Presse: Im Juli ist der restaurierte Johannes noch unverhüllt zu sehen

TA vom 07.07.2012

Foto zum Artikel vom 7.7.2012
Restauratorin Mary Randhage mit der Johannes-Figur, bevor sie wieder auf dem Altar in Arnstadts Oberkirche Platz fand. Foto: Christoph Vogel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Gespräch mit Pfarrerin Mechthild Latzel über den jüngsten Sanierungsfortschritt an der Oberkirche in Arnstadt.

 

Seit einer Woche ist die restaurierte Johannes-Figur in den Altar der Oberkirche zurückgekehrt. Was bedeutet das für die Restaurierung?

Wenn man es allein an der Dimension der Arbeit bemisst, dann ist es eine Figur von insgesamt 33, die aus dem Altar ausgebaut wurden und auf ihre Restaurierung warten. Aber natürlich ist die Johannes-Figur theologisch-historisch eine wichtige. Denn sie gehört zu den vier Evangelisten, die ja die Kernbotschaft der Bibel verkündet haben.

 

Sind alle Vier bereits fertig?

Nein. Markus, Lukas und Johannes sind jetzt restauriert, Der Matthäus steht unverändert und wartet auf seinen Tag, an dem er solches Glück hat wie die Johannesfigur.

 

Was meinen Sie damit?

Die Figuren sind mit Unterstützung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz aufgearbeitet worden. Der Johannes hatte jedoch einen Einzelspender, den wir demnächst begrüßen dürfen. Wir freuen uns schon darauf, uns bei ihm zu bedanken.

 

Kann man solche Arbeiten als Einzelner denn bezahlen?

Das sind schon immense Summen. Bei einer Altarfigur bewegt sich das in der Dimension von 6000 Euro. Die Restaurierung der Tauffiguren liegt zwischen 1800 und 3000 Euro.

 

Wie kann ich erfahren, welche Figuren noch Restaurierungsbedarf haben?

Wir wollen jetzt mit der Restauratorin Anette Borloch einmal eine Auflistung aller Figuren und Details machen, auch solcher, die bereits ausgebaut sind. Da kommen sicher viele Einzelpositionen zusammen, die wir dann auch nach und nach veröffentlichen werden.

 

Der Johannes hat als einziger der Evangelisten keinen Bart?

Diese Darstellung aus dem 17. Jahrhundert ist uns heute in ihrer Bedeutung teilweise schon wieder fremd. Johannes ist hier als der jüngste der vier Evangelisten dargestellt. Früher wurde er theologisch als Jesus Liebling angesehen, als „Jünger, den Jesus mochte“. Das wollte wohl Burchhard Röhl auch in seinem im Jahr 1641 geschaffenen und Ostern 1642 geweihten Hochaltar ausdrücken. Heute müssen wir solche Bildbotschaften schon wieder lesen lernen.

 

Wie geht es mit den Restaurierungsarbeiten denn weiter?

Im August wird mit der Restaurierung der Wände begonnen. Zunächst ist die Südwand an der Reihe. Deshalb wird die Johannes-Figur wieder verhüllt.

 

Kann man sie denn derzeit zu den Öffnungszeiten sehen?

Samstags und sonntags ist die Oberkirche von 11 bis 15 Uhr zu besichtigen. Wer den Juli nutzt, der kann den Johannes noch unverhüllt sehen.

Michael Baar / 07.07.12 / TA