Presse: Arnstadt und die Reformation – Martin Sladeczek und seine Mitstreiter füllen ein ganzes Jahr mit spannenden Veranstaltungen

Mein Anzeiger vom 12.02.2017

 

Wer Martin Sladeczek in diesen Tagen erreichen will, braucht Geduld und einen langen Atem. Der Historiker ist als Reformationsbeauftragter im Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau unterwegs und könnte im Reformationsjahr – um all seine Termine zu koordinieren – Rollschuhe gut gebrauchen.

 

Noch ist die Oberkirche eine Baustelle, doch der Fortschritt ist klar erkennbar. Zur Wiedereröffnung Ende Oktober wird der Innenraum komplett saniert sein. Altar, Orgel und Kreuzgang bedürfen weiterer Fördersummen. Wie durch ein Wunder überstand das Gotteshaus den 30-jährigen Krieg, beide Weltkriege und die DDR-Zeit.

Eines langen Atems bedurfte es schon damals – vor 500 Jahren, denn die Reformation war nicht in einem Tag vollbracht, wie Martin Sladeczek weiß: „Das war ein fließender gesamtgesellschaftlicher Prozess über Jahrzehnte, der auch nicht durch die Einzelperson Luther entschieden wurde.“
Sladeczeks Namensvetter wird gern als Frontmann der Reformation gefeiert. Im Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau betrachtet man das ein wenig differenzierter. Dort geht es dieses Jahr nicht nur um Luther und die Reformation, sondern speziell um Arnstadt und die Reformation. Martin Sladeczeks Auftrag lautet, gemeinsam mit seinen Mitstreitern aus Kirchenkreis und Schloss-museum ein Veranstaltungsprogramm zusammenzustellen und mit Leben zu füllen.

 

Ein Jahr mit Leben füllen

„Wir wollen nicht mit den großen Kirchentagen konkurrieren, sondern den Ort in den Mittelpunkt stellen“, erklärt der Erfurter. „Unter anderem arbeiten wir an einer Vortragsreihe über die Oberkirche, deren Geschichte überaus spannend ist. 1538 wurde das Franziskanerkloster aufgehoben, die Mönche verjagt. Das Bauwerk kündet bis heute davon.“ Auch ein Sammelband über die Kirche ist in Arbeit, für den Sladeczek derzeit fleißig Texte verfasst. Doch damit nicht genug: Der Historiker ist auch Kurator und eilt von Ort zu Ort, um Exponate für Ausstellungen zusammenzutragen.
Bis heute ist nicht jedem klar, weshalb das Bauwerk Oberkirche heißt. Viele führen den Namen auf die erhöhte topografische Lage auf dem Pfarrhof zurück, doch seit dem 18. Jahrhundert existiert eine fundierte Erklärung: Sie war die Kirche des Superintendenten, also die übergeordnete Kirche. Dort befanden sich die Stände des Adels und der Ratsherren.

 

Seit zehn Jahren wird die Kirche restauriert

Seit zehn Jahren wird die Oberkirche aufwändig saniert, restauriert und konserviert. Viele 

Ein Teil des wertvollen Gestühls in der Oberkirche Arnstadt.

Benefizkonzerte und Veranstaltungen organisierte der Oberkirchen-Verein seit 2007, um Geld zu sammeln. Zwischen vier und fünf Millionen Euro sind bislang investiert, darunter viele private Spenden. Und ein Ende ist noch nicht in Sicht.
Das sehen auch Martin Sladeczek und Mitglieder des Kirchenkreises realistisch: „Bis zur Wiedereröffnung am 29. Oktober wird die Kirche nicht fertig sein. Im Sommer soll der Fußboden repariert werden. Bevor die Kunstgüter in das Haus zurückkehren, muss es gereinigt werden. Es gibt noch viel zu tun.“

 

Projekt Zeitkapsel:
Wie wird die Kirche 2117 zum 600. Reformationsjubiläum aufgestellt sein? Menschen aus dem Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau sind aufgerufen, ihre Gedanken und Visionen aufzuschreiben. Diese werden gesammelt und in einer Zeitkapsel in der Oberkirche eingemauert, versehen mit einer Hinweistafel. Dieses Projekt zum Kirchentag 2017 steht unter dem Motto „Bleibt alles anders“.

 

Stimmen zur Kirchenarbeit in 100 Jahren

Martin Sladeczek, Historiker und Reformationsbeauftragter:
Die Grundhaltung zur Kirche in den Gemeinden ist fallend, so dass das individuelle Engagement steigen muss. Schwerpunkte werden nicht mehr auf Zentral-, sondern Regionalkirchen liegen.
Angelika Greim-Harland, Superintendentin Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau:
Kirchenarbeit wird viel netzwerkorientierter verlaufen, wir haben ja heute schon weniger als die Hälfte des Personals, das wir vor 20 Jahren hatten.
Oliver Bötefür, Stadtführer und Oberkirchen-Kenner aus Arnstadt:
Es wird alles freier sein. Ist die Gesellschaft freier, werden auch die Strukturen offener sein.

 

Hintergrund:
Auszug aus dem Programm zum Reformationsjubiläum im Kirchenkreis Arnstadt-Ilmenau
4. April: Eröffnung Wanderausstellung „Frauen der Reformation“, Oberkirche; 25. April Eröffnung in der Jakobuskirche Ilmenau
27. April: „Reformation hautnah – Die Reformation in Arnstadt“, Oberkirche. Weitere Vorträge aus dieser Reihe am 18. Mai, 1. und 15. Juni, 17. August, 21. September, 26. Oktober und 20. November 2017
2. Juni: Lesung aus Lutherbriefen, Schlossmuseum
15. Juni: Lutherstück für Kinder, Schlossmuseum
24. August: Diskussionsabend Arnstädter Perspektivwechsel, Oberkirche
9. September: Lautenmusik der Reformationszeit, Oberkirche
21. Oktober: Luther – das Kindermusical, Bachkirche
29. Oktober: Wiedereinweihung der Oberkirche
30. Oktober: Church Night, Oberkirche
31. Oktober: Reformationstag, Innenstadt und Kirchen
19. November: Literarisches und Musik aus Luthers Umfeld, Jakobuskirche Ilmenau
Außerdem sind szenische und thematische Stadtführungen in der Touristinformation Arnstadt buchbar.

www.oberkirche-arnstadt.de

 
Dieser Beitrag wurde unter Aktuell veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.