Presse: Historische Sakristei bleibt Mysterium der Oberkirche

Thüringer Allgemeine am 26.03.2016

 

Arnstadt (Ilm-Kreis). Bis zum Lutherjahr 2017 soll die wertvolle Bibliothek der Gemeinde hier wieder eingerichtet werden.

Thomas Kratzer und Karola Hentschel besichtigen die Sakristei in der Oberkirche. Hier ist seit Jahrhunderten eine Bibliothek untergebracht. Foto: Hans-Peter Stadermann

Thomas Kratzer und Karola Hentschel besichtigen die Sakristei in der Oberkirche. Hier ist seit Jahrhunderten eine Bibliothek untergebracht. Foto: Hans-Peter Stadermann

 

Leise quietschend öffnet sich die schwere Eisentür zum unbekanntesten Ort der Oberkirche. „Die Sakristei ist unser Mysterium“, sagt Pfarrer Thomas Kratzer und lächelt.

 

Seit Jahrhunderten schon lagern hier unschätzbare Kostbarkeiten. Erstschriften von Luther etwa und viele andere Bücher, die als Raritäten gelten.

 

Von ihnen Schaden abzuwenden, ist eine der vordringlichen Aufgaben der Kirchengemeinde. „Wir mussten unbedingt etwas in diesem Raum tun“, sagt Sanierungsbetreuerin Karola Hentschel. Denn in einer Ecke stieg Feuchtigkeit hoch, der Putz bröckelte. Und die Fenster waren undicht eingebaut.

Damit die Bücher keinen Schaden nehmen, wurden die 2130 Bände vorübergehend ausgelagert (unsere Zeitung berichtete). Dann übernahmen Sanierungsexperten das Regiment.

 

Rund 40 000 Euro, schätzten sie, würden die gröbsten Reparaturen kosten. Die Gelder stellten die Städtebauförderung und die Kirchengemeinde zur Verfügung, den Arnstädter Anteil übernahm die eigens für solche Zwecke gegründete Stiftung.

 

Alle Beteiligten erlebten indes eine auf dem Bau eher unübliche Überraschung: Die Schäden waren zwar da, aber nicht ganz so schlimm wie befürchtet. Mit den 40 000 Euro konnten daher weit mehr Arbeiten ausgeführt werden, als zunächst gedacht. Unter anderem konnte die wertvolle Wand- und Deckenbemalung ergänzt und zum Teil erneuert werden.

 

Neu eingerichtet werden muss der Raum nicht. Die historischen Holzschränke, die dort stehen, sind intakt, ergab ein Gutachten. Einige der Schränke sollen schon Ende des 16. Jahrhunderts angeschafft worden seien. Damals legte der Superintendent nach einem Besuch auf der Frankfurter Buchmesse den Grundstein für die wertvolle Bibliothek. Fortan stand in den Dienstverträgen der Pfarrer und kirchlichen Lehrer, dass ein Teil ihres Salärs in den Neukauf von Büchern zu fließen hat.

 

Die Signaturen, die noch heute verwendet werden, wurden indes erst 1908 eingeführt.

 

Mit der Rückholung der Bücher aus Eisenach will sich die Gemeinde noch ein wenig Zeit lassen. Denn damit, einen Umzugswagen zu beladen, ist es nicht getan. Die Bücher müssen sorgfältig und systematisch wieder eingeräumt werden – und zwar so, dass sie nicht gepresst stehen. Denn das könnte Schäden verursachen.

 

Die Empfindlichkeit der Bände ist auch der Grund dafür, warum die Sakristei wie zuvor nicht öffentlich zugänglich sein wird. Besuchergruppen durchzuführen würde die klimatischen Bedingungen verändern und den Büchern zusetzen.

 

Wollen Forscher Bände einsehen, wird das indes möglich sein – in einem extra Arbeitsraum, der künftig im Kreuzgang eingerichtet werden soll.

 

Britt Mandler / 26.03.16 / TA

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