Presse: Frage nach dem Sinn des Lebens

Thüringer Allgemeine vom 18.05.2014

 

Arnstadt (Ilmkreis). Die Restaurierung des Adelsstandes „Die Kranken besuchen“ ist für viele Betroffene eine große Erleichterung.

 

"Die Kranken besuchen" heißt dieses Bild, welches in der Brüstung des Adelsstands befestigt war und nun restauriert werden soll. Foto: TA Arnstadt

„Die Kranken besuchen“ heißt dieses Bild, welches in der Brüstung des Adelsstands befestigt war und nun restauriert werden soll. Foto: TA Arnstadt

 
Mit wertvollen Kunstschätzen ist die Oberkirche ausgestattet. Dazu gehört auch der Adelsstand, dessen Brüstungsbilder restauriert werden sollen. Der Stand als solcher wird in diesem Jahr gesichert und aufgearbeitet. Für einen Großteil der Bilder sind jedoch Spendengelder nötig, um sie wieder herzurichten und einbauen zu können. Eines der Bilder, das auf Gönner angewiesen ist, heißt „Die Werke der Barmherzigkeit – die Kranken besuchen“. Dargestellt wird eine Szene aus dem 25. Kapitel des Matthäus-Evangeliums.

 

Kirsti Senff geht diese Darstellung besonders nahe. Nicht nur, weil sie sich seit langem für die Sanierung der Oberkirche engagiert. Die gelernte Krankenschwester weiß auch, was es bedeutet, Kranken beizustehen. DennKirsti Senff arbeitet als Hospizkoordinatorin und als Trauerbegleiterin.

 

„Wenn ein Mensch schwer krank wird, erlebt er eine Auszeit: Der vertraute Lebenslauf wird unterbrochen, die Selbstbestimmung in wichtigen Bereichen aufgehoben, die Mobilität eingeschränkt“, erklärt sie. Stehe fest, dass die Krankheit zum Tod führt, gerieten die Betroffenen, aber auch Angehörige körperlich, seelisch und spirituell in eine existenzielle Krise.

 

In einer solchen Situation stelle sich nicht nur die Frage nach Unterstützung, sondern auch nach dem Sinn des Lebens und dem Warum, soSenff. Das schließe auch die Frage nach Gott ein und warum er dies zulasse. „Gott trennt sich aber nicht von Kranken und Schwachen, sondern begleitet sie in ihrer Not“, versichertSenff. „Sie sind bei Gott keine minderwertigen Geschöpfe. An vielen Stellen der Bibel finden sie besondere Beachtung und Wertschätzung“, sagt sie. „Jesus selbst identifiziert sich mit den leidenden Menschen im Gleichnis vom Weltgericht „Ich war krank und ihr habt mich besucht“ (Matth. 25,36).

 

„In der heutigen leistungsorientierten Gesellschaft ignorieren wir odt, dass Abschied, Verlust, Trennung, Enttäuschung, Schwäche, Krankheit, Sterben und Tod zu unseren elementaren Lebenserfahrungen gehören“, weiß die Trauerbegleiterin. Man dürfe aber nicht wegschauen und weglaufen vor dem Leid kranker, geschwächter Menschen. Oft sind es ehrenamtliche Hospizbegleiter des Malteser Hospizdienst und Palliativberatungsdienstes, schwer Kranken und ihren Angehörigen beistehen, ihnen die Ängste nehmen, für sie da sind, auch noch so manchen Wunsch erfragen und erfüllen.

„Kranke besuchen bedeutet heute Begleitung und Begegnung – eine Erlösung aus der Beziehungslosigkeit und Starre auch in der Familie“, sagtKirsti Senff. Es sei nicht nur eine christliche, sondern auch eine gesellschaftliche Aufgabe, dass Kranke und Gesunde, Schwache und Starke zusammenleben und sich gegenseitig Halt geben.

 

Britt Mandler / 18.05.14 / TA
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