Presse: Restaurierung der Oberkirche außen wie innen sichtbar

Thüringer Allgemeine vom 17.10.2013

 

Blick auf alte Bücher der Kirchenbibliothek. Bei Bauarbeiten wurde zudem eine Schulbibliothek aus dem 17. und 18. Jahrhundert gefunden. Foto: Frank Buhlemann

Blick auf alte Bücher der Kirchenbibliothek. Bei Bauarbeiten wurde zudem eine Schulbibliothek aus dem 17. und 18. Jahrhundert gefunden. Foto: Frank Buhlemann

Arnstadt (Ilmkreis). Bauausschussmitglieder informierten sich über Situation in der Kirche und im benachbarten Kreuzgang.

In lockerer Regelmäßigkeit sieht sich der Bauausschuss der Stadt Arnstadt vor Ort um. So ließen sich die Ausschussmitglieder dieses Mal in der Oberkirche über den Stand der Bau- und Restaurierungsarbeiten und auch zu Fragen der künftigen Nutzung berichten. Dabei durften sie auch einen Blick in die wertvolle Kirchenbibliothek werfen.

 

Pfarrer Thomas Kratzer informierte über die künftige Mischnutzung der Oberkirche durch die Kirchgemeinde, die Stadt und den Oberkirchenverein. Der Kirchenraum wird gedanklich geteilt. Eine Hälfte des Raumes reicht vom Altar bis zur seitlich angeordneten Kanzel. Der Mischbereich erstreckt sich demzufolge von der Kanzel bis in den hinteren Bereich des Kirchenraumes. Kratzer: „Die Oberkirche ist im Eigentum der Kirchgemeinde Arnstadt, aber sie soll künftig auch für andere Nutzungen geöffnet sein.“

 

Als Krux einerseits, aber auch als reichen Fundus nennt Pfarrer Kratzer, dass die Kirchgemeinde gleich drei hervorragende Objekte zu betreuen hat: neben der Oberkirche nämlich die Liebfrauenkirche und die Bachkirche in Arnstadt.

 

Die Fortschritte im Inneren der Oberkirche sind jedenfalls deutlich erkennbar. So hat die Taufe wieder Gestalt angenommen. Auch wenn die Figuren noch fehlen, sind die meisten von ihnen fachgerecht, liebevoll und mit hohem finanziellen Aufwand restauriert worden. Dennoch werden weiter Spenden dringend benötigt, so für die Wiederherrichtung des Taufgestells selbst. Dafür werden rund 60.000 Euro gebraucht.

 

In neuem Glanz strahlt dagegen bereits die Tonnendecke der Oberkirche. Auch die Nord- und Südwand wurde restauriert.

 

Dagegen steht auf der weiteren Wunschliste noch die Konservierung des Adelsstandes, der an beiden Brüstungsebenen mit Gemälden verziert ist, teils mit Leinwandgemälden, teils mit Holztafelbildern.

 

Ziel ist es, die Oberkirche bis 2017 für eine uneingeschränkte Nutzung herzurichten. Dafür werden rund 2,7 Millionen Euro nötig sein, so Dr. Karola Hentschel vom Büro für Stadtentwicklung während der Begehung. Diese Mittel gliedern sich in gut anderthalb Millionen Euro für die bauliche Instandsetzung, gut über eine Million Euro wird insgesamt für die Restaurierung des Innenraumes und der Ausstattungen gebraucht.

 

Äußerlich sind die Bauarbeiten an der Oberkirche bereits abgeschlossen. Das Dach ist komplett instand gesetzt, auch die Steinarbeiten an den Giebeln und an der Chorsüdfassade.

 

Ganz anders sieht es mit der Freilegung und Begehbarkeit des nördlichen Kreuzganges aus. Die Mitglieder des Bauausschusses überzeugten sich im Innenhof von der Situation. Eingerüstet und abgestützt zeigt sich die Kreuzgangwand. Deutlich sichtbar im Mauerwerk die ehemaligen Bögen des Kreuzganges und darüber Luken von Zimmern oder einem langgestrecktem Saal.

 

Die angesprochene Mischnutzung bezieht sich auch auf den Kreuzgang und an die Oberkirche angrenzende Gebäude, so Pfarrer Kratzer weiter. Neben dem Kreuzgang soll auch ein großer Raum im Stadtkirchenamt in einen künftigen Rundgang einbezogen werden. Wanddurchbrüche müssen dafür gemacht, Niveauunterschiede des Bodens überwunden werden. So soll der Kreuzgang auch für Behinderte nutzbar sein. Im oberen Teil des Kreuzgangs soll sogar eine Bibliothek eingerichtet werden, denn bei der Freilegung wurde eine nahezu komplette Schulbücherei aus dem 17. Jahrhundert entdeckt.

 

Das Zeitziel für die Fertigstellung der Oberkirche, des Kreuzganges und sogar die Begehbarkeit des Kreuzhofes ist das Lutherjahr 2017 (500. Jahrestag der Thesenanschläge). Ohne Fördermittel, Denkmalschutzgeld und auch Privatspenden wird das kaum zu schaffen sein.

 

Frank Buhlemann / 17.10.13 / TA

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