Presse: Neues Stahlskelett entlastet künftig die Mauern des Kreuzgangs

Thüringer Allgemeine vom 4.12.2013

 

Arnstadt (Ilmkreis). Denkmalschützer schreiben Arbeiten für weitere Sanierung der Oberkirche aus, damit sie 2017 wieder voll nutzbar ist.

 

So sieht der Innenhof am Kreuzgang der Oberkirche in Arnstadt aus. Noch stehen hier die stützenden Gerüste. Foto: Hans-Peter Stadermann

So sieht der Innenhof am Kreuzgang der Oberkirche in Arnstadt aus. Noch stehen hier die stützenden Gerüste. Foto: Hans-Peter Stadermann

 

„Leicht nach links schwenken. Und dann absenken.“ Manfred Ahnert balanciert auf dem Baugerüst im Innenhof der Oberkirche und spricht in ein Funkgerät. Quasi blind hebt sein Kollege 1,8 Tonnen schwere Stahlgerüste über das Kirchendach. Ahnert sorgt dafür, dass die Kolosse sanft in den Kreuzgang gleiten. Keine leichte Aufgabe, denn viel Platz ist hier nicht.

 

Doch weder er noch der Kranführer lassen sich aus der Ruhe bringen. Sechs der Gerüste fügen sie gestern ein. Sobald eines von ihnen verankert ist, beginnen die Dachdecker, die Montagelöcher wieder zu verschließen. Schließlich ist für die kommenden Tage Schneefall angekündigt.

 

Zaungäste haben die Fachleute natürlich auch. Karola Hentschel vom Büro für Stadtentwicklung steht auf dem kleinen Hof. Auch Landeskonservator Holger Reinhardt, Pfarrer Thomas Kratzer sowie Silvia Britz und Sabine Guzowski vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie schauen zu. Sie alle engagieren sich seit Jahren für die Sanierung der Oberkirche, stellen Fördermittelanträge, sprechen Stiftungen an, bereiten Anträge vor.

 

Um ein so großes Vorhaben zu bewältigen, bedarf es vieler Geldgeber, weiß Karola Hentschel. Landes- und Kirchengemeinde beteiligen sich ebenso wie die Stadt. Hinzu kommen Förder- und Stiftungsmittel, so dass die Kirche Abschnitt für Abschnitt saniert werden kann.

 

Das Einfügen der Stahlgerüste in den Kreuzgang ist ein weiterer wichtiger Schritt, um die Kirche wieder erlebbar zu machen. Schon seit zehn Jahren stützen Holzbalken die Außenmauer des Kreuzgangs ab. Sie sollen verschwinden, sobald die Außenmauer mit dem neuen Stahlgerüst verbunden ist. Auch die Dachlast wird künftig auf dem Gerüst ruhen, so dass die Mauer nicht mehr weiter arbeitet. Die zum Teil aus statischen Gründen zugemauerten Fenster können dadurch wieder freigelegt werden, so dass der Kreuzgang künftig auch wieder als solcher nutzbar ist.

 

Im bislang ungenutzten Geschoss über dem Kreuzgang könnte eine Bibliothek eingerichtet werden. Werke der Kirchengeschichte sollen dort ebenso stehen wie Schulbücher aus der Zeit der Reformation.

 

In einem späteren Bauabschnitt soll im Hof Boden abgetragen werden. Denn über die Jahrhunderte sammelten sich dort Erdschichten an, die es ursprünglich nicht gab. Die Fenster sehen deshalb derzeit aus, als wären sie Türen.

 

Ehe es an die Hofgestaltung geht, kümmern sich die Restauratoren aber um die Innenausstattung der Kirche. Ab 2014 sollen die verschiedenen Emporen wieder hergerichtet werden, damit die Oberkirche im Jahr 2017, wenn das Reformationsjubiläum gefeiert wird, wieder voll genutzt werden kann.

 

Die Ausschreibung für die nächsten beiden Jahre wird in den kommenden Tagen auf den Weg gebracht, versicherten die Fachfrauen vom Landesamt für Denkmalschutz. Zugleich kümmern sich alle Beteiligten darum, dass auch genug Geld zusammenkommt. Denn mitten in der Sanierung aufhören zu müssen wäre jammerschade, sind sich die Experten einig.

 

Britt Mandler / 04.12.13 / TA

 

Eindrücke von der Baumaßnahme:

alle Fotos von Hans-Peter Stadermann, TA

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