Presse: Adelsloge in der Oberkirche vervollständigt und konserviert

Thüringer Allgemeine vom 15.01.2015

 

Arnstadt (Ilm-Kreis). Prächtige, mit Bildern und Wappen verzierte zweietagige Holzkonstruktion prägt nachhaltig den Raumeindruck.

Restauratorin Annette Bohrloch (Mitte) erläuterte in der Oberkirche, was alles am Adelsstand getan wurde.

Restauratorin Annette Bohrloch (Mitte) erläuterte in der Oberkirche, was alles am Adelsstand getan wurde.

 

Fürstenstand, Gräfinnenstand und Adelsstand, die Oberkirche in Arnstadt hat gleich mehrere dieser separaten Logen, wo sich höher stehende Schichten früher vom Volk abheben wollten und hinter Glasscheiben das Geschehen in der Kirche verfolgen konnten, ohne selbst gesehen zu werden.

 

Jede dieser Logen ist in anderer Form ausgeführt, und in ihrer baulichen Eigenart sind die seitlich im Kirchenschiff angeordneten Stände heute Besonderheiten der Oberkirche.

 

Der Adelsstand ist davon der einzige, der über zwei Etagen verfügt. Gestern wurde nun diese fast fertig wieder hergestellte Loge der Presse präsentiert.

 

„Der Schwerpunkt lag bei der Instandsetzung auf der Konservierung und der Vervollständigung, wir wollen die Holzkonstruktion im Ist-Stand bewahren“, so Restauratorin Annette Bohrloch. Mit der Sanierung vieler vom Schwamm befallenen Teile fing die Instandsetzung an. Der Holzwurm hatte zudem Teile zerfressen.

 

Insgesamt wurde der Adelsstand auf eine Fassung von 1900 zurückgeführt. Über ältere Bau- und Gestaltungsvarianten gab es nicht ausreichend Unterlagen. Sicher ist aber, so Bohrloch, dass der Grundstein für den Adelsstand um 1590 gelegt wurde. Später wurde der Sockel unter der jetzigen Holzkonstruktion, die in älterer Fassung als Fachwerk ausgeführt war, eingebaut. „Wir haben die Sichtfassung des Adelsstandes gereinigt, konserviert und eine Mustersäule im rechten Bereich von oben bis unten auch restauriert, um zu zeigen, wie die Originalfassung aussah“, so Annette Bohrloch weiter.

 

Komplett wieder angebracht sind die Holztafelgemälde im oberen Bereich. Die Leinwandgemälde unten am Adelsstand werden Stück für Stück, so wie Gelder von offiziellen Stellen und vor allem Spenden fließen, aufgearbeitet und angebracht. Eines der Bilder ist bereits zu sehen. Es ist nicht mehr wie zuvor einfach flächig auf Holz genagelt, sondern nun auf einen Keilrahmen gespannt, um es besser zu schützen. Die Bilder zeigen allesamt Darstellungen aus dem Alten und Neuen Testament. So zum Beispiel einige „Werke der Barmherzigkeit“ oder „Abrahams Opfer“.

 

Auch Taufe und Epitaph in alter Schönheit

Beim jetzigen Bauabschnitt, der vorwiegend mit Geldern des Landesamtes für Denkmalpflege, der Landeskirche, Lottomitteln und vielen Spenden finanziert wurde, ist nicht nur der Adelsstand hergerichtet und konserviert worden. Auch die Taufe glänzt wieder in alter Schönheit, sämtliche 20 Figuren sind wieder aufgesetzt und präsentieren sich in einer „Polierweißfassung mit Gold“. Lediglich am Fuß der Taufe sind noch weitere Arbeiten nötig, weil es im Laufe der Zeit Farbveränderungen gab.

 

Außerdem wurde noch die große Gedenktafel für den Schwarzburger Ratsherren Nicolaus Scheller gleich neben dem Adelsstand in ehemaliger Pracht herrlich aufgearbeitet.

 

Die Oberkirche gilt als Referenzobjekt zum Lutherjubiläum 2017. Bis dahin soll in vielen Schritten die Oberkirche vervollständigt und besondere Ausstattungsmerkmale hervorgehoben werden. Im nächsten Jahr ist die Kanzel vorgesehen, parallel wird mit dem Fürstenstand begonnen.

 

Kirchenältester Hans-Gunter Baumgarten schilderte zum Abschluss der Begehung, „dass ich 1988 das Innere der Kirche gesehen habe, da sah es schlimm aus. Alles lag voller Holz und Steine, ein Gewirr, jetzt ist vieles wieder sehr schön geworden.“

 

Pfarrer Thomas Kratzer: „Ich lebe mit dem Stückwerk, das meine ich positiv, denn es geht in der Oberkirche Stück für Stück voran.“

Frank Buhlemann / 15.01.15 / TA
Dieser Beitrag wurde unter Archiv, Baufortschritt abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Die Kommentarfunktion ist geschlossen.