Presse: Sanierung der Arnstädter Oberkirche ist schwieriges Projekt

TA vom 08.12.2011

Noch ist der Blick auf den Kreuzgang – auch durch Stützbalken – verstellt. Foto: Christoph Vogel (TA)

„Der Kreuzgang soll wieder als solcher hergestellt werden“, sagt Angelika Greim- Harland. Die Superintendentin steht im Hof hinter der Oberkirche und das, wovon sie spricht, ist kaum zu erkennen.

Ein paar Bögen im Mauerwerk und vereinzelte Fenster sind alles, was vom ehemaligen Kreuzgang noch zu erkennen ist. Der Gang wurde nicht mutwillig von Gottlosen zerstört, es wurde eben nur immerzu gebaut an der Oberkirche. Jede Generation hat das Haus ihren Bedürfnissen angepasst. Und so sieht man vom Hof aus zwar, wo die Mönchszellen der Franziskaner gewesen sein könnten, aber um sich den Kreuzgang vorzustellen, ist gegenwärtig noch sehr viel Fantasie nötig. Auch im Inneren: Er dient gegenwärtig als Abstellraum. Die Sanierung der Oberkirche ist eine Mammutaufgabe, die nur mit den Mitteln der Kirche und selbst mit Unterstützung von Stadt, Land und Bund kaum zu stemmen ist. Zum Glück finden sich immer wieder private Spender – nicht nur aus der Region. So wie der Augenarzt Reinhard Kaden aus Heidelberg, der selbst wohl noch nie in der Oberkirche war. Er wurde durch die Veröffentlichung von Bildern in der Zeitschrift „Monumente“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz auf die Kirche aufmerksam und übernahm die Kosten für die Restaurierung der Statue des Lukas, der als Schutzpatron der Ärzte gilt. Und er nutzte zugleich seine zweite Profession als Verleger einer Zeitschrift für Augenheilkunde, um seine Kollegen zu weiteren Spenden zu animieren. So kann Stück für Stück weiter gearbeitet werden, gerade kamen von der Stiftung Denkmalschutz zwei neue Förderverträge, die aus privaten Spenden gespeist werden (TA berichtete). Die Untersuchungen des Bestandes sind weitgehend abgeschlossen, dabei kam viel Überraschendes zutage. Zum Beispiel übermalte Reliefs und verborgene Gemälde, die im Laufe der 800-jährigen Geschichte der Kirche entstanden sind. Aber nun sind die Architekten und Denkmalpfleger an einem Punkt angekommen, an dem man sich entscheiden muss. In welchen Zustand soll man die Kirche wieder versetzen, die doch in ihrem langen Leben so viele Zustände und Nutzungen hatte? Und auch die Kirchenleitung steht vor einem Problem, das sich jetzt schon stellt, auch wenn die Kirche noch gar nicht fertig ist: Wozu soll dieses schöne Haus danach dienen? Für Gottesdienste steht die Bachkirche bereit. Schon die Liebfrauenkirche, ebenfalls mit viel Bürgerbeteiligung saniert, hat danach nie eine adäquate Nutzung gefunden. Wozu könnte die Stadt und die Gemeinde noch eine dritte so große Kirche gebrauchen? Das sind Fragen, denen sich seit 1. Dezember auch Mechthild Latzel stellen muss. Mit Unterstützung der Landeskirche hat sie eine zunächst auf drei Jahre befristete Pfarrstelle für die Oberkirche angetreten. Es ist nur eine halbe Stelle und sie muss daneben auch noch Pfarrerkollegen beim Gottesdienst vertreten, aber es ist ein Anfang. Noch ist sie dabei, sich einzuarbeiten, am kommenden Wochenende wird sie mit einem Gottesdienst offiziell eingeführt. Aber sie kommt wohl zur rechten Zeit. Denn im Augenblick ist die Oberkirche noch eine Baustelle – und alles ist möglich. Man muss den Mut haben, das als Chance zu begreifen und in die Zukunft zu denken. Dann kann man sich auch vorstellen, wie der Kreuzgang künftig wieder aussehen könnte. Und wie schön es wäre, dort im Sommer zu sitzen. Vielleicht 2017, im Jubiläumsjahr der Reformation.

Eberhardt Pfeiffer

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