Presse: Swing, Celtic und Klezmer fesseln in der Oberkirche das Publikum

Thüringer Allgemeine am 16. Mai 2017

 
Das elegische Konzert der Erfurter „String Company“ spaltet aber die Zuhörer, da einige Tanzbares erwartet haben.

The String Company aus Erfurt reisten mit allen Spielarten von Swing und Folk an. Wirklich tanzbar waren ihre Stücke zur Enttäuschung einiger Zuschauer aber nicht. Foto: Kerstin Nonn The String Company aus Erfurt reisten mit allen Spielarten von Swing und Folk an. Wirklich tanzbar waren ihre Stücke zur Enttäuschung einiger Zuschauer aber nicht. Foto: Kerstin Nonn

 
Arnstadt. Im Vorfeld hatte die Erfurter Band unter anderem mit der Tanzbarkeit ihrer Musik geworben. Und so fanden sich auch etliche Tanzbegeisterte am Samstagabend in der Oberkirche ein, um statt des öden Einerleis des Eurovision Song Contests aufrüttelnde Musik zu erleben. Überdies hatte die „String Company“ ihre Musik mit Klezmer, Swing, Jazz, Celtic Folk und Gypsy Swing beschrieben, was in den Tanzbegeisterten weitere Vorlust weckte, in der kalten Oberkirche sich nicht nur mit Rotwein aufwärmen zu können.

 

Umso größer war bei diesem Teil des Publikums die Enttäuschung, denn von Tanzbarkeit konnte nicht die Rede sein. Zwar gab es die genannten Spielarten von Swing und Folk, aber sämtliche Musizierstile waren in einen elegischen Einheitsbrei gebettet. Nichts gegen Elegie, denn sie gehört nun einmal zum Leben und erst recht zum Klezmer, zu Irland und zur Zigeunermusik, sie ist aber nur eine Seite der Medaille. Schade, dass die Erfurter Band mit ihrem ansonsten makellosen Konzert nur die eine Seite der Musik zur Sprache brachte.

 

Diese elegische Seite brachten sie in einer Weise zum Vorschein, wie sie eleganter kaum hätte sein können. Das Unisono von Geige und Bratsche, der melodische Bass, die leicht swingende Gitarre und der keltisch angehauchte Gesang konnten einen fast in Trance versetzen. Auch über Vielseitigkeit der Stücke konnte man sich nicht beklagen, denn die Reise ging über Jobim und Django Reinhard über irische und skandinavische Folklore und ein Stück aus Usbekistan bis zu Gershwin.

 

Angesichts dieser elegant gezupften und getupften Musik, die mit viel Spielfreude daherkam, erntete die „String Company“ trotz des Stirnrunzelns der Tanzbegeisterten viel Applaus. Auch gelang es ihr, in einigen Swing- und Klezmer-Stücken die Zuhörer zu rhythmischem Mitklatschen zu bewegen. Unter diesen Umständen war der Schlussapplaus so gewaltig, dass die Erfurter sich sogar zu drei Zugaben bemüßigt sahen. Zwei dieser Zugaben waren klassische deutsche Volkslieder, die in der gleichen elegischen, leicht swingenden Tonlage erklangen. Es war ein wenig so, als sei die legendäre Folkloreband „Zupfgeigenhansel“ wieder auferstanden. In jedem Fall war es ein gelungener Abschluss eines elegischen Konzertabends.
 

Klaus Ehring / 16.05.17
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