Gebäude

 

Ein schlichter Bau von hoher Authentizität

 

Die Oberkirche in Arnstadt ist ein schlichter, einschiffiger Bau eines Franziskanerklosters aus dem 13. Jahrhundert, auf einer Anhöhe am südlichen Rand der Arnstädter Altstadt errichtet. Der Innenraum misst 60 auf 11 Meter, die Decke ist als Holztonne ausgeführt und stammt aus dem 18. Jahrhundert. Die Kirche war ursprünglich turmlos. Im 15. Jahrhundert wurde der Turm errichtet, der seitdem die 60 cm überhängende, mächtige Nordwand des Gebäudes abstützt. Teile des Kreuzganges sind noch erhalten, jedoch sanierungsbedürftig. Weitere Gebäude des Klosters dienen heute der evangelisch-lutherischen Kirchgemeinde Arnstadt als Diensträume, Wohnung und Gemeindezentrum.

Der Innenraum ist vor allem durch den großen frühbarocken Altar, die Fürstenstände und Emporen und das Taufbecken geprägt, welche allesamt aus dem 17. Jahrhundert stammen. Der ursprüngliche, als Tryptichon und Klappaltar ausgeführte frühgotische Altar der Franziskaner steht seit dieser Zeit in der Arnstädter Liebfrauenkirche. Zahlreiche Gemälde aus derselben Zeit zeigen biblische Szenen und schmücken die Ballustraden der Emporen.

Das Foto zeigt den Zustand der Kirche bis kurz nach dem zweiten Weltkrieg. Sanierungsrückstand und eindringender Regen führten in den sechziger und siebziger Jahren zu starkem Verfall der Innenausstattung. Der nördliche Adelsstand (rechts im Bild) sowie die Kanzel waren ausgebaut und eingelagert, ebenso die Figuren des Taufbeckens. Mittlerweile können Sie wieder an ursprünglicher Stelle besichtigt werden. Die Orgel aus der Gründerzeit ist nicht mehr funktionstüchtig.

In der Oberkirche ist die Atmosphäre des Franziskanerklosters noch ebenso spürbar wie das Jahrhundert nach der Reformation. Dass die Kirche im Wesentlichen seit dem 18. Jahrhundert nicht umgestaltet wurde, verleiht ihr eine besondere Authentizität.

Die notwendige Sanierung der Bausubstanz soll bis zum Reformationsjahr 2017 angeschlossen sein.

 

Ausstattung der Kirche

An der Nordwand befinden sich die Ostern 1625 geweihte Kanzel sowie der um 1590 geschaffene Adelsstand. Im Altarraum finden sich an der Nordwand die über den Grabsteinen angebrachten Epitaphe (vlnr.):

  • Epitaph für D. Nicolaus Scheller, Schwarzburgischer Rat ((1581);
  • dreiflügeliges Altarretabel, das die Gräfin Katharina 1594 aus dem Inventar des Schlosses Neideck in die Kirche gestiftet hat. Durch das Gemälde des niederländischen Malers Frans Floris ( 1572) ist es wohl das bedeutendste Kunstwerk der Oberkirche. Eine zugefügte Gedenktafel erinnert an Graf Günther XLI.;
  • Epitaph für Catharina Güttich (1628, 34 Jahre), Ehefrau des Kanzlers Johann Caspar Güttich (gestaltet von Burchard Röhl, Arnstadt 1629).

Unter den Epitaphen sind folgende im Jahre 1900 aufgestellte Grabsteine zu sehen (vlnr.):

  • Katharina von Witzleben (1501),
  • Kanzler Dr. Andreas Gerhard, Schwarzburgischer Rat (1623),
  • Sophia Elisabeth Tentzel (1694),
  • Kinder des Superintendenten Tentzel (1685),
  • Superintendent Dr. Jacob Tentzel (1673),
  • Obristleutnant Hartenack Christian v. Wangelin auf Vilis Braunschweig-Lüneburg (1678),
  • Utha von Schwarzburg (1346),
  • Grabplatte vermutlich eines Ritters von Witzleben  (1520).

