quartett auf das Ende der Zeit“ von Olivier Messiaen wurde das berühmte Klarinettensolo des dritten Satzes „Abgrund der Vögel“ ausdrucksvoll vorgetragen. Der erste Teil schloss mit einer großartigen Interpretation des düster-leidenschaftlichen „Andante conmoto“ aus dem Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“ von Franz Schubert.

Nach der Pause und einem Gläschen Wein wurde wiederum ein ziemlich unbekannter moderner Komponist vorgestellt: Johan Halvorsen mit seiner heiter-ironischen „Passacaglia für Violine und Violoncello, frei nach Händel“. Nach dem Adagio und dem Allegro vivace aus dem Streichquartett Nr. 2 a-Moll von Mendelssohn-Bartholdy folgte zum Abschluss die fulminante Rückkehr zur Wiener Klassik: Unter der Leitung von Prof. Manuel Fischer-Dieskau gab das Streicherensemble eine brillante Version des „Konzertes für Violoncello und Orchester C-Dur“ von Joseph Haydn zum Besten.

Ein absoluter Höhepunkt der Konzertreihe in der Oberkirche, dem schon am Mittwoch, dem 5. September, mit dem Konzert „canta d’elysio“ mit ehemaligen Sängern des Dresdner Kreuzchores ein weiterer Höhepunkt folgen dürfte.

Klaus Ehring / 27.08.12 / TA