Presse: Ein unterhaltsamer Beitrag zum Reformationsjubiläum

Thüringer Allgemeine am 18.01.2017

 

Premiere für neue szenische Stadtführung „… und alles wegen Luther – Arnstadt im Umbruch“.

Landsknecht (Axel Kohl) und Marketenderin (Evelyn Günther) leiden unter den Folgen des 30-jährigen Krieges. Foto: Berit Richter Landsknecht (Axel Kohl) und Marketenderin (Evelyn Günther) leiden unter den Folgen des 30-jährigen Krieges. Foto: Berit Richter

 

Arnstadt. „…und alles wegen Luther“, sagt Magdalena von Heßberg, die letzte Nonne Arnstadts. Wegen der Reformation wurde das Benediktinerinnenkloster an der Liebfrauenkirche geschlossen, verloren ihre Mitschwestern Heim und Aufgabe, junge Frauen in Not einen Ort der Hilfe. Hier, so scheint es, ist man nicht gut auf den großen Reformator und seine Ideen zu sprechen.

 

Welche Folgen hatten Martin Luther und die Reformation denn aber nun noch so in Arnstadt? Dieser Frage spürt die neue szenische Stadtführung „…und alles wegen Luther – Arnstadt im Umbruch“ nach, die am Samstag Premiere feierte. „Wir wollen nicht aufzählen, was Martin Luther alles Großartiges geleistet hat, sondern vielmehr zeigen, welche Folgen die Reformation für Arnstadt hatte“, erklärte Oliver Bötefür.

 
 

In der Rolle des Johann Christoph Olearius führte er die Besucher durch Arnstadt. „Der Arnstädter Superintendent Olearius war ein Sammler vor dem Herrn“, so Bötefür weiter, dem es zu verdanken sei, dass in Arnstadt über 1100 Erstschriften Martin Luthers erhalten sind.

 

Die Idee zur Stadtführung mit schauspielerischen Szenen „hatten wir, als wir mit der Landrätin und dem Reformationsbeauftragten des Landes zusammensaßen und überlegten, was Arnstadts Beitrag zum Reformationsjubiläum sein könnte“, so Bötefür weiter. Das vom Kreis und der Sparkasse geförderte Projekt der szenischen Stadtführung wurde von Oliver Bötefür, Peter Schaaf und Evelyn Günther entwickelt. Weitere Darsteller fanden sich unter anderem in den Reihen des Jugendtheaters „Die Fäustchen“ und bei der „Kleine Bühne Arnstadt.“

 

Die Folgen der Reformation – die Schwarzburger Grafen und späteren Fürsten bekannten sich zum protestantischen Glauben – waren in der Tat vielfältig für Arnstadt. So brach mit der Schließung des Franziskaner- wie des Nonnenklosters auch die Sozialstruktur zusammen, fiel die Hilfe für Arme und Schwache weg. „Zwar gab es schon den Spittel, aber das reichte nicht aus“, erklärte Oliver Bötefür. Neues, wie das Waisenhaus am Plan, musste entstehen. Auch der Bauernkrieg ging nicht spurlos an Arnstadt vorbei. Dreizehn seiner Anführer wurden auf dem Marktplatz hingerichtet. Und erst recht hinterließ der 30-jährige Krieg seine Spuren, auch wenn die Stadt nicht geplündert wurde. Das hatten sich die Arnstädter mit 80 000 Gulden bei beiden Lagern teuer erkauft.

 

Doch Oliver Bötefür erläuterte auf der anderthalbstündigen Stadtführung, die von der Oberkirche, also dem ehemaligen Klostergelände, zur Neideckruine, also dem ehemaligen Schwarzburger Schloss – beides Orte, an denen eine Übernachtung Luthers historisch verbürgt ist – auch manch positive Folge der Reformation. So sei ohne Luthers Forderung nach mehr Bildung in deutscher Sprache das heutige Schulsystem nicht möglich gewesen und auch Johann Sebastian Bach „wäre ohne Luther nicht der, der er war.“ Verehrte der große Musikus doch den Reformator und vertonte so manches seiner Lieder.

 

Wer Lust hat, sich auf die Spurensuche nach Luther und den Folgen der Reformation in Arnstadt zu begeben, wird dieses Jahr dazu noch öfters Gelegenheit haben. Die Termine für Februar und März stehen bereits, weitere sollen folgen. Karten gibt es in der Tourist-Information. Weitere Termine: 17. Februar, 18 Uhr, 18. Februar 15 und 18 Uhr, 11. März 15 und 18 Uhr, Treffpunkt: Oberkirche.

 

Berit Richter / 18.01.17
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