 

Vor der Ostwand steht der 1641 von Burchard Röhl (Arnstadt) geschaffene und Ostern 1642 geweihte Hochaltar, der von Graf Günther XLII. gestiftet wurde. Der Altar besteht aus insgesamt 33 Figuren und 6 Bildern. Ein Teil der Figuren ist zur Restaurierung ausgebaut. An der Wand hinter dem Altar befinden sich die folgenden Grabsteine und Epitaphe (vlnr.):

  • Kanzler Dr. Heinrich Schneidewein (1580), Cranach-Arbeit,
    Grabstein für Georg Fischer (1505), Darstellung der Gregormesse
    Grabstein für Georg Fischer (1505), Darstellung der Gregormesse
  • Grabstein für Georg Fischer (1505), Besitzer der Schmelzhütten (Am Kupferrasen, Arnstadt), Es ist der künstlerisch bedeutsamste Stein. Er stellt die „Gregorsmesse“ dar.,
  • Catharina (1492),
  • Kanzler Hieronymus Hedenus (1670), Lutherrose mit Bronzeplatte,
  • Epitaph Kanzler Hieronymus Hedenus (1670),
  • Epitaph Bürgermeister Erasmus Kilian, 1545 Bürgermeister (1576, auf dem Alten Friedhof bestattet), Auferstehungsbild: Auferstandener, Siegesfahne, schlafende Wächter unten Engel mit Wappen von Kilian; von Steinmetz Donath Fritzsch (Zeichen oben rechts).

 

An der Südwand schließen sich (vlnr.) die folgenden Epitaphe:

  • Epitaph Landrentmeister Christoph Kirchberger (1593), Schwarzburgischer Rat,
  • Epitaph Landrentmeister Ludwig Koch (1620), Schwarzburgischer Rat,
  • Epitaph Leo von Packmor (1583), Oberst unter Graf Günther dem Streitbaren (ausgelagert)

und darunter die Grabplatten:

  • Landrentmeister Ludwig Koch (1621),
  • Landrentmeister Christoph Kirchberger (1593),
  • Kanzler Johannes Börner (1587),
  • Ritter Rudolf von Hopfgarten (1529),
  • Leo von Packmor (1583)

an. Weiterhin ist ein Bildnis (um 1810) des Diakons Johann Carl Umbreit (1820) zu sehen. An der Südwand befinden sich auch die Zelebrantensitze, der Fürstenstand (um 1610-1620), der kleine Gräfinnenstand (1645) sowie die Emporen. Die Emporenmalerei entstand ca. 1600 nach der Vorlage von Holzschnitten einer 1547 brei Krafft (Wittenberg) gedruckten Bilderbibel.

 

Die Malerei an der Empore an der Westseite der Kirche zeigt Bilder aus der Kindheit Jesu. Wahrscheinlich sind es die ältesten der Kirche. Die in der Kirche noch vorhandene Orgel ist die 1902 von der Firma Sauer eingebaute. (Pfeifen derzeit überwiegend ausgebaut, Prospekt verhüllt).

 

Zur weiteren Ausstattung der Kirche gehören der von Burchard Röhl 1639 in Holz und Metall  geschaffene Taufstein sowie ein gotischer hölzerner Wandkruzifix (um 1350) und ein um 1630 ebenfalls von Burchard Röhl geschaffener Kruzifix, der seinen Standort auf der Altarstufe hatte. Verschiedene Gemälde von Geistlichen sowie Luther und Melanchton aus verschiedenen Zeiten sind z.Z. eingelagert, darunter Gemälde des Superintendenten Johann Gottfried Oleairius (1711) sowie zwei Gemälde (nach 1737) vom Hofmaler Gottfried Wunderlich.

 

(Quellen: Die Oberkirche zu Arnstadt, Oliver Bötefür 2008; Präsentation Oberkirche Arnstadt, Vorbereitung potenzieller Maßnahmen zum Reformationsjubiläum 2017, Lehrmann & Partner 2010; Chronik der Oberkirche, Zusammenstellung von Hans-Ulrich Orban, 2008)

 

Das sagt die Deutsche Stiftung Denkmalschutz