Presse: Zeugnis für das Wirken Arnstädter Künstler und Bürger

Deutsche Stiftung Denkmalschutz,Donnerstag, 02. September 2010

 

Die Oberkirche in Arnstadt – Ein Förderprojekt der vor 25 Jahren gegründeten Deutschen Stiftung Denkmalschutz

In Arnstadt, einer der ältesten deutschen Städte, entstand im 13. Jahrhundert ein Franziskanerkloster. Nach Reformation und Aufhebung des Konvents nutzten die Bürger den großen schlichten Kirchenbau als Stadtkirche. Die geschlossen erhaltene Innenausstattung stammt aus dem späten 16. und frühen 17. Jahrhundert und legt Zeugnis ab für das hervorragende Wirken Arnstädter Künstler und Bürger, etwa des Bildhauers Burkhardt Röhl. Die Ausgestaltung wurde jedoch stark in Mitleidenschaft gezogen durch eine undichte, schließlich die Holzkonstruktion schädigende Dachdeckung, durch Hausschwamm- und Anobienbefall. Weitere Schäden waren an der Natursteinfassade am Mauerwerk, den Gesimsen und der Verfugung feststellbar. Die Instandsetzung des Außenbaues erfolgte in Abschnitten. Zunächst wurden der Pilz und die Schädlinge bekämpft, 2008 begann dann die Dachsanierung. Dabei stellte die DSD die für die Beantragung von Bundesmitteln notwendigen Eigenmittel als Komplementärmittel zur Verfügung.

In einer 704 in Würzburg ausgestellten Urkunde wird erstmals auch die Siedlung Arnstadt am Fuße des Thüringer Waldes erwähnt. Sie gehört damit zu den ältesten deutschen Städten und geht vermutlich auf einen bereits in vorgeschichtlicher Zeit genutzten Siedlungsplatz zurück. 1266 erhielt der Ort das Stadtrecht. Wenige Jahre zuvor hatten Franziskaner in Arnstadt ein Kloster gegründet, für das eine einschiffige gotische Saalkirche errichtet wurde. Der 60 mal 11 Meter große, für die Franziskaner typische schlichte Rechteckbau entstand unter einem durchgehenden hohen Satteldach in einer Kombination von steinsichtigem Werkstein und Bruchstein. Die gerade Ostwand gliedern drei hohe Spitzbogenfenster. Nord- und Südwand werden durch zweibahnige Fenster aufgebrochen, in der Westwand befindet sich das gestufte, auf 1588 datierte Hauptportal. Die Ecken der Ostwand stützen vierfach abgetreppte Strebepfeiler. An der Nordseite erhebt sich der 1461 erbaute Glockenturm, der von einer Welschen Haube aus dem Jahr 1746 bekrönt wird.

Nach Einzug der Reformation und Aufhebung des Konvents 1538 sowie nach einem Stadtbrand 1581 diente der Bau als Hauptkirche der Stadt und war Hauskirche der Grafen von Schwarzburg-Arnstadt.

Der Innenraum wird durch die Fenster der Nordseite und die Dachhäuschen der verputzten Holztonne beleuchtet. Die Fenster der Südseite sind mit Ausnahme zweier Chorfenster geschlossen, da hier die Klausurgebäude angrenzten. Aus der Zeit des späten 16. und der ersten Hälfte 17. Jahrhunderts stammt die geschlossen erhaltene Innenausstattung. Sie ist Zeugnis für das Wirken Arnstädter Künstler und Bürger, so beispielsweise des Bildhauers Burkhardt Röhl. Die gewölbte, bemalte Innendecke besteht aus Holz. Sie stammt ursprünglich aus dem Jahr 1725, wurde jedoch im 19. Jahrhundert überarbeitet. Zweigeschossige Emporen und Kirchenstände aus dem 16. und beginnenden 18. Jahrhundert umlaufen den Raum. An der Südwand befindet sich die Fürstenloge von 1595 und die aus der selben Zeit stammende Loge der Gräfin Katharina. Die reich gestalteten Logen sind mit Säulen, Architraven, floralen Ornamenten und Löwenköpfen verziert. Brüstungsfelder und Wappenschilder sind aufwendig farbig bemalt. An der Südwand befinden sich zweigeschossige Emporen aus der Mitte des 17. Jahrhunderts, deren Brüstungsfelder mit Szenen aus der Bibel bemalt sind. Die Orgelempore stammt aus dem Jahr 1624.

Zum Teil sind die ehemaligen Klostergebäude noch erhalten. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts war hier die gräfliche Erziehungsanstalt untergebracht. Danach zog 1589 die Städtische Schule ein und nutzte für ihre Gebäude auch Reste des einstigen Refektoriums und des Kreuzgangs aus dem 13. und 15 Jahrhundert. Die Reste davon sind an den Schulgebäuden noch zu erkennen und erinnern an die schlichten Bauten der Franziskaner, die die heute reich ausgestattete Kirche kaum wiedererkennen würden.

Durch zweckgebundene Spenden der Arno- und Oswald-Herzer-Stiftung und einen Spendenaufruf in Monumente, dem Förderer-Magazin der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, konnten nach dem Kampf gegen den Schwammbefall für die Instandsetzung des Bauwerks und die Restaurierung der Ausstattung weitere Mittel von Bund, Land, Landeskirche und Kirchengemeinde eingesetzt werden.