Presse: Keine Winterpause für die Großbaustelle Oberkirche

Thüringer Allgemeine am

 

Auch nach der Wiedereinweihung Ende Oktober werden die Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten weitergehen.

Die komplette Sanierung der reich ausgestatteten Oberkirche wird vermutlich noch Jahre dauern. An den Emporen, aber auch am Adelsstand und an der Taufe wurden Musterachsen angelegt, die zeigen, wie die konservierten Bereiche nach einer Restaurierung später aussehen würden. Fotos: Kerstin Nonn (3)

Arnstadt. Wer auf dem Weg zum Pfarrhof die Ohren spitzt, hört auch in diesen Tagen Geräusche aus der für Besucher geschlossenen Oberkirche. Gestern brachte dort Thomas Oschmann unter der Empore eine Unterdecke an. Es ist eine Art Probestück, das die Denkmalbehörde begutachten wird. Danach kann sich der Zimmerermeister aus Finsterbergen dem nächsten Bereich widmen.

 

Während Holzarbeiten auch bei tiefen Temperaturen möglich sind, müssen die Steinmetze gerade pausieren. Um mit Putz zu arbeiten, braucht man mindestens 5 Grad Celsius, erklärt Pfarrer Thomas Kratzer, der die Evangelische Kirchgemeinde als Bauherr vertritt.

 

Mit Musterachsen um Spender werben

Vor dem Altar stapelt sich Baumaterial, hier liegt auch eines der vielen exquisiten Kunstgut-Stücke und wartet auf den Umzug. Das einzigartige Epitaph – ein farbliche gefasster Gedenkstein für den Hüttenmeister Fischer – wird zusammen mit der Grabplatte für Erasmus Kilian einen neuen Platz nahe der Eingangstür erhalten und künftig besser zu betrachten sein als hinter dem Altar. Die verbleibenden Grabplatten an der derzeit eingerüsteten Chorwand wurden ein Stück von der Mauer weggerückt und neu befestigt.

 

Die Fenster- und Mauerwerkssanierung ist ein Vorhaben, das von 2016 mit ins neue Jahr genommen wurde. Eigentlich wollte man schon ein Stück weiter sein, macht Thomas Kratzer deutlich. Doch alte Gebäude bergen häufig Überraschungen.

 

Seit 2006 läuft die Sanierung der ehemaligen Klosterkirche, in der der Reformator Martin Luther zu Gast war. Dabei geben die verfügbaren Finanzen das Tempo vor. Erledigt ist inzwischen auch die statische Ertüchtigung der Emporen. Pfarrer Kratzer zeigt auf eine Musterachse, die ahnen lässt, wie schön die Malereien aussehen könnten. Mit diesem Anblick hofft man, weitere Spender für die Restaurierung in den nächsten Jahren zu gewinnen. Der Fürstenstand konnte kurz vor Weihnachten von Gerüsten befreit werden. Ein ganzes Stück vorangekommen ist man ebenfalls mit dem Kreuzgang, wo Einbauten entfernt und Säulen für das Maßwerk nachgefertigt wurden.

 

Der nördliche Kreuzgang soll bis zum Herbst fertig werden, der Kreuzhof wird allerdings noch ein Provisorium bleiben.

 

Auf einige Provisorien richtet sich auch Martin Sladeczek, Reformationsbeauftragter des Kirchenkreises Arnstadt-Ilmenau, ein. Bereits im April soll es in der Kirche eine Ausstellung geben, der zahlreiche Veranstaltungen bis hin zur Wiedereinweihung am 29. Oktober folgen.

 

Pfarrer Kratzer nennt einige Aufgaben für die nächsten Monate: Stolperfallen im Fußboden sind zu beseitigen, die Elektroanlage und eine Beschallungsanlage sollen ertüchtigt, das Brandschutz- und das Lichtkonzept umgesetzt werden. Alles in allem geschätzte Kosten von rund 120 000 Euro, die bisher noch nicht untersetzt sind. „Das wird ein hartes Jahr“, so Kratzer.

 

Antje Köhler / 04.01.17
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