Presse: Arnstadt: Jeder Mensch verdient Beachtung

Thüringer Allgemeine vom 25.05.2014

 

Arnstadt (Ilmkreis). Die Restaurierung des Adelsstandes „Die Gefangenen trösten“ ist eines der am meisten geschädigten Bilder.

"Die Gefangenen trösten" heißt dieses Bild aus der Brüstung des Adelsstandes. Es ist eines der am meisten geschädigten Bilder. Foto: Repro

„Die Gefangenen trösten“ heißt dieses Bild aus der Brüstung des Adelsstandes. Es ist eines der am meisten geschädigten Bilder. Foto: Repro

 

Mit wertvollen Kunstschätzen ist die Oberkirche ausgestattet. Dazu gehört auch der Adelsstand, dessen Brüstungsbilder restauriert werden sollen. Der Stand als solcher wird in diesem Jahr gesichert und aufgearbeitet. Für einen Großteil der Bilder sind jedoch Spendengelder nötig, um sie wieder herzurichten und einbauen zu können. Eines der Bilder, das auf Gönner angewiesen ist, heißt „Die Werke der Barmherzigkeit – die Gefangenen trösten“.

 

Es ist eines der am meisten geschädigten Bilder. Es zu reinigen, lose Farbe zu sichern und es so herzurichten, dass es wieder in der Brüstung eingebaut werden kann, wird schätzungsweise 5000 Euro kosten.

 

Andreas Gerschel vom Gemeindekirchenrat hofft sehr, dass dieses Geld über die Spendenaktion zusammenkommt. Denn er verbindet viel mit dem Bild. „Ich habe eine Zeit lang selber als ehrenamtlicher Seelsorger im Gefängnis inIchtershausen gearbeitet“, erklärt er.

 

Eines fiel ihm dabei immer wieder auf: die unendliche Dankbarkeit der jungen Menschen darüber, dass sie besucht werden, dass sich jemand ganz ohne Grund ihrer Sorgen annimmt, ihnen zuhört, vorbehaltslos auf sie zugeht.

 

„Für mich war das eine sehr wichtige Erfahrung. Und ich habe Lebensgeschichten gehört, die mich beeindruckt haben, die ich nie vermutet hätte“, sagtAndreas Gerschel.

 

Für ihn geht der Begriff des Gefangenen aber noch viel weiter. Gitter braucht es dazu nicht unbedingt. „Manch einer ist auch in einer Sucht oder ähnlichem gefangen“, erläutert er.

 

Auch diese Menschen machen die Erfahrung, dass sich nur wenige Leute die Mühe machen, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. „Sie wollen nicht Besucher sein, sondern fällen lieber vorschnell ein Urteil“, so die Erfahrung vonAndreas Gerschel. „Dabei ist jeder Mensch, egal, was er für eine Geschichte hat, ein Ebenbild Gottes. Und er hat es verdient, dass man ihm zuhört und ihm beisteht“, ist er überzeugt. „Jeder Mensch ist es wert, dass man sich mit ihm beschäftigt. Niemand darf einfach abgeschrieben werden.“

 

Andreas Gerschel freut sich, dass der Oberkirchenverein dieses Thema aufgenommen hat und im September den zweiten Arnstädter Perspektivenwechsel dem Bild „Gefangene trösten“ widmen wird.

 

Bei der Gesprächsrunde wird es um den Umzug der Jugendstrafanstalt vonIchtershausen nachRudisleben gehen und um die Frage, wie man jungen Strafgefangenen gegenüber tritt. Wie kann man ihnen auf dem Weg in ein straffreies Leben helfen, wie gibt man ihnen eine zweite Chance? Dieses Thema ist vielschichtig und wird spannende Impulse für eine Diskussion und gesellschaftliche Auseinandersetzung bieten. Vielleicht ist das Bild bis dahin auch schon wieder so hergerichtet, dass es vorzeigbar ist.

 

Britt Mandler / 25.05.14 / TA
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