Presse: Temperamentvolles Spiel mit russischer Seele

Thüringer Allgemeine am 29.08.2016

 
Grandioses Abschlusskonzert der Sommerakademie Böhlen in der Arnstädter Bachkirche.

Maryana Osipova und Dmitry Khakhalin begeisterten. Foto: Christoph Vogel Maryana Osipova und Dmitry Khakhalin begeisterten. Foto: Christoph Vogel

 
Arnstadt (Ilm-Kreis). Das Abschlusskonzert der Sommerakademie Böhlen fand in diesem Jahr aus bautechnischen Gründen nicht in der Oberkirche, sondern in der Bachkirche statt. Leider scheint dieser Höhepunkt des Arnstädter Konzertjahres noch immer ein ziemlicher Geheimtipp zu sein, denn das internationale Publikum, das die Oberkirche einigermaßen gefüllt hätte, wirkte in der Bachkirche fast verloren. Umso massiver war der Applaus des begeisterten Publikums.

 
Er galt den beiden jungen russischen Virtuosen Maryana Osipova an der Violine und Dmitry Khakhalin an der Viola, die unglaublich entspannt und konzentriert musizierten und dabei das Klischee der russischen Seele bestens bedienten. Es ist bei diesen Abschlusskonzerten immer wieder faszinierend zu erleben, wie virtuos und gleichzeitig spielfreudig die jungen Künstler die Musik vorleben. Vielleicht ist es ja gar nicht die Hoffnung, sondern die Musik, die zuletzt stirbt.

 
Die dargebotene Musik war jedenfalls zum Sterben schön. Dies schon deshalb, weil Mozarts Duos für Violine und Viola im Mittelpunkt standen, die jeweils am Anfang der beiden Konzertteile erklangen. Als wunderbarer Beginn erwies sich das „Duo KV 423“, das mit ungeheurer Hingabe und Verve vorgetragen wurde. Angesichts der Spritzigkeit und des Temperamentes bedauerte man, dass es im Abendland nicht üblich ist, zu klassischer Musik zu tanzen.

 
Eine ganz andere Stimmung boten die Künstler in der „Sarabande für Violine und Viola über ein Thema von G. F. Händel“ von dem norwegischen Komponisten Johan Halvorsen (1864-1935). Hier verbanden sich moderne Klänge in eindrucksvoller Weise mit barocker Pracht. So wurde Mozart in gewisser Weise von Vergangenheit und Zukunft eingerahmt.

 
Zum Schluss des ersten Teils gab es eine weitere Überraschung mit einem Stück des Neutöners György Ligeti (1923-2006). Während man diesen Komponisten meist als kompromisslosen Avantgardisten der 60er- und 70er-Jahre kennt, bot das russische Künstlerduo mit „Ballade und Tanz“ ein gemäßigtes Stück aus dem Jahre 1950, das in seiner jugendlichen Frische viel vom rasanten ungarischen Volkstanz erkennen ließ.

 
Nach der Pause ging es mit Mozarts „Duo für Violine und Viola KV 424“ weiter, das gegenüber dem zu Beginn des Konzertes erklungenen „Duo KV 423“ etwas ruhiger und zurückhaltender wirkte. Dafür ging es in der „Passacaglia für Violine und Viola über ein Thema von G. F. Händel“ umso dynamischer dem Konzertende zu. Als Dank für den frenetischen Applaus des Publikums gaben die beiden russischen Virtuosen als Zugabe und Hommage an Johann Sebastian Bach noch einen kleinen Auszug aus den „Brandenburgischen Konzerten“ zum Besten, bevor man musikgesättigt aus der angenehm temperierten Bachkirche wieder in die heiße Spätsommerluft entlassen wurde.

 

Klaus Ehring / 29.08.16 / TA
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