Presse: Klassik trifft Moderne in der Kirche und im Theater

Thüringer Allgemeine vom 25.08.2014

 

Arnstadt (Ilmkreis). Abschlusskonzerte der Thüringischen Sommerakademie und der Sommernachtsklassik in Arnstadt waren grandios.

In der Arnstädter Oberkirche musizierten am Freitagabend die Kursteilnehmer der Thüringischen Sommerakademie Böhlen. Foto: Christoph Vogel

In der Arnstädter Oberkirche musizierten am Freitagabend die Kursteilnehmer der Thüringischen Sommerakademie Böhlen. Foto: Christoph Vogel

 

Die gute Nachricht: Zwei weitere grandiose Höhepunkte im Arnstädter Musikleben. Die schlechte Nachricht: am gleichen (Freitag-)Abend. Liebe Freunde der Oberkirche, hätte man euer Konzert nicht eine Stunde vorverlegen können?

 

Sei es wie es sei, das Abschlusskonzert der Thüringischen Sommerakademie erwies sich wie gewohnt als ein äußerst virtuoses Kammerkonzert, bei dem Klassik und Moderne, Soli und Kammerensembles wunderbar abwechselten. Wieder einmal hatten die zehn Tage im August, die den Teilnehmern der Sommerakademie im beschaulichenBöhlen zum Proben zur Verfügung standen, zu Höchstleistungen und Genüssen der Sonderklasse geführt.

 

Es begann und endete mit unbekannteren Werken von Mozart. Während sein „Adagio B-Dur für 4 Klarinetten und Bassklarinette KV 484a“ den Abend hochkarätig einleitete, beendete sein „2. Preußisches Quartett für 2 Violinen, Viola und Violoncello KV 589“ das von vorne bis hinten brillante Kammerkonzert triumphal und fast schon orchestral. Ähnlich klangmächtig kam auch Johannes Brahms mit seinem selten gehörten „Quintett h-Moll für Klarinette, zwei Violinen, Viola und Violoncello op. 115“ daher.

 

Interessanterweise erwiesen sich gerade die solistischen Leistungen und Duette als besonders spannend. Bachs zweiter Cello-Suite „d-Moll BWV 1008“, von der in atemberaubender Perfektion und Wärme das „Prélude, Menuett I – Menuett II“ und die Gigue erklangen, wurde großartig kontrastiert mit einem kompromisslos modernen Stück.

 

Die beiden Sätze der „Sonate für Klarinette“ von EdisonDenisov aus dem Jahre 1971 war nämlich das zeitlich modernste und auch klanglich experimentellste Stück des Abends, das fantastische Perfektion und Spielfreude ausstrahlte. Auch die beiden weiteren Werke aus dem 19. Jahrhundert waren Höhepunkte.

 

Nach der Pause erklang zunächst die rhythmisch-lebensfrohe „Sonate für 2 Klarinetten op. 7 FP7“ aus dem Jahr 1918 von Francis Poulenc, in der möglicherweise das Ende des Ersten Weltkrieges gefeiert oder herbeigesehnt wird. Der dritte solistische Höhepunkt folgte mit der „Sonate für Violine solo Aurore“ des Geigenvirtuosen Eugène Ysaye aus dem Jahre 1923.

 

Überraschenderweise stand im Theater im Schlossgarten das Konzert der „Stüba-Philharmonie“, dieser Vereinigung junger Musikenthusiasten, ebenfalls unter dem Motto „(Unbekannte) Klassik trifft Moderne“. Kurt Weill mit seiner „2. Symphonie“ und Mussorgsky mit „Eine Nacht auf dem kahlen Berge“ wurden mir nachträglich als gelungene Interpretationen geschildert.

 

Die zweite Hälfte mit zeitgenössischen Kompositionen von Fabian Russ, Tim Jäkel, Steffen Greisinger und Matthias Eichhorn konnte ich glücklicherweise noch zum großen Teil miterleben. Und somit konnte ich die Virtuosität und Spielfreude des riesigen Orchesters, vor allem aber die Klanggewalt bewundern, die Elemente aus Rock, Jazz, Minimalmusik und Elektronik nicht scheute und zu der Kammermusik in der Oberkirche trefflich kontrastierte.

Klaus Ehring / 25.08.14 / TA
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