Presse: Bilder der Arnstädter Oberkirche wurden für Nachwelt erhalten

Thüringer Allgemeine vom 26.02.2016

 

Dank erfolgreicher Spendenaktion kann evangelische Kirche alleTafelbilder des Adelsstandes restaurieren lassen.

Susanne Ruda hat vier von zehn stark geschädigten Tafelbildern bereits restauriert. Hier steht sie vorm „Jüngsten Gericht“. In der Hand hält sie ein Foto, das den ursprünglichen Zustand des wertvollen Kunstwerks zeigt. Foto: Christoph Vogel

Susanne Ruda hat vier von zehn stark geschädigten Tafelbildern bereits restauriert. Hier steht sie vorm „Jüngsten Gericht“. In der Hand hält sie ein Foto, das den ursprünglichen Zustand des wertvollen Kunstwerks zeigt. Foto: Christoph Vogel

 

Arnstadt. Düster wirkt die Gefängnisszene. Die Zelle ist in dunkle Schatten getaucht. Und doch treten auf dem Bild Details zutage, die jahrzehntelang nicht zu sehen waren. Winzige Ketten, die zu den Knöcheln der Gefangenen führen. Eine Kiste, in Falten gelegte Kleidung.

 

Renate Rupp staunt. Schon oft hat sie das Bild „Die Gefangenen trösten“ betrachtet. Doch war der Zustand traurig. Farbschichten lösten sich, große Flächen im oberen Bereich des Bildes waren gar nicht mehr vorhanden. „Wir hatten zweifel, ob man da noch was retten kann“, gibt das Mitglied des Oberkirchenvereins zu.

 

Restauratorin Susanne Ruda lächelt. Auch sie war erschrocken, als sie erstmals die wertvollen Tafelbilder aus dem Adelsstand, dem Prunkstück der Oberkirche, sah. Sie waren bereits vor geraumer Zeit ausgebaut und übereinander liegend gelagert worden. Was ihnen nicht gut tat. Vor allem den „Gefangenen“ nicht. „Hier lagen die Farbschichten als Rollen auf dem Bild“, verrät sie.

 

Ganz vorsichtig ging die Fachfrau vor. Fixierte Farbreste dort, wo sie ursprünglich hingehörten. Es gab aber auch Stellen, da war nichts mehr zu machen. Hier musste retuschiert werden. „Dass es sich um eine Kerkerszene handelt, kam uns hier zugute“, sagt Susanne Ruda. Denn die Farbschichten hatten sich vor allem in den besonders dunklen Bereichen des Kerkers gelöst. Hier wurde großflächig neue Farbe aufgebracht. Ob Details fehlen, vermag man nicht zu sagen. Es fällt beim Betrachten aber auch nicht auf.

 

Renate Rupp jedenfalls ist rundum glücklich, dass die „Gefangenen“ nun wieder in so einem guten Zustand sind. Der Verein engagierte sich sehr für die Restaurierung. Und Renate Rupp spendete einen Preis, um das stark geschädigte Bild wieder herrichten zu können.

 

Auch andere Menschen folgten den Spendenaufrufen. Volker Kögler etwa, dessen restauriertes Tafelbild als erstes in die Kirche zurückkehrte. Dietrich Weiß, ein gebürtiger Arnstädter, der jetzt in München lebt, pflegte jahrelang seine Frau. Ihn sprach das Bild „Die Kranken besuchen“ so sehr an, dass er für dessen Restaurierung Geld spendete.

 

Dr. Frank Fietze hingegen wünschte sich zu seinem 50. Geburtstag keine Geschenke, sondern einen kleinen Zuschuss für die Restaurierung des „Jüngsten Gerichts“. „Wir wollten einen bleibenden Wert für Arnstadt schaffen“, begründet seine Frau Petra, als am Freitagnachmittag drei restaurierte Tafelbilder zurückgebracht werden.

 

Susanne Ruda hat sie zum Teil auf ein neues Rahmensystem gespannt, das in der Lage ist, Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen auszugleichen. Dadurch wellen sich die Leinwände nicht mehr. So dürften die restaurierten Bilder viele weitere Jahrzehnte überstehen, ist sich die Fachfrau sicher.

 

In Susanne Rudas Atelier liegen noch sechs weitere Tafelbilder. Dank vieler Spendenwilliger ist die Finanzierung der weiteren Restaurierungsarbeiten gesichert, freut sich Pfarrer Thomas Kratzer. Im Mai und Juni werden zwei der Bilder übergeben. Spätestens zum Denkmaltag am 11. September sollen auch die restlichen Tafelbilder in die Kirche zurückkehren.

 

Britt Mandler / 26.02.16 / TA

 

Weitere Eindrücke:

Zertifikat über die Restaurierung des Bildes „Die Gefangenen trösten“

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