Presse: Superintendent griff Geiz und Eigennutz an

Thüringer Allgemeine vom 4. April 2014

 

Arnstadt (Ilmkreis). Joachim Mörlin, der einstige Kaplan Luthers, predigte in der Oberkirche und wurde 1543 aus dem Amt verwiesen.

Als die Franziskaner Arnstadt und die Oberkirche verlassen hatten, predigte dort nach Einführung der Reformation Joachim Mörlin. Foto: Hans-Peter Stadermann

Als die Franziskaner Arnstadt und die Oberkirche verlassen hatten, predigte dort nach Einführung der Reformation Joachim Mörlin. Foto: Hans-Peter Stadermann

 

Wenn in diesem Jahr der 500. Geburtstag von Dr. Joachim Mörlin in Wittenberg und Göttingen gefeiert wird, so wird bewusst der Lebenslauf von Mörlin zu seiner Arnstädter Zeit ausgelassen. Dabei wurde, der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Mörlin, 1539 Luthers Kaplan und erwarb ein Jahr später den theologischen Doktortitel.

 

Nachdem die Franziskaner- Mönche im Herbst 1538 die Oberkirche und somit die Stadt Arnstadt verlassen hatten, wollte man die Reformation überall durchdrücken.

 

1539 erfolgte eine zweite Visitation um die Reformation zu fördern. Luther und Melanchthon hatten eine Empfehlung für Dr. Joachim Mörlin als Superintendenten für Arnstadt ausgesprochen, denn der Graf Günther hatte um einen geschickten Mann für die Pfarre gebeten. Am 2. September 1540 meldete Melanchthon an Friedrich Myconius in Gotha, dass Mörlin und Magister Christopherus Lasius nach Arnstadt gehen. Der 26-jährige Mörlin war zweifellos ein Mann vom Format. Er war der erste in Arnstadt, welcher ein volles Studium der lutherischen Theologie hatte und somit evangelisch predigen konnte.

 

In Arnstadt wirkte damals der Diakon Heinrich Bloß. Mörlins Predigen waren mit scharfen Worten gegen die Obrigkeit bestückt. Er griff Geiz, Eigennutz, Sittenlosigkeit und die Freiheit der Bürgermeister an.

 

Dabei ging es 1542 um die Bürgermeister Andreas Wende und Hans Reinhart sowie 1543 um Hans Fischer/Zimmermann und Dietrich Krause. Diese waren alle rechtschaffende Bürger in der Stadt, welche zum Wohl der Stadt ihr Amt ausübten.

 

Nach heftiger Predigt im Frühjahr 1543 gab man dem Unmut in der Stadt freien Lauf. Ein Großteil der Bürger war mit dem Superintendenten nicht mehr einverstanden. Man stellte Dr. Joachim Mörlin ein Paar Schuhe in die Haustür mit den Worten: „Surge et ambula! – Stehe auf und wandre!“

 

Der Rat der Stadt Arnstadt kündigte den Pfarrer und der Graf setzte Dr. Mörlin als Superintendenten ab.

 

Ein ausführliches Gutachten der Leipziger theologischen Fakultät, nach einer Schrift der „schwarzen Rotte“ – seinen Anhänger, konnte nichts ändern. Luther hatte Dr. Mörlin selbst geraten, den Staub Arnstadts von den Füssen zu schütteln.

 

Der Amtsschlösser Peter Watzdorf erhielt einen Brief an die Arnstädter, wo diesen gründlich die Meinung gesagt wurde. Dr. Mörlin verließ Arnstadt 1544. Mit ihm wurden die Diakone Lasius und Bloß entlassen.

 

In Arnstadt war wieder bürgerliche Ordnung in Verbindung mit der evangelischen Lehre hergestellt. Als Superintendent wurde Georg Spenlin und ab 1553 Dr. Nicolaus Herco gen Zipfer tätig. Auch durfte Diakon Bloß in Arnstadt wieder wirken.

 

In dieser Zeit wurde die Oberkirche nur als Nebenkirche benutzt und erst ab 1571 zu Hauptgottesdiensten. An die Franziskaner wurde wenig gedacht, aber das Jahr 1539 brachte für Arnstadt die Förderung der Reformation, wobei man mit Dr. Joachim Mörlin doch etwas Pech hatte.

 

Helmut Abendroth / 04.04.14 / TA
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