Presse: Exotischer Zauber von Flöte und Marimbaphon

Thüringer Allgemeine am 4.10.2016

 

Arnstadt (Ilm-Kreis). Es war ein intimes Konzert der Extraklasse. Einmal wegen der beeindruckenden außergewöhnlichen Musik, aber auch wegen der wenigen Zuhörer, die sich am Vorabend des langen Wochenendes in der Oberkirche eingefunden hatten. Und so galt wieder einmal, dass die Besucher, die dieses Konzert versäumt haben, ein musikalisches Highlight verpasst haben.

 

Allein der erotische Zauber der von Almut Unger einfühlsam und intensiv gespielten Flöten lohnte den Besuch, aber der nicht minder erotische Zauber des von Thomas Laukel virtuos und temperamentvoll gespielten Marimbaphons stand naturgemäß im Mittelpunkt des Interesses. Wann bekommt man schon mal ein solch exotisches Instrument zu hören? Das Marimbaphon wurde 1910 auf der Basis der afrikanischen Marimba entwickelt. Es verfügt über Klanghölzer im Umfang von fünf chromatischen Oktaven und hat sich besonders in der lateinamerikanischen Folklore durchgesetzt.

 

So war es kein Wunder und eine prächtige Hommage an die südamerikanische Musik, dass die Performance mit einem längeren Stück des zeitgenössischen brasilianischen Komponisten Ney Rosauro begann, das im ersten Teil eher meditativ begann und sich dann in einen furiosen Tanz hineinsteigerte.

 

Ein Höhepunkt war die längere Komposition „Bat Scheva“ von Benjamin Ulrich, die eine Fülle von modernen Techniken aufwies und erst kürzlich extra für das „duo mélange“ geschrieben wurde. Bat Scheva oder Batseba war die Ehefrau von König David und machtpolitisch angehauchte Mutter des späteren König Salomon, deren aufregendes Leben musikalisch aufwendig widergespiegelt wurde.

 

Wunderbar waren die solistischen Hommagen an Johann Sebastian Bach und seine Solosuiten für Flöte und Cello. Wann hat man Bach schon mal auf dem Marimbaphon erlebt? Der Abend endete mit einer Suite des Gitarristen und Komponisten Mauro Giuliani (1781-1829), die in einem übermütigen Walzer endete. Mit der Zugabe „Clapping Music“, einem frühzeitigen Geburtstagsständchen für Steve Reich (geboren am 3.10.1936) endete das Konzert aufregend minimalistisch.

 

Klaus Ehring / 04.10.16 / TA
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