Presse: Arnstädter Oberkirche fehlen noch Eigenmittel – bis 2017 noch viel zu tun

Allgemeiner Anzeiger vom 14.01.2012

Arnstadt (ke) – 450.000 Euro fehlen der Oberkirche allein für die Renovierung des Innenraums. Da mag Oliver Bötefür vom Verein Oberkirche Arnstadt e.V. gar nicht an die 600.000 Euro denken, die für die Sanierung des Kreuzganges notwendig sind.

Eleonore Mühlbauer, Christoph Matschie und Angelika Greim-Harland (v.l.n.r.) betrachten einen Schatz der Oberkirchenbibliothek: Eine Wittenberger Bilderbibel aus dem Jahr 1576. Aus ihr stammen die Emporenbemalungen der Kirche.
© Foto: Kerstin Engelmann

Das größte Problem seien im Moment die Eigenmittel, beklagt Oliver Bötefür. Alle Programme, die über die Denkmalförderung möglich sind,  laufen bereits. Allerdings bereite es der Gemeinde trotz großer Spendenbereitschaft aus der Bevölkerung Probleme, die für die Erteilung der Bescheide notwendigen Eigenanteile aufzubringen. Zwar seien in den vergangenen Jahren 50.000 Euro allein im Rahmen von Veranstaltungen gespendet worden und obwohl die Kirche nur an den Wochenenden für wenige Stunden geöffnet ist, kamen 2011 allein durch Besucherspenden  4.000 Euro in den  Spendenkisten zusammen. Aber für die Vielzahl der notwendigen Investitionen müssen dringend zusätzliche Finanzierungsmöglichkeiten gefunden werden.

„Wir müssen prüfen, in wie weit wir die Gemeinde da unterstützen können“, sagte Thüringens Kultusminister Christoph Matschie am 13. Januar bei einem Besuch der Kirche. Auf seiner Tour durch den nördlichen Ilm-Kreis hatte er sich zuvor schon vom Klang der Bachorgel in der nahegelegenen Bachkirche beeindrucken lassen. In der Oberkirche machte er sich vor Ort ein Bild vom Fortgang der Sanierungsarbeiten. „Es gibt noch unheimlich viel zu tun. Aber es ist wichtig, solche Projekte voranzubringen“, so der Minister.

Seit wenigen Tagen liegen die Untersuchungsergebnisse für die Innenraumrestaurierung vor. Nun soll bald ein Arbeitskreis überlegen, was für die Innenraumgestaltung sinnvoll und vor allem auch machbar ist, erzählt Mechthild Latzel, die seit Dezember nicht nur mit einer halben Stelle als Pfarrerin in Arnstadt tätig ist, sondern sich auch um die Koordination  aller Vorgänge in der Oberkirche kümmert. Vermutlich müsse ein Kompromiss gefunden werden. Denn die Kirche hat nicht nur eine Geschichte als Franziskanerkirche sondern auch eine reformatorische. Da genau die an der Kirche ablesbare Geschichte den Reiz ausmache, sei die konsequente Wiederherstellung einer Fassung eines bestimmten Zeitpunktes nicht vorstellbar, so Latzel. „Die Kirche ist ein offenes Geschichtsbuch“, bestätigt Superintendentin Angelika Greim-Harland. Aber man müsse sich jetzt auch über die nachhaltige Nutzung des Gebäudes Gedanken machen. „Für Gottesdienste wird die Kirche nicht zwingend benötigt“, gibt Greim-Harland zu bedenken.

Bis zum Reformationsjubiläum im Jahr 2017 bleibt noch viel zu tun. Bis dahin soll die Innenraumgestaltung abgeschlossen sein und auch die meisten Kunstgüter nach Restaurierung und Sicherung wieder ihren Platz gefunden haben.

Und so gibt es auch immer wieder kleine Erfolgsmeldungen. Für fast alle Figuren der Taufe konnten inzwischen Spender für deren Restaurierung gefunden werden. „Für die vorletzte der Figuren erklärte sich die SPD-Landtagsabgeordnete Eleonore Mühlbauer bereit, mit 800 Euro die Hälfte der Kosten zu übernehmen“, verkündete Oliver Bötefür.

Artikel vom 14.01.2012